József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

c) Die Entdeckung des Blutkreislaufs Galen (130—200 n. Chr.), der Hofarzt des Kaisers Mark Aurel, dessen medi­zinisches Wissen die Entwicklung der Heilkunde anderthalb Jahrtausende lang anregte, zugleich aber durch sein übermäßiges Ansehen beeinträchtigte, kam der Lösung des Problems des Blutkreislaufs sehr nahe, ohne es jedoch zu lösen. Irrtümlich meinte er, die Leber sei das Zentrum der Venen und produziere das Blut. Er irrte sich auch darin, daß er sich die Trennwand des Herzens als ein blutdurchlässiges Material vorstellte. Zugleich beschrieb er den Weg des Blutes und die Adern mit ziemlicher Genauigkeit, ohne jedoch den in sich zurück­kehrenden Kreislauf zu finden. Unsere Abbildung veranschaulicht das Kreis­laufsystem, wie es sich Galen vorgestellt hatte. Ein anderer Vorläufer der Entdeckung des Blutkreislaufs war der Arzt und Theologe Miguel Servetus (1511—1553), der den kleinen Blutkreislauf ent­deckte. 1924 wurde bekannt, daß ein arabischer Arzt des 13. Jahrhunderts, Ibn al Nafis (1210—1288), „die Undurchdringlichkeit des trennenden Septums des Herzens als Erster beschrieh und die Möglichkeit eines kleinen Blutkreislaufs erwähnte Zur Entdeckung des Blutkreislaufs trug die anatomiezentrische Auffassung 52 an der Universität Padua, die an den Lehren Vesals getreu festhielt, nicht un­wesentlich bei. William Harveys (1578—1657) Professor in Cambridge war 53 jener Caius, dessen Lehrer eben der besagte Vesal war. Auf Anregung von Caius ging Harvey nach Padua, wo er 1602 sein Doktorat ablegte, nachdem er an den Vorlesungen des Fabricius ab Aquapendente über die Venenklappen teilgenom­men hatte. Nach England heimgekehrt, war er anfangs Arzt am berühmten Bartholomew-Hospital und wurde dann zum Professor der Anatomie und Chirurgie am College of Physicians ernannt. Aufgrund seiner anatomischen und biologischen Experimente legte er schon in seinen Vorlesungen von 1616 die Entdeckung des Blutkreislaufs dar, die er jedoch erst nach weiteren Experi­menten und vergleichenden zoologischen Untersuchungen von zwölf Jahren in Buchform veröffentlichte. Sein epochales Werk trug den Titel „Exercitatio anatómiça de motu cordis et sanguinis in animalibus" (Frankfurt, 1628). Die Entdeckung entfesselte im Kreis der Anatomen einen wahren Sturm, deren großer Teil der Meinung war : „Eher mit Galen irren, als die Wahrheit Harveys anerkennen Harvey verteidigte sich nicht gegen die Angriffe, denen seine Lehren begegneten. Sein Werk, in dem er eine grundlegende Wahrheit erschloß, bedurfte keiner Erklärung, es sprach für sich selbst und fand große Anerken­nung. Für das Denken Harveys war seine berühmte Feststellung kennzeichnend : „Die gut konzipierte Fragestellung ist an sich schon ein bedeutender Schritt auf dem Weg, der zur richtigen Antwort fuhrt." Unsere Ausstellung zeigt neben dem Bildnis von Servetus und Harvey das Faksimile seines Diploms (Padua 1602) sowie eine schöne Ausgabe seines 39

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