Varga Benedek szerk.: Orvostörténeti közlemények 149-157. (Budapest, 1996)

KRITIKÁK / REVIEW ESSAYS - Schultheisz Emil: Bildende Kunst und Medizinhistoriographie. Überlegungen zu dem Buch von Mária Vida: Kunst und Medizin in historischen Ungarn

Rückschlüsse auf Sachwissen und Erkenntnisse einer medizinhistorischen Epoche zulassen, sondern auch Hinweise dafür sein können, mit welchen Emotionen die jeweilige Krankheit besetzt ist, welche Reaktionen sie bei betroffenen und deren Angehörigen hervorruft, und auf welcher weltanschaulich-religiöser Basis sie standen. Schon vor einem Jahrzent erschien aus der Feder der Autorin ein Büchlein unter dem Titel ,,Apotheken-Museen in Ungarn", eine quasi Einführung in das Tema, deren zweiter Teil eher als Katalog gedacht war. Das Kapitel Pharmazie aber im besprochenen Band ist eine umfassende Präsentation und Beschreibung der Kunstwerke in ungarischen Apotheken. Man ist beeindruckt durch die nicht geringe Zahl und der hohen Qualität der mit glückli­cher Hand restaurierten und konservierten alten Apotheken und deren musealen Einrichtun­gen. Aus der reichen Sammlung des Semmelweis-Museums und dessen Filialen, der Museum-Apotheken am Lande werden prunkvolle Töpfe aus Keramik, Zinn, Edelmetallen vor Augen geführt, Apotheken- Standgefässe aus Keramik, Glas, Holz, jedes Gefäss ein Kunstwerk. Kunstvoll eingerichtete Offizinen, künstlerisch gestaltete Einrichtungsgegen­stände sind Zeugen der alten Apothekerkunst. Apotheken — sie sind unentbehrlich und aus der Medizingeschichte nicht und aus un­serem Leben nicht wegzudenken. Auch die modernsten unter ihnen umgibt noch ein Hauch von Geheimnis. In Literatur und darstellender Kunst werden die Apotheker zuweilen als Originale und Käuzt gezeichnet, ihr Offizin als geheimnisumwitterte Werkstätte. Eigenartige Destillations­apparate erinnern an die Alchemisten und ihr Suchen nach dem Lebenselixir. Die Person des Apothekers — in frühen Zeiten zuweilen der Arzt selber — kann als Muster für eine Tätig­keit gelten, bei welcher sich Wissen und Gewissen die Waage halten müssen. Dem Leser sol­len anhand der Präsentation der Objekte aus diesen Sammlungen Kunst und Praxis näher­gebracht werden. Wahrhaftig ist dieser Abschnitt eine illustrierte Geschichte der Pharmazie in Ungarn. Es ist hervorzuheben, dass es sich hier um besonders viele, für Ungarn spezifi­sche Kunstwerke handelt, die fachgerecht analysiert werden. Neben der Präsentation und Besprechung noch kaum bekannter Objekte und Dokumente kann die Autorin auch in die­sem Abschnitt auf ihre eigenen Arbeiten zurückgreifen. Auch in Ungarn standen die Klöster am Anfang des Apothekenwesens, Von den Kloster­gärten übernahmen die Laienapotheke den Anbau und die Pflege der Arzneipflanzen und im Laufe der Zeit lösten die Apothekengärten die Klostergärtcn ab. In weit grösserer Zahl befin­den sich Gärten für Heilpflanzen neben dem Küchengarten der Hausfrauen im alten Ungarn. Fast eine jede Hausfrau war Doktorin und Apothekerin, sorgte für Kranke familiäres, nicht selten mit fundierten Kenntnissen. Einige grandes dames besassen einschlägige Bücher, manchmal waren sie Ubersetzer, nicht selten Verfasser von Rezeptbücher, Herbarien. Aus der Feder der Anna Zay, Gemahlin eines Gutbesitzers von altem ungarischen Adel, stammt ein handgeseshriebenes Herbarium (1718) das eigentlich auch ein Rezeptbuch ist, mit vielen therapeutischen Anleitungen. In diesem und den folgenden, die Chirurgie und Ophthalmologie behandelnden Kapiteln kommt die Problematik der Periode zwischen 1500 und 1750 wieder eindrucksvoll zum Ausdruck. Sie zeigt ein sich durchdringendes Geflächt naturwissenschaftlicher und medizi­nischer Zeugnisse einer Epoche, die noch keine scharfe Trennungen zwischen den Diszipli­nen kannte. Hier werden in kontrapunktischer Komposition, Dokumente, Bilder, Messgeräte und Einsatzgewichte, Präziosen der Mikroskopierkunst, Instrumente des Chirurgen, Brillen des Augenarztes beschrieben.

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