József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)
Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)
sator aber war Markusovszky — nicht nur des ungarischen medizinischen öffentlichen Lebens, sondern auch der Fachpresse und des Fachbuchverlages. 1863 rief er die Ungarische Medizinische Verlagsgesellschaft ( Magyar Orvosi Könyvkiadó Társulat) ins Leben und begründete zugleich als Hausarzt der Familien Eötvös und Trefort seine später so fruchtbringenden politischen Beziehungen. Zur Zeit des Ausgleichs zwischen Österreich und Ungarn (1867) war die Ärztegesellschaft bereits von einem regen öffentlichen Geist und zuweilen auch von einem ausgearteten Cliquenkampf gekennzeichnet. An dieser Vorbereitung das Land zu erneuern und zu einem wirklich europäischen zu machen, an diesen Plänen, die auf eine niveauvolle Ausbildung an den Universitäten hinarbeiteten und auf ein ebenso niveauvolles Gesundheitswesen hatte auch Semmelweis Anteil. Die Verhältnisse allerdings waren traurig. Die Wöchnerinnen waren an der Universität in fünf kleinen Zimmern untergebracht, die Fenster des Rochus(Rókus-) Krankenhauses lagen dem Hof des Seziersaales zugewandt. Sein Leiter war Geburtshelfer, Prosektor und Chirurg in einer Person. Birly, der Professor der Geburtshilfe, versuchte dem Kindbettfieber mit Abführmitteln beizukommen. Unter solchen Verhältnissen übernahm 1851 Semmelweis die Entbindungsstation des Rochus-Krankenhauses als Chefarzt ehrenhalber. Innerhalb von 15 sechs Jahren gelang es ihm, die Sterberate des Kindbettfiebers auf 0,85 Prozent herunterzudrücken. Im Jahre 1855 starb Birly, und Semmelweis wurde zum Professor der theoretischen und praktischen Geburtshilfe der Pester Universität ernannt. Seine Ernennung bedeutete nicht nur einen Lehrstuhl, sondern auch die Anerkennung seiner gesamten Tätigkeit, die er in Wien nicht erhalten hätte. Insgesamt zehn Jahre war er Professor der Pester Universität, diese zehn Jarhre jedoch waren für die medizinische Fakultät von unermeßlicher Bedeutung (und zwar so sehr, daß im Jahre 1969 die medizinische Universität den Namen Semmelweis annahm). Mit unglaublicher Energie kämpfte er um die Ausschaltung der Ansteckungsmöglichkeiten. Hunderte von Ärzten und Hebammen verkündeten seine Lehren in Ungarn. 1857 begann eine neue Phase in seinem Leben. Die Einladung der Universität Zürich nahm er nicht an, begann aber auf Ermutigung Markusovszkys in dem damals angelaufenen Ärztlichen Wochenblatt ( Orvosi Hetilap) mit der Veröffentlichung seiner Fachbeiträge. So legte er seine Ansichten über das Kindbettfieber dar, berichtete über die Geschichte seiner Entdeckung und erörterte die Unterschiede zwischen seiner Auffassung und jener der englischen Gynäkologen (die meinten, es handele sich um eine Seuche). Inzwischen heiratete er Mária Weidenhof er. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Das Erwachsenenalter er- 16, reichten aber nur drei und nur eines hatte Nachkommen. Seine Beiträge im Ärztlichen Wochenblatt waren nicht geeignet, seinen Widersachern entgegenzutreten. Dazu bedurfte es einer Veröffentlichung in deutscher Sprache. So erschien Ende I860, schon mit dem Erscheinungsjahr 25