Kapronczay Károly szerk.: Orvostörténeti Közlemények 194-195. (Budapest, 2006)
TANULMÁNYOK — ARTICLES - NEMES, Csaba: Beiträge zur Wechselbeziehung der deutschen und ungarischen Heilkunde im historischen Kontext
BEITRÄGE ZUR WECHSELBEZIEHUNG DER DEUTSCHEN UND UNGARISCHEN HEILKUNDE IM HISTORISCHEN KONTEXT 1 CSABA "NEMES „Geh nach Westen" - schreibt Sándor Märai in seinem Theaterstück Die Bürger von Kassa -, „vergiß aber nie, daß du vom Osten kommst!". Das Thema also Morgenland und Abendland. Das alte und neue Europa. /. Teil: Historischer Abriß und Quellenstudien Diese Recherchen werden mit einer kurzgefaßten historisch-kulturgeschichtlichen Übersicht beginnen, dann die Wechselbeziehungen deutsch-ungarischer Medizin näher untersucht, um zum Schluß auf die aktuellen kulturellen bilateralen Verbindungen zwischen Deutschland und Ungarn hinzuweisen. Die Historiographie dieses Wissenschaftstranfcrs zwischen zwei früher lockereren Staatenbunden wie das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und die Donaumonarchie des Habsburgischen Reiches waren, erscheint aus vielfacher Sicht problematisch. Zum einen kann sie der Versuchung erliegen, die Regionen, die Nationen als eine Art Individuum mit Eigenleben darzustellen, dem daher Identität, Entfaltung, Heranreifen und selbständiges Handeln zugedacht werden könnte. Zum anderen versucht eine solche medikohistorische Betrachtung allzu leicht seinen pragmatischen Zweck, dem Hörer das Gefühl der Kontinuität und der Fortentwicklung, zu vermitteln. Diesen Gefahren gehe ich durch eine fragmentarisch gehaltene Darstellung aus dem Weg. Hierzu bietet sich die Donau als Vermittler und Verbindungsweg sowie die Zeitschiene der Chronologie an. Weniger Interdependenz, als vielmehr Transfluenz. Der Donau und der alten Nibelungenstrasse entlang. Ohne jegliche Übertreibung kann man feststellen, daß, eingekeilt in die Grenzzone der byzantisch geprägten Orthodoxie, des Islam und der slawischen Völker einerseits und der deutschsprachigen Länder andererseits, ist Ungarn über Jahrhunderte das Bollwerk des christlichen Abendlandes geblieben. Erst gegen die Mongolen (1241), dann gegen die Türken (1526-1686), und zuletzt gegen die Sowjetunion im Ungarnaufstand von 1956. Der historische Vorgang, daß höher entwickelte, im Wohlstand lebende Staaten das Interesse barbarischer Völker zu wecken pflegen, wiederholte sich in der Geschichte dieses Landes mehrere Male. 1 Nach dem Vortrag im Ungarischen Kulturinstitut, Stuttgart am 21. November 2005