Déry Tibor: Különös árverés. Regények 1920–1942. Ein Fremder (Déry Archívum 4. Petőfi Irodalmi Múzeum és Kortárs Irodalmi Központ, Budapest, 1999)
kommt ihm die Haut des Fremdes plötzlich fremd vor, nicht mehr so freundschaftlich weich, wie die nachgiebig jugendliche. Haut, die er zuletzt vor neun Jahren geküßt hat, als sie am Ostbahnhof Abschied nahmen. Ein leichter kalter Schauer berührt sein Herz, er verzieht den Mund. - Seit wann bist du in Pest? - Soeben angekommen - teilt ihm Dr. Szerb mit. - Wann ... soeben? - Vor einer halben Stunde. Aus Rom! - Und schon sitzt du im Kaffehaus? Borbolya versteht das nicht. Diese Ungebundenheit ist ihm fremd geworden. - Wo bist du untergebracht? - fragt er. - Hast du eine Wohnung? Szerb schaut vor sich hin. - Nein - sagt er. - Ich wollte hier nur eben die Zeitungen durchsehen. Welches Hotel empfiehlst du mir? - Wie, du bist noch nicht untergebracht! - wiederholt Borbolya verständnislos. - Wo hast du denn dein Gepäck gelassen, du Unglücksrabe? - Ich habe kein Gepäck - sagt Szerb zerstreut und richtet den liebenswürdigen Blick auf seines Freundes Anditz. - Man hat mir das Gepäck im Zug gestohlen! Wozu die Lüge? - fragt er sich erstaunt. Sicher habe ich einen Grund, denkt er, es wird sich schon herausstellen. Aber Borbolya kommt die Lage jetzt schon bekannter vor. Der Gedanke, daß man seinem Freund das Gepäck gestohlen hat ... dem Armen! berührt wie mit einem Zauberstab sein Herz und öffnet den Weg für die Quelle der Liebe, die in den langen Jahren, seitdem sie sich nicht gesehen haben, schon beinahe versiegt ist, öffnet den Weg für das väterliche Gefühl, dessen letzte Tropfen der soeben gegebene Judaskuß fast austrocknete und das nun, vom Urwasser des Mitleids gespeist, wieder aufquillt ... Georg, Georg, denkt er gerührt und blickt den Freund verstohlen zart an. Das Gepäck hat man dem Armen gestohlen! Man muß ein Auge auf ihn haben! Und nachdem Borbolya zurzeit selbst in schweren Nöten ist, kommt ihm die neue Vaterschaft äußert gelegen, er selbst ahnt es kaum, wie gelegen sie ihm kommt! Er setzt sich neben Szerb, klopft ihm begütigend auf die Knie. - Willst du bei mir wohnen, Georg? Szerb überlegt es sich. Soll er seine Ungebundenheit aufgeben, Zusammenhänge knüpfen, ein Vaterland, ein Zuhause finden, wäre es nicht besser er würde sofort abreisen? Er kennt sich: wenn man ihm irgendwo einen Platz