Török Dalma (szerk.): „Nekünk ma Berlin a Párizsunk”. Magyar írók Berlin-élménye, 1900-1933 (Budapest, 2007)

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arbeitete (auf der Grundlage seiner Texte entstanden beispielsweise die Lubitsch-Filme Ninotschka und Sein oder Nichtsein), ern­tete seinen ersten internationalen Erfolg mit dem Stück Taifun. Die Grundidee zu dem Stück bot - wie Lengyel berichtet - eine geheimnisvolle japanische Gruppe, die im Haus gegenüber ein- und ausging. In seiner Fantasie entstand das Liebesdrama, das im Kreis der in Berlin lebenden Japaner spielt, und es stellte sich für ihn erst nach der Premiere in Berlin heraus, dass er gerade gegenüber der japanischen Botschaft wohnte. „Wäre ich nicht so fremd gewesen - dachte ich - so nachlässig und träge, wäre ich in das Haus hinübergegangen (...)- dann wäre in mir das ganze plötzlich aufleuchtende Thema erloschen und ich hätte das Stück nie geschrieben.“19 Die Fremdheitserfahrung, welche die Stadt bot, machte hier wieder die Identitätsbestimmung möglich, denn Lengyel sah - nach seiner Interpretation - in den Japanern im Nachhinein verwandte Seelen der damaligen ungarischen Gesellschaft: „Schließlich waren wir hier eine ebenso fremde Gruppe wie die Japaner, denen ich mich geistig und was die .Eroberungen' (natürlich im literarischen Bereich) anging, näher fühlte als den Deutschen“.20 Die „fremde Gruppe“ bedeuteten für Lengyel zu jener Zeit vor allem József Vészi und Familie, der nach dem Sturz der Regierung Fejérváry ins Exil gegangen war, Lajos Bíró, Tamás Moly, Sándor Bródy, der immer wieder hierher zu Besuch kam, und natürlich Lajos Hatvány. Aus dem Brief­wechsel Hatvanys erfahren wir außerordentlich viel über den Alltag dieser Gesellschaft, über die Beziehungen und Erfolge, und man kann sagen, dass sich der Kreis um Hatvany, der unter anderem mit Thomas Mann, Martin Buber, Paul Cassirer, Gerhardt Hauptmann oder Max Reinhardt befreundet war und sich mit allen ihm möglichen Mitteln bemühte, der zeitgenössischen unga­rischen Literatur zur Bekanntheit zu verhelfen, im Mittelpunkt des Berliner geistigen Lebens bewegte, womit die Fremdheit auf jeden Fall nur relativ zu verstehen ist.21 Nach der Asternrevolution und dem Sturz der Räterepublik verließen viele ungarische Schriftsteller - aufgrund ihrer angeblichen oder tatsächlichen Rolle bei dem einen oder anderen Ereignis, vielleicht auch bei beiden, oder allein wegen ihrer linken Einstellung beziehungsweise ihrer Opposition zum Horthy-Regime - das Land. Der Weg führte die meisten von ihnen (z. B. Lajos Kassák, Tibor Déry, Béla Balázs22, Andor Németh, Lajos Bíró, Aladár Komlós) zunächst nach Wien, von wo sie dann nach Berlin gelangten. Zur Zahl der Emigranten schreibt Aladár Komlós, „Für die Ungarn beginnt bei Passau, an der deutschen Grenze, das Ausland. (...) In dem riesigen Ozean des Landes Berlin sind die hier lebenden einigen Tausend Ungarn ein paar verlorene Tropfen“. Unter den Zeitgenossen formuliert er am schärfsten, dass diese Stadt nicht mehr allein Terrain der Fremdheitserfahrung ist, sondern zugleich ein neuer Anknüpfungspunkt des Mythos vom Westen, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann und - dies sollte nicht verschwiegen werden - in seinem utopistischen Charakter ständige Quelle der Motivation und des Gefühls von Misserfolg ist. 1 90

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