Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
9. Über das Antidotarium des Barholomaeus Squarcialupis de Plumbino
60 Im folgenden soll dieses Antidotarium ganz kurz besprochen werden 4. Da im ersten Teil des Colçodéi die allgemein gangbaren Pestregeln zusammengestellt sind, offenbar für ärztliche und nicht bloß, wie übrigens im Spätmittelalter nicht selten, für Laiengebrauch, ist dem „Colçodéi" ein ausführliches Antidotarium beigelegt. Obzwar am Anfang dessen eine größere Anzahl präservativer und auch kurativer Rezepte gegen die Pest gegeben sind, während die anderen verhütenden Gesichtspunkte nur angedeutet sind — eingehender wird nur das Fumigationsverfahren beschrieben —, eben als orientierend für einen Arzt, dem Bekanntes und Geläufiges nur in das Gedächtnis gerufen werden soll, enthält das Antidotarium größtenteils Rezepte allgemeiner Natur. Es handelt sich somit nicht einfach um eine Rezeptsammlung ausschließlich gegen die Pest, sondern um ein Antidotarium im weitesten Sinne. Unter den ,, omnibus accidentales ... quae occurunt et occurrerepossunt... in peste..." sind nämlich viele der gewöhnlichen Symptomenkomplexe der spätmittelalterlichen Krankheitslehre im allgemeinen aufgezählt, also auch diejenigen, die nicht ausschließlich für die Pest als charakteristisch gehalten wurden. Die Beigefügte Motivierung ist so kurz gehalten, daß sie nur dem Arzt und dem gelehrten Apotheker hinreichend verständlich ist. Wenn demnach im Kolophon behauptet wird, das „Colçodéi" bzw. dessen Antidotarium wäre für den Kaiser Siegmund geschrieben, so kann das keinesfalls wörtlich verstanden werden, insbesondere nicht das Antidotarium betreffend. Das Werk, dem Kaiser gewidmet, spricht seine Ärzte und Apotheker an 5. Dieser Umstand muß betont werden, damit das ,,Liber de peste" und das Antidotarium von den üblichen, für Laien — gerade für hohe Persönlichkeiten — verfaßten Regimina gesondert betrachtet werden soll. Vom pharmaziegeschichtlichen Standpunkt scheint auch der Umstand bemerkenswert, daß in unserem Antidotarium keine Aderlaßvorschriften, nicht einmal vereinzelt eingestreut, zu finden sind. Diese Rezeptsammlung nimmt auch eine Sonderstellung insofern ein, als in den Pestvorschriften der Zeit Antidote gegen die Pest — des öfteren auch deren Zubereitung — angegeben sind, doch bildet dieser pharmakotherapeutische Teil zumeist ein Kapitel des Werkes, figuriert aber selten als selbständiges Antidotarium. Die Reihe der Antidota beginnt, wie in den mittelalterlichen Antidotarien üblich, mit den Simplicia. Eingestreut finden sich die verschiedenen als Heilmittel gebrauchten Fleischwaren und diejenigen Naturalien, wie z.B. Milch, Fische, Eier usw., die als Bestandteile der später folgenden Rezepte verwendet werden. Eine nähere Beschreibung der Simplicia, ihrer Gewinnung und Bereitung geben die Antidotarien im allgemeinen, so auch das unsere nicht da dies Aufgabe der „Herbarien" ist. Im „Primum capitulum" liest man über „einfache Medikamente" mit „okkulten Eigenschaften". Unter den Geheimmitteln findet man das Fleisch des Einhorns, Bezoar etc. Daß Terra sigillata nicht fehlen darf, ist natürlich. Die Geheimmittel werden allerdings recht kurz 4 Eine textkritische Edition in extenso wird gemeinsam mit Herrn G. E. Dann vorgenommen. 5 Der erste Apotheker in Ungarn is im Jahre 1303 quellenkundlich nachzuweisen: „Magister Petrus fisicus et apotecarius, civis castri Budensis". An anderer Stelle wird er ,,medicus et confector medicinarum" genannt. Cf. Kñauz: Monum. Eccl. Strig. II. 523, 715, 721. Zur Zeit der Regierung des Kaisers und ungarischen Königs Siegmund wird über einen Apotheker am Hofe („apothecarius domini regis") und einen in der Stadt Ofen („apothecarius Budensis") berichtet. Cf. Baradlai, J. und E. Bársony: Geschichte der Pharmazie in Ungarn, 1930 (ungarisch). — In einer Urkunde aus dem Jahre 1419 liest man: „Conradųs de Constancia civis, apothecarius de Bųđens¡ ..." Cf. Magyary-Kossa: Ungarische medizinische Erinnerungen, Bd. III. 83 (ungarisch).