Magyar László szerk.: Orvostörténeti közlemények 133-140. (Budapest, 1991-1992)
TANULMÁNYOK — ESSAYS - Kapronczay, Károly: Ungarisch—polnische Kontakte auf dem Gebiet der Medizin
Reihe der polnischen Ärzte und Chirurgen erhebt sich besonders Wojciech Oczko hervor (1537—1599), der in Bologna absolvierte Arzt war, der als erster in polnischer Sprache seine Publikationen verfaßte, und der lange Zeit hindurch in Hispanien und Frankreich eine ärztliche Praxis ausübte. Nach seiner Heimkehr lebte er in Warschau und Krakau und kam vermutlich von hier aus in die Umgebung von Báthory 23 . Oczko galt fast fünf Jahre hindurch (1576—1581 ) als der persönliche Arzt des Báthory. Seine Person war für viele seiner Zeitgenossen „rätselhaft", weil er seine erste Arbeit, die er Báthory widmete, über die Syphilis verfaßte und bewies seine gründliche Kenntnisse auf diesem Fachgebiet. Sein Abgang ist mit der Ankunft von Bucella zusammengefallen, das vermuten läßt, daß, eine Differenz zwischen den beiden den letzteren zum Verlassen des Königshofes zwangen. Demnach hielten sich nur italienische Ärzte in der Umgebung von Báthory auf. Die Funktion von Oczko wurde von Bucella übernommen, der nach zwei Jahren — mit Bezug aufsein Alter — eine Hilfe beantragte. So betätigte sich eine kurze Zeit lang der italienische Fabius Sessa Niphus, aber man versuchte auch den berühmten Merkurialisten Tarvisanus und Villenbrach, 24 einzuladen. Schließlich kam — auf den Vorschlag von Bucella — Simon Simonius an den Hof, der sich schon seit einem Jahr in Krakau aufhielt, und ein ehemaliger Schüler von Bucella war. Das Verhältnis der zwei italienischen Ärzte war ein Jahr hindurch wolkenlos zu bezeichnen, Simonius äußerte sich sogar anerkennend über seinen Meister. Der Streit zwischen ihnen brach in der Diskussion mit Squarcialupus aus, worin der Meister nicht neben seinem Schüler Stellung nahm. Zur Zeit des Todes von Báthory standen sie schon als Feinde einander gegenüber, nach dem Tod des Königs klagte Simonius den Doktor Bucella an, daß er mit Hilfe seiner ungarischen Freunden ihn aus Polen verdrängte. Das war der Grund, daß er hinter der Figur des Muraltus, in der Apologie des György Czakor, Bucella erkennen vermutete, der wütend gegen seinen ehemaligen Meister auftrat, und beschuldigte ihn für den Tod des polnischen Königs. Wahrscheinlich wären beide Persönlichkeiten in Vergessenheit geraten, wenn nicht ihre schwere literarische Diskussion die Geschichtsschreibung auf Jahrhunderte hin beschäftigt hätte. 25 Bei der Erwähnung der ungarischen Umgebung von Báthory kommt öfters der Name des Doktors der Medizin Paul Gyulay (?—1592) vor, der sich vom Plebejerstand zum Sekretär des Báthory erhob. Er absolvierte seine medizinischen Studien in Padua, war ein junger Mann, der das Schwert und die Feder mit derselben Genauigkeit und Fertigkeit schwang. Um die Meinung des Mediziner-Sekretärs wurde am polnischen Königshof von den Ärzten öfters gebeten, man bezog sich auch mehrfach auf seine Stellungnahme 26 . Mit dem Tod des Königs István Báthory endet die reichste Periode der mittelalterlichen ungarisch — polnischen medizinischen Kontakte, die in den kommenden Jahrhunderten nicht so entfaltet und ausgebreitet fortgesetzt werden konnten. Die Krakauer Universität verlor ihre bestimmende Rolle in der Ausbildung der ungarischen Intelligenz, die ins Ausland blickenden ungarischen Studenten besuchten in dieser Zeit vielmehr die deutschen oder niederländischen protestantischen Universitäten, oder die katholischen Hochschulen in Italien oder des Habsburg Reiches. MEDIZINISCHE BEZIEHUNGEN UND KONTAKTE IM XVII. UND XVIII. JAHRHUNDERT Vom Ende des XVI. Jahrhunderts an, besonders aber nach dem Tod des polnischen Königs István Báthory verringerten sich die ungarisch —polnischen medizinischen Beziehungen und Kontakte beträchtlich, und nahmen neue Formen und Gestalten an. Der Grund dazu darf nicht nur in der Dreiteilung des 23 Kapronczay, Károly: Báthory István udvari orvosai (Die Hofärzte des István Báthori). Orvosi Hetilap, 1978. S. 2875— 2877 24 Weszprémi: a. a. O. 25 Kapronczay, Károly: a. a. O. 26 Szabó, György: Abafáji Gyulay Púi Budapest, 1974. S. 106