Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 206-209. (Budapest, 2009)

ADATTÁR — DOCUMENTS - Kapronczay, Katalin: Orvostörténeti vonatkozású kéziratok Luigi Ferdinando Marsigli (1658-1730) hagyatékából

Kapronczay, K. : Handschriften medizinischen Inhaltes von Litigi Ferdinando Marsigli 247 Die endgültige Fassung dieses aus mehreren Kapiteln bestehenden Traktats beendete Marsigli im Juli 1721 und widmete die Schrift dem Marquis Giovanni Gioseffro Orsi zu. Die Formulierung der wider die Pest gebrachten Verordnungen, die den Kern des Traktats bilden, ist aber viel früher entstanden. Die in der Einleitung gebrachte Beschreibung der in der Türkei ausgebrochenen Epidemien ist außerordentlich interessant, und auch in kulturhis­torischer Hinsicht wertvoll, weil eine vollkommen andere Kultur und Gedankenwelt sich widerspiegelt, die Menschen unter wesentlich bescheideneren Umständen lebten, deren All­tag ebenfalls gezeigt wird. Diese Umstände, Bräuche bezeichnen einen wahrhaftigeren Grund zu der Entstehung der verschiedenen Krankheiten, Epidemien, sowie ihrer Verbrei­tung. Im ersten Teil der Handschrift schildert Marsigli die wesentlichen Züge der Pestilenz, die Lehre ihrer Ätiologie, Pathogenese und Pathologie. Es darf behauptet werden, dass der Verfasser diese medizinischen Kenntnisse und die wissenschaftlichen Errungenschaften seiner Zeit kannte, und sich tapfer auf sie stützte. Seine Behauptungen weichen von diesen nicht ab, und sind nicht von minderem Niveau. Obwohl sein naturwissenschaftliches Inter­esse auf mehrere Wissenszweige ausgedehnt ist, kann seine Geläufigkeit Bewunderung auslösen. Der zeitgenössische Geist der medizinischen Schulen, die Irrtümer in der Patholo­gie sind dieselben, die auch bei den Ärzten jener Zeit vorkommen, und sind logische Folge­rungen, die sich in der naturwissenschaftlichen Gedankenwelt widerspiegeln. Marsigli begegnete der Pest zum ersten Mal 1680 in Konstantinopel, als er noch in der Armee der venezianischen Republik, unter der Kommandantur von Pietro Civrani diente. Zum zweiten Mal 1691-92, als er als „Friedensbote" zurückkehrte, als er die verheerende Epidemie schon konstatieren musste. Er machte gründliche, eigenartige, sehr individuelle Beobachtungen über die Pest in Konstantinopel, bezeichnete als erstrangige Gründe klima­tologische und atmosphärische Umstände, und zwar die Windzüge, ihre Richtungen und ihr Wesen. Er musste feststellen, dass die Türken sich gesund ernähren, seiner Meinung nach kann die Verpflegung zu der Infizierung nicht beitragen. Das musste er aber gewahr neh­men, dass erstens jene Menschen erkranken, die einen direkten oder indirekten Handelskon­takt mit Ägypten führen. Davon leitete er ab, dass das Epizentrum dieser Krankheit unbe­dingt in Ägypten liegen muss. Im sumpfigen Delta-Gebiet des Nils - wo der Sonnenstrahl nicht mehr fähig ist die morastige Wasserschicht durchzudringen, - bilden die faulenden und gehrenden Materien, ihrer chemischen Eigenheiten nach für die Miasmen der Pest einen guten Nährboden, welche Erreger sich dann in der Luft vermehren und verbreiten. Zu der Verbreitung braucht man auch natürlicherweise eine vermittelnde Materie außer der Luft. Die im Handel befindlichen Leder- und Pelzwaren, Wolle und Textilien, weiterhin die Süßwasser-Schwämme, die ebenfalls durch den Handel in Umlauf kamen, sowie die Pro­dukte tierischen Ursprungs sind alle fähig zu der Verbreitung der Miasmen. Seiner Meinung nach müssen die Menschen, die eine mit Miasmen infizierte Luft einatmen, erkranken. Auch jene Teile der Handschrift, die ungarische Beziehungen aufweisen, sind außeror­dentlich interessant und beinhalten wertvolle Beiträge. Im Herbst 1700 brach die Epidemie in Siebenbürgen, im türkischen Lager aus. Da beide Parteien im permanenten Kontakt zueinander standen, war eindeutig, dass die ununterbro­chene Gefahr der Infizierung groß ist. Und das traf nicht nur das kaiserliche Heer, sondern indirekt auch die Landbewohner jener Gegend. Die Lage war dermaßen zugespitzt, dass Marsigli sich nicht leisten konnte, nur einen einzigen Menschen zu verlieren, oder jemanden

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