Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti közlemények 222-225. (Budapest, 2013)
ADATTÁR - Makovitzky, Josef: Emlékezés Philipp Schwartz professzorra, aki 1933-ban megalapította a Külföldön Élő Német Tudósok Szükségközösségét
MAKOVITZKY, Josef: Erinnerung an Professor Philipp Schwartz 217 dass man von mir Wunder erwarte: 30 bis 40 Lehrstühle sollten sofort besetzt werden und in naher Zukunft noch mehr, sobald ich geeignete Leute vorschlüge! Wir brauchen etwa 300 neue Professoren, damit wir die Reformen vollständig durchführen können. “ (17) Nach seiner Ankunft in Ankara setzte sich Prof. Schwartz mit den Vertretern der türkischen Regierung umgehend an den Verhandlungstisch. Dort wurde ihm sofort die Frage gestellt: „Können Sie uns einen Professor für... empfehlen?“ Prof. Schwartz verfugte über eine Namensliste von Kollegen, die in Deutschland gefährdet waren. Damit war die türkische Seite zufrieden. Auf diese Weise bekamen sie die besten deutschen Professoren. Schwartz schlug verschiedene Gastprofessuren vor und berichtete von einem solidarischen Geben und Nehmen. Am Ende der Verhandlungen wurde ein entsprechendes Dokument unterzeichnet. Interessant ist der Kommentar des türkischen Kultusministers Dr. Reshid Galip: ,,Als vor fast 500 Jahren (1453) Konstantinopel fiel, beschlossen die byzantinischen Gelehrten, das Land zu verlassen. Viele gingen nach Italien: Das Ergebnis war die Renaissance. Heute sind wir vorbereitet, von Europa eine Gegengabe zu empfangen. Wir erhoffen durch diese Gabe die Erneuerung unserer Nation. Bringen Sie uns Ihr Wissen und Ihre Methoden, zeigen Sie unserer Jugend den Weg nach Europa. Wir bieten Ihnen unsere Dankbarkeit und unsere Verehrung an." Schwartz schlug unter anderem vor, ein neues Klinikum einschließlich neuer Institute zu bauen, und zwar sowohl in Ankara als auch in Istanbul. Danach sollten - gleichfalls mit gut ausgebildeten deutschen und türkischen Hochschullehrern — die Kunstakademie, die Musikakademie und die Technische Universität reformiert werden. Am 25. Juli 1933 war Prof. Schwartz neuerlich in Istanbul, um das Vorhaben zu konkretisieren. Diesmal wurde er von Prof. Rudolf Nissen begleitet. Er war die rechte Hand Prof. Ferdinand Sauerbruchs, des genialen Chirurgen der Berliner Charité. Seitens der türkischen Regierung wurden Prof. Schwartz’s Pläne angenommen, so dass nach insgesamt fünftägigen Verhandlung die neue Reformuniversität zumindest auf dem Papier Gestalt annahm. Prof. Schwartz war von der Richtigkeit des Weges überzeugt. Prof. Ferdinand Sauerbruch, der weltbekannte Traumatologe und Lungenchirurg, weilte oft in Istanbul. Er war kein Mitglied der NSDAP. Mehrfach äußerte er sich kritisch über das damalige Regime. Er bedauerte, dass zahlreiche bedeutende Wissenschaftler Deutschland verließen oder verlassen mussten. Prof. Sauerbruch nahm 1935 gemeinsam mit seinen Söhnen am Begräbnis seines guten Freundes Max Lieb ermann teil (15, 17). Auch dies war eine Demonstration! Auf Anraten Sauerbruchs besuchte Schwartz den deutschen Botschafter in Ankara. Von Fabricius war zwar Botschafter des Deutschen Reiches, war aber im Grunde kein Nazi. Prof. Rudolf Nissen reiste 1935 mit Sauerbruch in die Türkei. Rudolf Nissen blieb in Istanbul. 1938 hat Nissen den ungarischen Dichter und Übersetzer Mihály Babits (1881— 1941) in Budapest operiert, wodurch Babits’ Leben verlängert werden konnte (2, 15). Mit seiner Aktion hatte Prof. Schwartz die Weltöffentlichkeit auf die in Not geratenen deutschen Wissenschaftler aufmerksam gemacht. Schwartz erwirkte mit hohen Geldsummen die Freilassung dreier bereits im Konzentrationslager befindlicher Professoren: Alfred Kantorowitz, Friedrich Dessauer und Gerhard Kessler. Für die Freilassung von Prof. Kantorowitz hatte sich außerdem der Nobelpreisträger Robert Bárány eingesetzt.