Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 198-199. (Budapest, 2007)
KÖZLEMÉNYEK — COMMUNICATIONS - SCHULTHEISZ, Emil: „Hin ist alle meine Kraft... " - Arztliches über Haydn. - („Minden erőm elhágy..." - Haydn orvosi szempontból.)
Lieder. Haydn hat zwölf von ihr verfasste Canzonetten vertont. Über den Hausherrn schrieb der Meister „Mr. Hunter ist der größte und berühmteste Chirurg in London-Leicester Square. " In der Zeit zur Haydns Ankunft in London wirkte Hunter als Generalarzt der Königlichen Britischen Armee und hatte gleichzeitig eine Ordination am Leicester Square inne. Wie bekannt, waren Haydns Kenntnisse im Englischen selbst nach einem Jahr sehr mäßig. So ist es zu deuten, dass er die Worte des großen Chirurgen über eine Operation seines Nasenpolypen missverstanden hatte. Eines Tages wurde er in Hunters Sprechstunde eingeladen. Haydn berichtet darüber: „Nach den ersten Komplimenten traten einige baumstarke Kerle ins Zimmer, packten mich von hinten und wollten mich auf einen Stuhl festbinden. Ich brüllte, schrie, schlug blaue Flecken und trat so lange mit den Füßen, bis ich mich befreien konnte und Herrn H unt er, der hinterm Rücken schon seine Instrumente verbarg, begreiflich machte, dass ich mich durchaus nicht wolle operieren lassen. Er wunderte sich über meinen Eigensinn, und mir schien, er bedaure mich, dass ich nicht so glücklich sein wolle, seine Geschicklichkeit zu erproben. Ob ich denn, fragte er leise tadelnd, meinen Freund ins Grab nehmen wolle. Ich erklärte das tun zu wollen, und machte mich rasch aus dem Haus heraus. " Das war im Jahr 1794. Später hat sich Haydn doch operieren lassen, leider ohne Erfolg. Haydn war bis ins hohe Alter eigentlich nie ernst krank gewesen. Eine regelmäßige Arbeit, Zurückhaltung von jeglicher Ausschweifung und - last not least - die Konstitution der Vorfahren hatten ihn bis in sein siebzigstes Lebensjahr gesund erhalten. Kurz vor der ersten Reise nach London entschuldigt er sich bei dem Prinzen von Oetingen-Wallerstein, dass ihn ein Augenleiden in der Ablieferung einer von dem Prinzen bestellten Musik hinderte. In England quält ihn der Rheumatismus, ein „rheumatisches Kopffieber' 1 fesselte ihn längere Zeit ans Bett. Von diesem Anfall erholte er sich binnen Wochen. Das Leben Haydns gestaltete sich äußerlich glücklich, er war von Ruhm und Erfolg gekrönt. Aber es begann sich zuweilen auch schon das Alter zu melden, die Last der Jahre auf den sich den Siebzigern nähernden Tondichter zu drücken: „Die Welt macht mir zwar täglich viele Complimente über das Feuer meiner letzten Arbeiten" — heißt es in einem Brief des Meisters an ./. H. Griesinger, Freund und erster Biograph von Haydn, - aber niemand wird mir glauben, mit welcher Mühe und Anstrengungen ich daselbst hervorrücken muss indem mich mancher Tag dass (!) schwache Gedächtnis mit Nachlassung der Nerven dermaßen zu Boden drückt, dass ich in die traurige Lage verfalle, und viele Tage (!) nachher außer Stande bin, mir eine einzige Idee zu finden, bis ich endlich, durch die Vorsicht aufgemuntert mich wieder an d. Ciavier setzen und dann Kratzen anfangen kann. Da findet sich dann wieder, Gott sey gelobt. " Zu jener Zeit meldeten sich bei Haydn häufig die Beschwerden und die Gebrechlichkeiten des Alters. Zu dem durch seinen Nasenpolypen hervorgerufenen lästigen alten Leiden kamen Anfälle von „Kopfrheumatismus" und Schwindel. „ Haydn klagte aber gewaltig über den Einfall der feuchten Witterung auf seine Gesundheit; wenn er nur eine halbe Stunde arbeite, so bekomme er Schwindel, er müsse sich schonen, sonst treffe ihn noch der Schlag am Ciavier usw. " - heißt es in einem Brief vom Januar 1804 von Griesinger. Während dessen schreibt Haydn in einem Brief an den Breslauer Organisten Justin Heinrich Knecht gerichtet, der um einen Beiton für die „Schlesische Blume" bat, diese Bitte abweisend, und bezog sich auf sein hohes Alter: „...allein ein Alter von 72 Jahren und ein