Déry Tibor: Knockout úr útijegyzetei. Elbeszélések 1930–1942. Erzählungen aus den Reiseerlebnisse des Mr. Knockout (Déry Archívum 3. Petőfi Irodalmi Múzeum, Budapest, 1998)

Deutsche Texte

- Entschuldigen Sie, Möbius! - sagt die Hausfrau. Herr Professor - fragt die junge Frau Mariani -, furchten Sie sich vor Kanarienvögeln? - Richtig - sagt der Geologe und beugt sich mit neugierigem Gesicht vor. ­Sie haben uns eigentlich noch nie erzählt, Möbius, woher sie diese unerklärliche Antipathie haben? - Nicht der Rede wert - sagt Möbius und setzt sich bescheiden auf den Diwan zurück. - Nicht der Rede wert! Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie wären in einer Kerkerzelle, wären verurteilt und eines Tages bringt Ihnen der Kerkermeister einen Gegenstand in Ihre Zelle, einen Ihnen vollkommen unbekannten Gegenstand mit unbekannter Bestimmung, legt ihn auf den Tisch und geht wortlos hinaus. Sie untersuchen den fraglichen Gegenstand, Sie wissen nicht, was damit anzufangen, es ist eine fremde Sache, sieht nichts auf der Welt ähnlich, Sie suchen vergebens nach einer Vergleichsmöglichkeit, Sie denken angestrengt vierundzwanzig Stunden vergeblich nach, es ist unlösbar, wie ein fehlerhaftes Kreuzworträtsel, Sie können nicht erraten, was für Zweck und Nutzen es in dieser Welt haben kann! Nun stellen Sie sich vor, daß Sie drei Wochen lang mit diesem Gegenstand in einer Zelle verbringen müßten, daß Sie drei Wochen lang ihn unausgesetzt betrachten, untersuchen, über ihn nachdenken würden, Tag und Nacht, ohne jeden Erfolg... würden Sie ihn nicht am Ende hassen, einen namenlosen Abscheu vor ihm empfinden?... Sagen Sie? - Ja - sagt Herr Wesely -, das kann man verstehen, also erzählen Sie weiter, Möbius! - Es ist nicht der Rede wert - setzt Möbius fort und hebt die Arme mit verzweifelter Geste zum Himmel. - Als ich fünfzehn Jahre alt war, gaben mich meine Eltern in eine Schule in die Schweiz, nach St. Gallen. Nachdem ich nur halb so groß und dick war, wie meine Altersgenossen, prügelten mich meine Kollegen sozusagen ohne Atempause. Ich lief davon, ohne genügend Geld, um nach Hause zu fahren oder in der Stadt ein Zimmer zu mieten. Ich war gezwungen, mich mit einem Bett zu begnügen, das ich aber um sieben Uhr morgens räumen mußte, um einem Nachtkellner Platz zu machen. In einer Woche, dachte ich mir, spätestens in zehn Tagen, werden mich meine Eltern befreien. Lieber wäre ich verhungert, als zurück in die Schule gegangen. Ja, aber täglich um sieben Uhr morgens mußte ich das Bett verlassen und wohin sollte ich gehen? Es regnete ohne Unterlaß. So kam ich dazu, die städtische Bibliothek zu entdecken. Nun müssen Sie wissen, daß ich auf dem Land geboren bin, in einem kleinen Dorf und nie in meinem Leben eine städtische Bibliothek gesehen hatte. Ich wußte, daß man dort unentgeltlich Bücher bekommt und lesen darf,

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