Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)
TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext
sein, - und weilte in Pozsony als Gast des Bürgermeisters. In diesen Ländern bereicherte er seine Kenntnisse in der Volksmedizin. Mit seinen Worten: „Erforschung gehabt gewissen und erfahrener wahrhaften Künsten der Artzney, nicht allein bei den Doktoren, sondern auch bei den Scherern, Badern, gelehrten Aerzten, Weibern, Schwarzkünstlern, bei den Alchimisten in Klöstern". An dieses poriomanische Genie erinnert eine Sage in Siebenbürgen, in Sächsisch Reen (Szászrégen), einer von Sachsen gegründeten Stadt, in der seine Gestalt mit dem Teufelspakt Fausts verschmolzen überliefert wurde. In Nordungarn, in der Stadt Eperjes lebten noch im 17. Jahrhundert einige Nachfahren von ihm. Paracelsus, der große Widersacher Galens und Avicenna, zeigte sich vom Wissen der ungarischen Ärzte sehr beeindruckt: „Was ich zu arzeten loben hab aus den hunderten, von Pannónia seïnd zwey wol geraten". Wir wissen nicht, welche Ärzte Paracelsus loben wollte: seinem Anhänger, dem Iatrochemiker Mihály Sinapius (Michael Senff, 1602-?), welcher in Ungarn die antihippokratische Bewegung initiierte, standen andere wie András Dudith (1533-1589) und Pál Gyulai (7-1592) aus Bologna der paracelsischen Lehre und Praxis ablehnend gegenüber. Auf die bleibende Wirkung von Paracelsus darf immerhin der Hinweis gelten, daß György Verestói, Professor am Klausenburger reformierten Kollegium und István Hatvani am Debrecziner Kollegium noch am Ende des 18. Jahrhunderts an das paracelsische dreifache Prinzip von Schwefel, Quecksilber und Salz in ihren Vorlesungen festhielten. Georg Henisch (1549-1618) aus Bartfeld übte nie ärztliche Tätigkeit aus, gab jedoch als Direktor des Gymnasiums in Augsburg 1573 das Enchiridion Medicum Medicamentorum tarn simplicium quam compositum, im Jahre 1600 den Katalog der Ausgsburger Bibliotheken sowie 1616 ein Wörterbuchfragment (Teütsche Sprach im Weißheit) aus. Volksmedizinisches Volksgut aus Ungarn war jedoch schon früher europaweit in Gebrauch. So galt für das gemeine Volk das Heilkraut des Hl. Ladislaus, die Genliana cruciata allgemein als Schutzmittel gegen die Pest, und das Wasser der ungarischen Königin (l'eau de la reine) als Heilmittel gegen die Gicht, gegen das Podagra. Eine Chronik von Melk berichtet von Wunderheilungen durch das Auflegen des Kreuzes ungarischer Könige. Im 16. Jahrhundert, in dem der Universitätsbetrieb in Ungarn nocht immer sistierte, beschränkte sich das Geistesleben fast ausschließlich auf die internationale Korrespondenz der Humanisten. Einem Arzt aus Kaschau in der heutigen Slowakei, dem in Basel tätigen Humanisten Joannes Antonius Cassoviensis (14997-1544) widmete Erasmus seine erste Galen-Ausgabe vom 1526. Auch ein Frühdruck des Georg Wernher (+1576) über die ungarischen Heilbäder, die Hypomnemation, ein Klassiker der Balneologie erschien in Basel. Tomas Jordanus (1539-1585) von Klausenburg, Feldchirurg in Komárom war der erste, der auf die Möglichkeit der Verbreitung der Lustseuche, der Syphilis auf extragenitalem Wege hingewiesen hat. Sein Werk über den Morbus brunogallicus erschien erst 1577 in Frankfurt a. Main, dann noch fünfmal, zuletzt im Jahre 1793 in Jena. Seiner Thesen wiedersprach zunächst Crato von Krafftheim, der die Syphilisepidemie in Brünn lediglich für eine eitrige Hautentzündung hielt, doch die Nachwelt hatte Jordanus' Auffassung angenommen. Manardus (1462-1536), ein Arzt-Humanist im Hof der ungarischen Könige Wladyslaw II und Ludwig II (reg. 1513-18) griff schon vor Paracelsus die Galenische Lehre an. Seine medizinischen Epistolae hatte Erasmus einem Basler Verlag empfohlen. Auf der Suche nach verschollenen antiken Manuskripten fand Grad Neuenar im Jahre 1528 in einer ungarischen Klosterbibliothek die Mulomedicina (Artis medicináé), eine bisher unbekannte