Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
XVI. Jahrhundert eine wichtige Rolle in Eperjes. Aus dieser Familie ging der Sohn Szaniszló hervor, der 1649 in Padua das Doktordiplom erwarb, und 1654 dem Ruf folgend an die Universität nach Krakau ging. Nach seinen Universitätsstudien betätigte er sich in Kaschau und Eperjes als Arzt, wo ihn die Einladung des Krakauer Bischofs erreichte. Er tauchte öfters in Oberungarn auf, war ein beliebter Arzt an den Herrenhöfen. Im Jahre 1669 wurde er zum Professor der Anatomie an der Krakauer Universität ernannt. Eine längere Zeit hindurch las er aber auch die praktische Heilkunde an der Fakultät vor, und war Aufseher der Stadtapotheken. In der Pestepidemie des Jahres 1676 wirkte er als königlicher Kommissar in Südpolen. Er bekleidete auch mehrere Male Amter an der Universität; im Jahre 1688 vertrat er diese alte Institution als Rektor auf dem Landtag. Den Aufzeichnungen nach hatte er einen regen Kontakt mit der ungarischen Kurutzen-Emigration in Polen, und nach einigen Quellen sind eben deshalb seine Besuche in Oberungarn am Ende des XVII. Jahrhunderts immer seltener geworden. Trotz seiner glänzenden Karriere in Polen hatte er immer einen intensiven Kontakt mit seiner Heimat, in seinen Unterschriften verzeichnete er immer seine ungarische adlige Abstammung 29 . Der Zeitgenosse von Bojm und Wosinski war der in Szakolca geborene Alajos Mihály Senff (Sinapius) (1622—?), ein ungarischer Arzt mit abenteuerlichem Leben. Nach den Studien in Pozsony und Wien begann er mit den Medizinstudien in Italien, die er schließlich im holländischen Harderwijk glücklich zum Abschluß brachte und sein Doktordipolm dort erwarb. Nachher kam er im zahlreichen Ländern Europas vor, bereiste Frankreich, Deutschland, er war auch in Schweden, zueletzt ließ er sich im Jahre 1670 in Polen nieder. Er lebte zuerst in Vilno, Grodno, an der Meeresküste, ab 1678 wurde er Hofarzt beim Herzog Radziwill in seinem Warschauer Hof, auf dessen Kosten er auch sein Traktat unter dem Titel Absurda in Warschau im Jahre 1693 herausgab. Dieses Werk wurde im Jahre 1697 auch in Genf herausgegeben. In diesem Werk spricht Senff, dessen Ungarntum Kosminski auch hervorhebt, eingehend über einige ethnologische Eigenheiten der Polen. In diesem Werk trat er als Paracelsus-Anhänger auf, und wurde dadurch ein Urheber der antihippokratischen medizinischen Bewegung am Ende des XVII. Jahrhunderts. Das dritte Kapitel dieser Arbeit behandelt die Geschlechtskrankheiten, und gibt auch eine gute Beschreibung der Symptomenlehre des Trippers, obzwar seine Auffassung über die Syphilis auf einem Irrtum ruhte. Detailliert behandelt er das Wechselfieber, die Tuberkulose und empfielt öfters eine gute Therapie dafür. Nach einem längeren abenteuerlichen Leben ließ er sich in Polen endgültig nieder und verstarb auch dort in den ersten Jahren des XVIII. Jahrhunderts. 30 In seiner Arbeit erwähnt Veszprémi mit besonderer Betonung den Doktor der Medizin preussischer Abstammung János Peterson Hain, der nach einem Aufenthalt einer ärztlichen Praxis von mehreren Jarzehnten von Polen nach Ungarn übersiedelte: „... der berühmte Arzt der Eperjeser des vergangenen Jahrhunderts (d. h. XVII. Jh.) verstarb auch dort als anerkanntes und fleißiges Mitglied der Kaiserlichen Akadmie der Naturforscher. " Der Zeitgenosse von János Peterson Hain war der ungarische Daniel Szentkereszti (Santacrucius), der, im Jahre 1694 als Ungar mit der Dissertation „Über die mineralischen Heilwässer" in Koppenhagen seinen Doktor der Medizin erwarb. Nach Vollendung seiner Studien kehrte er zwar zurück, ging aber bald wieder nach Polen und lebte — nach Weszprémi — bis zum Jahre 1701 dort. Nach wiederholter Rückkehr wurde er Oberarzt der Komitate Eperjes und Sáros, und verstarb in diesem Amt 1710 in seinem 44. Lebensjahr. Weszprémi erwähnt übrigens: „ Viele erinnern sich gut an ihn, und daß seine größte Freude war, wenn ersieh mit der Chemie befassen konnte. Darüber sprechen auch die A usgrabungen im Eperjeser Pulszky-Haus, in dessen Ruinen verschiedene altmodische chemische Geräte und Gefäße ans Tageslicht kamen. ,ril Die polnische medizinhistorische Fachliteratur spricht vielmehr über die ungarischen Arzte dieser Epoche, die in Polen eine Rolle spielten, sowie über ihre ärztliche Praxis, und weiß weniger über die Praxis der 29 Wacholtz, Leon: Wydzial lekarski Universytetu Krakowskiego. Krakow, 1935 Majer, Jan: Kilka wiadomosci z dziejow Wydzialu lekarskiego. Krakow, 1939 30 Gasiorowski, F.: a. a. O. Bd. II. S. 319 11 Kapronczay, Károly: Magyar —lengyel orvosi kapcsolatok a XVIII — XIX. században (Ungarisch —polnische medizinische Kontakte im XVIII—XIX. Jahrhundert). Orvosi Hetilap, 1982. S. 1729—1731