József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Aus der Geschichte der Medizin und der Pharmazie Ausstellungsführer (J. Antall, K. Kapronczay, Z. Pataki, M. Szlatky, M. Vida)

Die Zeit der Glaubenskriege verlieh der ärztlichen Praxis und vor allem der Chirurgie einen weiten Raum. Die Tätigkeit von Ambroise Paré (1510—1590) gründete sich — über die auf den Kriegsschauplätzen gesammelte Erfahrung hinaus — auf die Vesalsche Anatomie und eröffnete damit ein neues Zeitalter in der praktischen Chirurgie. Die hervorragendste Persönlichkeit der Zeit, Paracelsus (1493—1541) verbrannte als Professor der Baseler Universität in aller Öffentlichkeit die Bücher Galens und Avicennas und machte die direkte Beo­bachtung zur Grundlage der Medizin. Auch England verdanken wir eine große Persönlichkeit der Medizin : William Harvey (1578—1657) entdeckte den Blutkreislauf. Und der große holländische Naturforscher Anton van Leeuwenhoek (1632—1723) war zwar kein Arzt, trug aber durch die Verbreitung der mikroskopischen Untersuchungen auch seinen Namen in die Geschichte der Medizin ein. /. Die Erneuerung der Medizin im 16.—17. Jahrhundert a) Paré, der Begründer der modernen Chirurgie Neben der Abbildung der Blutstillung aus dem "Feldtbuch der Wųñđ arzñeÿ" von Gersdorff (1517) sind jene Brenneisen ausgestellt, deren Form sich vom Mittelalter bis ins angehende 19. Jahrhundert kaum veränderte. Der „Nutzen" der Kriegsläufte kam am schnellsten in der Chirurgie zur Geltung, die eine sprunghafte Entwicklung nahm. Diese Feststellung wird auch durch das Lebenswerk von Ambroise Paré nachgewiesen (1510—1590). Paré wurde sein langes Leben hindurch immer wieder von Kriegen begleitet und so wurde er — neben seiner Begabung — durch seine Praxis auf den Schlachtfeldern zum Meister der Chirurgie. Er war kein „Gelehrter", verstand kein Latein, so konnten ihm die Klassiker nichts bedeuten. Seine Größe und sein Ansehen werden dadurch gekennzeichnet, daß er 1554 trotzdem zum Chefchirurgen des Collége Saint-Cöme bestellt wurde. Erfahrung und Zufall führten ihn zu der Erkenntnis, daß die Schußwunden andersartig sind, als Wunden mit Vergiftungserscheinungen und ohne Ausbrennen schneller heilen. In dieser Frage war kein geringerer sein Kontrahent als der päpstliche Hofchi­rurg Giovanni de Vigo. Der Pariser Professor von Vesal, Jacques Dubois , ernannte Paré zum Prosektor, dieser aber übernahm nicht die an Galen geschul­ten anatomischen Ansichten von Dubois, sondern bekannte sich 1555 offen zu den Lehren Vesals. Eine andere große Errungenschaft Pares bestand darin, 50 daß er die Ligatur der Adern aus der Vergessenheit hervorholte und wieder in der Praxis einführte. Neben seinem Werk „Chirurgia Opera" (1582) zeigen wir einen Schädelbohrer und ein Elevatorium für Impressionsfrakturen. Die Chirurgen dieser Epoche, die auf der untersten Stufe der Ärztehierarchie stan­den, erhielten ihre praktische Ausbildung in Verbindung mit dem Beruf des 37

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