J. Antall szerk.: Medical history in Hungary. Presented to the XXII. International Congress for the History of Medicine / Orvostörténeti Közlemények – Supplementum 4. (Budapest, 1970)
ESSAYS-LECTURES - K. Kapronczay: Comenius and Hygienic Education (in German)
comenius und die erziehung zur hygiene von KÁROLY KAPRONCZAY T^^ie widerspruchsvolle, spannungsgeladene Zeit des 16—17. Jahrhunderts brachte den Verfall des Feudalismus und das Aufkommen der bürgerlichen Gesellschaft. Im Westen Europas — in England und in den Niederlanden — war diese Entwicklung beträchtlich weiter vorangekommen als in Mittelųnđ Osteuropa. Die Gewerbe und Handel treibenden Bevölkerungsschichten kämpften nicht nur um die Schaffung von bürgerlichen Verhältnissen, sie richteten auf breiter Front ihren Angriff auch gegen die katholische Religion und gegen das Erziehungswesen der Kirche. Die antifeudale und kirchenfeindliche Bewegung trat in volkhaft nationalen Zügen auf den Plan. Was die Voraussetzungen anbelangt, genügt es beispielshalber, auf die Hussitenbewegung in Böhmen hinzuweisen, die zur Ausprägung der böhmischen Nationalkultur führte. Meister Jan Hus und seine Anhänger stellten sich nicht nur gegen die deutschen Eroberungstendenzen, sondern bekannten sich auch zu antifeudalen Grundsätzen, verkündeten die natürlichen Fähigkeiten und das Recht des Menschen auf Wissen. Die Gesellschaftskritik des Hussitentums trat in religiösem Gewand auf und zog den Hass der Kirche und des deutsch-römischen Kaisers auf sich. 1415 wurde Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Damit aber war die antifeudale Bewegung keinesfalls zuende. Das war vielmehr der Anfang, und alsbald wurden die Auswirkungen der hussitischen Lehren in ganz Osteuropa deutlich. Wohl kam es in Böhmen zur Spaltung der Anhänger von Jan Hus, der Krieg gegen die Böhmen aber richtete sich gegen beide Gruppen. Die eine Gruppe, die Kali?tiner (Utraquisten), hätten sich mit der Gründung der selbständigen Kirche und mit der Einziehung (Säkularisierung) der Kirchengüter begnügt, denn ihre soziale Basis bildeten reiche Kaufleute, Gewerbetreibende und Angehörige der Intelligenz. Das Gros der Bewegung bestand aus den Tábori én, die sich für die Befreiung der untertänigen Bauern und für soziale Reformen einsetzten. Die Tábori én waren zumeist Angehörige der städtischen Armen und der untertänigen Bauern. 6 Orvostörténeti Közlemények 8i