Török Dalma (szerk.): Mantel der Traume. Ungarische Schriftsteller erleben Wien, 1873-1936 (Budapest, 2011)

Die stadt als artefactum - Moderne - diesseits und jenseits der leitha

Die Veränderung durch die Großstadt hat alles, was ich bislang gesammelt habe, vernichtet, die Bücher, auf die ich sphwor, ließ sie in meinen Augen wertlos werden, und mich selbst setzte sie in ein Gefäß des Durcheinanders wie in das Chaos entstehender Welten... Sie stellte mich vollkommen auf den Kopf... Jetzt spüre ich, dass unsere kleine Nachrichtenblattliteratur mit ihren familiären Gestalten, polemisierenden Leitartikeln, Croquis, die trotz aller kosmo­politischer Affektiertheit doch so sehr ungarisch sind, Güter darstellen, die man nicht überall findet, sondern süße Früchte der Heimat sind. Jetzt fühle ich, dass ich Ungar bin. | Dezső Kosztolányi an Géza Csáth. Wien, Anfang Oktober 1904 In der Vergangenheit gab es einige große Bühnenerfolge - Molnár, Hunyadi, manche Operettenkomponisten beka­men stürmischen Applaus -, in den Schaufenstern der Wiener Buchhandlungen erschien die eine oder andere deut­sche Ausgabe eines ungarischen Romans, in den österreichischen Tageszeitungen publizierten ungarische Schriftstel­ler Glossen oder Erzählungen. Doch war die ungarische Literatur für die Österreicher eher Folklore - mehr und zugleich weniger als ein Tschikosch-Fokosch-Gulaschexport. | Sándor Márai: Tagebuch, 1968

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