Török Dalma (szerk.): Heinrich von Kleist. Miért éppen Kleist? (Budapest, 2016)
Függelék - Az irodalmi szemelvények lelőhelyei - Rövidítések jegyzéke
STUDIEN BÉLA BACSÓ: „DENN NICHT WIR WISSEN...“ DAS PROBLEM DER SPRACHE IN DER KUNST HEINRICH VON KLEISTS Für die Kenner von Kleist bedeutet es nichts Neues, sich ganz besonders mit der Sprachproblematik in diesem vielschichtigen und vielfältig interpretierten, wirkungsreichen Lebenswerk zu beschäftigen. Der Grund dafür, dass ich mich doch dazu entschließe, ist ein Gesichtspunkt, von dem aus ich meine, eine größere und klarere Sicht auf Kleists Kunst zu erlangen, und der - obschon ich selbst kein Germanist bin - in den bisherigen Interpretationen nicht zur Geltung gekommen ist, oder wenn doch, dann nur partiell. Diesen Gesichtspunkt kann ich im allgemeinsten Sinne so formulieren, dass Kleist fast ein ganzes Leben lang und in beinahe jedem Stück seines Lebenswerkes, ob dramatisch oder episch, die Antwort auf die ergreifend chiastische Frage nach dem in Sprache zu fassenden, ja, in der Sprache integrierten Ich und dem sich jenseits der Sprache offenbarenden Ich gesucht hat. Die sich immer wieder kreuzende und nicht zur Ruhe kommende Ich-Identität wurde zu Kleists grundlegendem Problem als Mensch und auch als Künstler, und vielleicht ist es gerade die Intensität und Tiefe dieses Problems, die ihn unter seinen Zeitgenossen zu dem machte, der uns am nächsten steht. Den äußeren, den äußersten Punkt zu erreichen, von dem aus das nicht mehr in Sprache Fassbare doch Kunde von sich zu geben vermag, an dem die nicht-identischen, nicht-aus- drückbaren und nicht-beschreibaren Schichten des Ich beim Blick in die Tiefe sich als Archäologie des Verdeckten zeigen. Darüber hat Thomas Mann in seinem einleitenden Essay zur amerikanischen Ausgabe von Kleists Novellen geschrieben: „Das Äußerste - Kleist will es immer, vielmehr er will das Uber-Äußerste.“1 Dieses Äußerste, ja das Alleräußerste würden wir, selbstverständlich, falsch verstehen, wenn wir darin nur das selbstgefällige, selbstzufriedene Spiel der Romantik sähen und nicht die Erkenntnis und ständige Versuchung 138