Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)
TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext
Schelling, Fichte, Juslinus Kerner aus Weinsberg, Mitglied der Schwäbischen Dichterschule und Arthur Schopenhauer, - in Ungarn Gárdos János (1813-1893), zwei romantische Seelenforscher und Hypnotiseure Ferenc Szapáry und Graf János Mailáth, sowie den Dichter Ferenc Kölcsey (1790-1838), Schöpfer der ungarischen Hymne, welcher 1823 und 1828 die antiken Spuren des Magnetismus in zwei Aufsätzen unterschuchte. Ein voreiliger Schluß wäre auch hier verfehlt: bis Entdeckung der Äthernarkose war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hypnose die einzige Methode, die in vielen Fällen eine schmerzlose Operation ermöglichte (J. Esdaile in Indien, ./. Récamier in Paris, ./. Elliotson und W. Ward in Edinburgh). Internationalen, wenngleich nicht einhelligen Ruhm erlangten die stets umstrittenen Versuche von Ferenc Völgyesi im 20. Jahrhundert in der Tier- und Heilhypnose des Menschen. Seine experimentellen Arbeiten Hypnose an Menschen und Tieren in Bezug auf die Phylo- und Ontogenese des Gehirns erschien 1938 in Budapest und eine umfassende Kulturgeschichte von der Dämonologie bis zur Heilhypnose (Die Seele ist alles) 1941 in Zürich. Neben Völgyesi erforschte aber auch der Debrecziner Neurologe László Benedek (1887-1945) den Einfluß der Hypnose auf das vegetative Nervensystem (1933). Auch die Hydrotherapie von Vinzenz Priessnitz (1799-1883) fand treue Anhänger im ungarischen Badewesen. In Gräfenberg kann das Gedicht des großen ungarischen Dichters des Vormärz, Mihály Vörösmarty (1800-1855) zu Ehre Priessnitz noch immer gelesen werden. Es ist bekannt, daß Vörösmarty sich 1830 homöopathisch kurieren ließ, und diese Heilmethode mit Aconitum und Pulsatilla Deák und Wesselényi zur Behandlung der roten Pest, d. h. des Scharlachs selbst empfohlen hat. Handelte es sich in den o. g. Fällen um lediglich eine Übernahme und Verbreitung in eigenem Lande, so gibt es auch einen echt ungarischen Beitrag zur Außenseitenmedizin. Der in Wien studierte Mediziner, Ignác Péczely (1822-1911) glaubte die Differentialdiagnose der meisten Krankheiten der strukturellen Beschaffenheit der Iris, der Regenbogenhaut des Auges zu entnehmen; seine Thesen über diese okkulte Irisdiagnose ließ er 1881 veröffentlichen. Sein bekannteres Werk, die Augendiagnostik erschien 1887 in Tübingen. Das Prinzip der Irisdiagnose besteht darin, daß sich nach Péczely's Vorstellung bestimmte Krankheiten in Teilen der Iris widerspiegeln. Wie alle diese Künste wurzelt auch diese - wie wir mittlerweile wissen - irrige Lehre in der „signatura rerum", als das „Gezeichnetsein" der Dinge des Kosmos. Péczely's Irisdeuterei fand bald zahlreiche Nachahmer in Deutschland, so F. Hübotter (1929), der die Wurzeln der Irisdiagnostik in der alten chinesischen Volksmedizin zu erkennen glaubte, weiterhin Felke (1909), Hense (1918), M. Madaus (1920), A. Müller (1919), F. Rossdorf (1954), F. Vida, I. Deck (1954) und Maubach (1952), die sich alle um das Herausfinden des Organbezuges der Regenbogenhaut bemühten. Waren die Heilpraktiken der Komplementärmedizin schon immer umstritten, so erreichte die Heftigkeit des Streits um Gültigkeit und Wirkung niemals jenen Grad der Ablehnung, der Ignác Fülöp Semmelweis (1818-1865), dem „Retter der Mütter" und Entdecker der Ursache und Vorbeugung des Kindbettfiebers Zeit seines Lebens zuteil wurde. Semmelweis hatte sein ganzes Berufsleben lang gelitten und war von Unverständnis, Anfeindungen und Flohn der Fachkollegen gekränkt. Man sagt, dieser scheue Kliniker hätte vielleicht mehr und früher publizieren müssen, damit die Fachwelt erkennt, was das Händewaschen mit Chlorwasser für das Eindämmen der Sterblichkeit von Wöchnerinnen bedeutete. Aber als er