Schultheisz Emil: Traditio Renovata. Tanulmányok a középkor és a reneszánsz orvostudományáról / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 21. (Budapest, 1997)
13. Antonius Gazius und die humanistische Medizin
Z^oo¡ Bischof zu Várad in Ungarn, Siegmund Thurzo, der ein typischer Repräsentant des humanistisch gebildeten Hochadels war. Durch diese Bekanntschaft fühlte sich Gazio angeregt, Ungarn aufzusuchen. Daß er hier gut aufgenommen wurde, geht aus seiner Widmung an Thurzo in einer später näher zu besprechenden Handschrift hervor. In den Jahren 1497—1501 hielt er sich, nach eigenen handschriftlichen Bemerkungen, in Venedig auf. Diese Randbemerkungen an einigen Handschriften des Gazio hat der ungarische Literaturhistoriker V. Re'csey 5 erst vor 60 Jahren entdeckt und mitgeteilt. Daß Gazio im Jahre 1511 in der Hauptstadt von Ungarn Buda (Ofen) tätig war, geht auch aus seinen Aufzeichnungen hervor. Die Behaptung von Récsey, wonach Gazio schon zur Zeit der Regierung des Königs Matthias Corvinus in Ungarn gewesen sein soll, ist nicht beweisbar und auch nicht wahrscheinlich. Allerdings läßt eine Widmung seiner — übrigens in der Medizingeschichte nicht bekannten, mit der „Florida corona" nicht identischen — Schrift ,,De conservanda et proroganda senum vita" an den Erzbischof von Esztergom (Gran) Thomas Bakócz de Erdőd auf rege wissenschaftliche Beziehungen mit der ungarischen gelehrten Welt schon vor seinem Aufenthalt in Ungarn schließen. Ein anderer Freund aus Ungarn ist Johannes Thurzo, später Bürgermeister der polnischen Hauptstadt Krakau. In seiner Begleitung erscheint Gazio in Polen, wo er eine Zeitlang Leibarzt des Königs Siegmund war, den er mit vollem Erfolg behandelt hatte 6 Als er nach Ungarn kam — die genaue Zeit seiner Ankunft ist nicht bekannt — hatte er schon einen nicht geringen Ruf als Praktiker. So erhielt Gazio eine Stellung am Hofe des Königs W¡adislaw II. von Ungarn 7. Bedeutender als seine Tätigkeit am Hofe, ist seine Freundschaft mit dem Bischof Siegmund Thurzo, der zu dieser Zeit schon Mitglied der berühmten mitteleuropäischen Humanisten-Gesellschaft, der Sodalitas Litteraria Danubiana war. Die guten Beziehungen des Bischofs zu den Humanisten im Ausland Aldus Monų iųs, Hassenstein usw. blieben dabei unverändert, wie das auch aus einer Widmung von Aldus in der Ausgabe aus dem Jahre 1513 der Epistolae des Cicero ersichtlich ist. (Diese Edition erschien erst nach dem Tode von Thurzo. ) Die von dem berühmten Gelehrten Conrad Celtis in Wien gegründete Sodalitas Litteraria Danubiana war eine typische humanistische Gesellschaft mit dem Ziel der Förderung der Wissenschaften, insbesondere der Philosophie, die letzten Endes von platonistischen Anschauungen des Celtis bestimmt wurde. Auseinandersetzungen über medizinische Probleme lassen sich in diesem Kreise kaum nachweisen, obwohl viele der Mitglieder praktisch tätige Ärzte waren. Schon zur Zeit der Gründung in Wien findet man in Ungarn niedergelassene italienische Ärzte unter ihren Mitgliedern: der eine war der bekannte Miño, derzeit Leibarzt des Königs, der andere Girolamo Balbi, der eine Stellung als Leibarzt und Sekretär neben dem Bischof Georg Szatmári innehatte 8 Zur Zeit des Aufenthaltes von Celtis in Buda bildet sich 1497 eine ungarische Gruppe der Sodalitas Litteraria Danubiana. Die Gelehrten dieses Kreises zeigen schon ein größeres naturwissenschaftliches Interesse. Pññius, Ptolemaeus, Pomponius Mela werden neu aufge4 Vedova a. a. O. S. 447. 5 Récsey, V. : Über eine Handschrift des humanistischen Schriftstellers Anton Gazius (ungarisch). Analecta Recentiora ad históriám renascentium in Hungaria. Ed. St. Hegedűs, 1906. 6 Ciampi: Bibi. critica, Firenze, I, 116, 1834. 7 Magyary-Kossa: Ungarische medizinische Erinnerungen (ungarisch). Budapest, III, 529, 1931. 8 Weszprémi: Succincta Medicorum Hungáriáé Biographia Lipsiae, III, 509, 1774.