Török Dalma (szerk.): Mantel der Traume. Ungarische Schriftsteller erleben Wien, 1873-1936 (Budapest, 2011)

Studien - Ilona Sármány-Parsons: ein begeisterter wiener mit ungarischer identität

titäten war die jüdische die am tiefsten verborgene, weil er zu der Generation gehörte, die ehrlich an die Möglichkeit der Assimilation glaubte und spürte, dass sie damit enorm gewinnen konnte: Offenheit, individuelle Freiheit, eine nationale, eine monarchische und eine gesamteuropäische Kultur. Er hatte seine Herkunft in Wien niemals betont, nie akzentuiert, viele wussten nicht einmal davon, dass er erst I 889 zum evangelischen Glauben übergetreten war. (Das geschah übrigens in Budapest, er reiste zurück, um diese Sache zu regeln.) Seine ungarische Identität machte er zwar zurückhaltend, aber immer deutlich. Im Alltag trug er den schwarzen Dolman und einen Kossuthbart, aktiv zeigte er sich als Ungar, wenn er über die ungarische Kunst im Fremdenblatt berichtete. Dass er zum Wiener geworden war, ist in all seinen Texten zu spüren, in den vielen poetischen und feinfühligen Schriften, mit denen er der Stadt und der Wiener Kunst huldigte. Für die ungarischen Leser ließ er Wien wie Veduten des Rudolf Alt äußerst anziehend erscheinen, und da er über dreißig Jahre hinweg fast über alle wichtigen kulturellen Ereignisse im Pester Lloyd berichtete, beeinflusste er das Wienbild der ungarischen Leser entscheidend. Er war ein intellektuelle Brückenbauer sein ganzes Leben lang. Nicht zuletzt war er ein leidenschaftlicher Liebhaber der europäischen Kultur: Er reiste von Griechenland bis zu den Hebriden, versuchte die Völker und ihre wichtigsten Städte kennen zu lernen, er nahm das beste kulturelle Erbe in sich auf, aus der Gegenwart aber die neueste Kunst. Für ihn war die europäische Kultur auch dann noch lebendigste Quelle, als er sich von der japanischen Kunst faszinieren ließ. In seinen Schriften ist zu spüren, dass er das Wesentliche der Milieutheorie von Hyppolite Taine nie vergaß: die künstlerische Glaubwürdigkeit der individuellen, spezifischen und regionalen Kunst war für ihn wichtiger als ein skla- venhaftes Eintreten für eine modische neue Stilschule. Im Namen der künstlerischen Freiheit setzte er sich immer für eine persönliche stilistische Souveränität ein - die Inschrift auf dem Gebäude der Secession ist seine Formulie­rung: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“ Die wichtigsten kritischen Quellen der Wiener Kunst um die Jahrhundertwende sind seine zwei Feuilletonsammlungen, Acht Jahre Secession 1897-1905 und Altkunst - Neukunst. Wien 1894-1908. 138

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