József Antall szerk.: Aus der Geschichte der Heilkunde / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 13-14. (Budapest, 1984)

Der Lebensweg von Ignác Semmelweis, 1818—1865 (J. Antall)

waschen auch zwischen den Untersuchungen der einzelnen Patientinnen an. Im nächsten Monat steckte eine an einer eitrigen Kniegelenkentzündung leiden­de Kranke ihre Mitpatientinnen an. Fast alle ihrer Zimmergenossinnen starben. So wurde es klar, daß nicht nur durch die Vermittlung der Hände, sondern auch durch die „atmosphärische Luft" eines mit eitrigen Stoffen gefüllten Zimmers das Kindbettfieber ausgelöst werden konnte. Im Jahre 1848 wurden die Handwaschungen mit Chlorlösung sorgfältig durchgeführt, und die Sterberate sank auf 1,27% in der ersten Abteilung und auf 1,33% in der zweiten. Im März und August starb keine einzige Patientin. Alles was früher zur Begründung des Kindbettfiebers angeführt wurde, war nun null und nichtig geworden. So entstand die Semmelweis-Doktrin : die Erkennt­nis der Krankheit und des Krankheitsschutzes, was nichts anderes war als die Asepsis, die Vorbeugung gegen Ansteckung. Diese einfache Wahrheit wurde allerdings nicht begeistert aufgenommen. Nicht nur Semmelweis' eifersüchtiger und konservativer Vorgesetzter Klein, dann die das Händewaschen mit Chlor­lösung als Belästigung aufnehmenden Kollegen und Studenten, das Pflege­personal, sondern auch die internationalen Kapazitäten der Geburtshilfe — Simpson in Edinburgh, Scanzoni in Würzburg, Dubois in Paris, Kiwisçĥ in Prag — lehnten seine Lehre gleichermaßen ab. Allein der Kieler Professor Michaelis, der nach der schrecklichen Erkenntnis, daß er selbst der „Mörder" gewesen sei, Selbstmord verübte, erkannte ihre Wahrheit. .. Semmelweis enthielt sich der Publikation seiner Entdeckung in der Fachlite­ratur und beging damit einen schweren Fehler. Seine Kollegen unterrichtete er in Privatbriefen und er selbst schrieb dann später : „ Von meiner Natur her graute mir vor jedem Kampf mit der Feder." Die Publikation übernahmen an seiner Stelle seine Freunde, die Mitglieder der jüngeren Wiener Schule. Der Hautarzt Hebra verglich die Entdeckung mit der Jennerschen Pockenimpfung, und auch Skoda, der über große Autorität verfügende Internist, brach in seinen Vorlesun­gen eine Lanze für sie. In den Wiener Ärztekreisen herrschte eine ziemlich gespannte Atmosphäre, als 1848 der „Völkerfrühling" seinen Einzug hielt : die Revolutionen in Europa. SEMMELWEIS UND DIE PESTER MEDIZINISCHE SCHULE Die Zeit der ungarischen Revolution und des Freiheitskampfes gegen Öster­reich (1848/49) verbrachte Semmelweis in Wien. In den Tagen der Wiener März­revolution wurde Metternich gestürzt und der Kaiser stimmte der Organisierung der Akademischen Legion und der Nationalgarde zu. Auch Hebra, Hyrtl und Semmelweis zählten zu ihren Mitgliedern. In den Tagen der zweiten Wiener Revolution (6. Oktober 1848) löste der Herrscher die Legion auf, aber Semmel­23

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