A Kassák Múzeum kiállítási katalógusai, kisebb kiadványai
Lajos Kassák 1887-1967. Eine Ausstellung des Petőfi Literaturmuseum Budapest im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. 6. Juni-9. Juli 1989
Handwerksleute Nachdichtung: Annemarie Bostroem Erschienen ungarisch in: A Tett, 1. Jg. 1915, Nr. 3, S. 42. Zitiert nach: Ungarische Dichtung aus fünf Jahrhunderten, Hrsg. Stephan Hermlin und György Mihály Vajda, Berlin/Weimar 1970, S. 221 f. Wir sind nicht Gelehrte, auch nicht verträumte, goldmundige Pfaffen auch keine Helden, von Hurra und Trara in die Schlacht geführt, jetzt ohnmächtig liegend auf Meeresgründen und an sonnigen Hängen, auf Feldern vom Blitz zerschmettert, ringsum verstreut in der ganzen Welt. Unterm blauen Himmel baden die Stunden in verronnenem Blut. Wir aber sind von allem schon fern. Wir hocken in der Tiefe dunkler Mietskasernen, stumm und verschlossen, wie die in sich geschloßne Materie. Gestern weinten wir noch, und morgen vielleicht wird das Jahrhundert schon unsre Sache bewundern. Da! Denn aus unseren groben, klobigen Fingern drängt schon die neue Kraft, und morgen schon feiern wir Richtfest auf neuen Mauern, schleudern aus Eisen, Asbest, gewaltigem Granit Leben auf die Ruinen. Weg mit den Staatsdekorationen, dem Mondschein, dem Tingeltangel! Wir errichten mächtige Wolkenkratzer und zum Spaß des Eiffelturms Abbild und Brücken auf Basaltsockeln. Auf die Plätze stellen wir neue Zeichen aus hell klingendem Stahl, und auf tote Gleise stoßen wir heulende, stampfende Lokomotiven, daß neu sie erglänzen und ihre Bahn durchlaufen wie phantastische Meteore. Nie gesehene Farben mischen wir, und auf Meeresgründen ziehen wir neue Kabel. Schwängern die einsamen reifen Frauen, daß die Erde einen neuen Menschenschlag wiege, jubeln sollen die neuen Dichter, die das Antlitz der Zukunft besingen: in Paris und Rom, in Berlin und Moskau, in London und Budapest! Lajos Kassák, 1915