Csaplár Ferenc szerk.: Lajos Kassák / Reklame und moderne Typografie (1999)
Ferenc Csaplár: Lajos Kassák, der Buch- und Werbegestalter
schlag für „Buch der Reinheit", der Prospekt „Warenhaus A.G.", die Umschläge für „Dokumentum" vom Dezember 1926 und März 1927, die Plakate „Tolo Porzellanwaren", „Z.Marx Tuchpalast" und „Mentor" sowie die Dessert-Dose. Nicht ausfindig machen konnten wir bis jetzt: Umschlagblätter für ein Werk von Jack London und die Publikation „Mode" sowie für die Zeitschriften „Die Technik" und „Das Licht", die Plakate „Ero Perlenhaus", „Corvin", „M.T.E.", „Színházi Élet" (Theaterleben) und „Simon Fischer" sowie die beiden Postkarten. Die ausgestellten Werke konnten, wie aus dem im Archiv der Mannheimer Kunsthalle erhalten gebliebenen Meldebogen ersichtlich, käuflich erworben werden. Es ist denkbar, daß einige Werbegrafiken bereits zu dem Zeitpunkt in private oder öffentliche Sammlungen gelangt sind. Die Beteiligung an der Ausstellung in Mannheim war wohl mit ein Grund dafür, daß Tschichold in seinem Mitte 1928 in Berlin erschienenen Buch „Die neue Typographie" zwei Arbeiten von Kassák in das Bildmaterial zur Veranschaulichung der neuen Trends aufgenommen hat. 7 4 In Tschicholds Buch illustrierte das vom Titelblatt des „Buches der Reinheit" bekannte Relief, daß der Künstler die Natur nicht imitiert, sondern formt, und daß er sich mit dem Gebrauch der Farben nicht immer begnügt, sondern es durchaus unternimmt, eine Bildfläche aus Holz, Metall oder Papier zu gestalten. Die andere Arbeit von Kassák war das auch in Mannheim ausgestellte Titelblatt des Warenhausprospekts. Diese von Tschichold als „Typoplakat" apostrofierte Werbegrafik erschien nicht lange danach in der von Karel Teige herausgegebenen „ReD" in Prag. 7 5 Zur ersten Präsentation in Ungarn kam es mit der Kassák gewidmeten Ausstellung Mitte März 1928 in der Buchhandlung Mentor. Bei dieser Gelegenheit wurden werbegrafische Arbeiten zusammen mit Bildarchitekturen gezeigt. EiEinladungskarte, 1925 / Kat. 70. nen Katalog zu der Ausstellung gab es nicht, und ein sonstiges Exponatenverzeichnis ist auch nicht erhalten geblieben. Aufgrund der Besprechungen in der Presse dürften es folgende Plakate gewesen sein: „Magyar Hírlap", „Tolo Porzellanwaren", „Mentor", „Dunlop", „Tó mozi", „Budapesti Állatkert" (Budapester Tiergarten), „Hungária Hírlapnyomda Rt" (Druckerei Hungária A.G.). Nicht zuletzt mit dem Erscheinen dieser Plakate in den Straßen und auf Ausstellungen änderte sich die Beurteilung des Konstruktivismus in Ungarn in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre. Die Existenzberechtigung der Richtung innerhalb der bildenden Kunst wurde allerdings sogar von solchen progressiven Autoren bestritten wie Iván Ede, Artúr Elek oder Marius Rabinovszky. Zugleich jedoch anerkannten sie, daß sich dank der Anschauungsweise und der Formensprache des Konstruktivismus ein neuer, zeitgemäßer Plakatstil entwickelt hatte. 7 6 Rabinovszky schrieb über Kassáks Plakate: „Es sind sehr gute Plakate. Es sind so gute Plakate, daß angesehene kapitalistische Firmen sie gekauft, gedruckt und angeschlagen haben, das Publikum hat sie sich angeschaut und ist ihrem Ruf gefolgt." Im Anschluß an die Präsentation beauftragte der Verlag Pantheon Kassák, das grafische Erscheinungsbild der im Frühjahr 1928 gestarteten Buchreihe „Der neue ungarische Roman" zu entwerfen. Kassák entwarf nicht nur das Umschlagblatt, den Einband, die Plakate und die Anzeigen, sondern übernahm auf Ersuchen der Buchhandlung Mentor sogar die Gestaltung des Schaufensters. 7 7 Wie auf dem vom Schaufenster gemachten Foto ersichtlich, ging der Schaueffekt hauptsächlich von Kassáks großformatigem Plakat aus, von welchem bisher weder ein grafischer Entwurf noch ein gedrucktes Exemplar zum Vorschein gekommen ist. Linksseitig war die Wand der Auslage mit gedruckten Exemplaren 78