Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK, ELŐADÁSOK - STUDIES, LECTURES - Kaiser, Wolfram: Der Arzt Franz Ernst Brückmann (1697-1753) und seine ungarische Reise von 1724
ansprechen wollten. 5 Kleine Broschüren, vergleichbar mit der PaperbackTechrük der Gegenwart, sollten auch diejenigen erreichen, die vom Kauf eines dickleibigen Buches Abstand genommen hätten. Die für die Typographie des 18. Jahrhunderts relativ seltene Form einer allgemeininformatorischen Drucklegung 6 war ohne Zweifel bewußt gewählt; für vordergründig wirtschaftliche Erwägungen spricht die Tatsache, dass jeder dieser Reisebriefe die Widmungsadresse eines Freundes oder eines Mäzens ü'ug, der sich dann wohl auch an Finanzierung und Absatzsicherung beteiligte. Wer an den Centurien eingeteilten Epistolae itinerariae insgesamt interessiert war und sie alle zwecks schnellen Nachschlagens zur Hand haben wollte, konnte sie sich nachträglich in Buchform zusammenbinden lassen. Das geschah nicht selten, so daß heute in den wissenschaftlichen Bibliotheken oft beide Editionsformen — die Einzelbroschüre und der Centurienband — nebeneinander zu finden sind. Brückmanns UngarnSchrifttum beschränkte sich im übrigen nicht auf die in Eigenregie herausgebrachten „Epistolae itinerariae" . Das eine oder andere publizierte er in Form kleiner Schriften oder reichte es den Redaktionen von Fachzeitschriften ein. Weszprémi hat diesbezüglich eine Auflistung vorgenommen 7 und zitiert 3 Einzelbeiträge, 27 Entflechtungen in die .JLpistolae itinerariae" und 35 Veröffentlichungen in den annales Wratislavienses"; hinzu kamen einige Mitteilungen in den ,Miscellanea" der Academia Naturae Curiosorum und im „Commercium litterarium Noricum". Um aber eine derartig regionalbezogene Liste zusammenstellen zu können, mußte Weszprémi im Besitz des PublikationsGesamtverzeichnisses von Brückmann sein, der schon lange verstorben war, als es um einen derart spezifischen Index laborum ging. Zugearbeitet haben dürfte ihm dabei Friedrich Börner (1723—1761), der Schwiegersohn von Franz Ernst Brückmann;* möglicherweise hatte Weszprémi aber auch diesbezüglich Kontakt aufgenommen zu Urban Friedrich Benedikt Brückmann (1728—1812), dem in Braunschweig-Wolfenbüttel tätigen Sohn des 1753 dort zu Grabe getragenen Ungarn-Reisenden.' Zur Form der Berichterstattung von Franz Ernst Brückmann bleibt festzuhalten: die Epistolae itinerariae waren vorzugsweise lateinisch abgefaßt, und auch die Orts- und Landschaftsnamen waren vielfach latinisiert, wurden dann aber durch die landessprachliche Bezeichnung und zuweilen auch durch Namenserklärungen ergänzt. Hierzu zwei ungarische Beispiele. In der „Epistola itineraria de quibusdam figurális Hungáriáé lapidibus" berichtet Brückmann, wie Sopron (lateinisch: Sempronium) zu seinem deutschen Namen Ödenburg kam („quoniam haec urbs ab Imperatore Carolo M. et Henrico III. ferro et incendiis vastata et redditafuit"). Eperjes nennt er graeco-latinisiert Fragopolis, die Stadt der Erdbeeren (,J~raga, quae lingua Hungarica Eper vocantur") 10 . Im übrigen wurde die Latinität aufgegeben, wenn es in den Reisebriefen um vorzustellende, von Fremdautoren wörtlich übernommene Berichtsteile ging. Deutschsprachig erscheint daher der übernommene Besucherbericht eines deutschen Gastes des nordungarischen Zipsstädtchens Kesmark mit der Schilderung der Besteigung der Kesmarker Spitze. Als Beteiligter an dem montanistischen Unternehmen hatte David Frölich (1600— 1648), der spätere Mathematiker und Geograph, hierüber eine kleine Abhandlung geschrieben, die Brückmann nun wörtlich in die beüeffende Epistola itineraria einfließen ließ. Brückmann wird auch andere Publikationen von David Frölich wie z.B. die „Medulla Gcographiae practicae " von 1639 und 5 Kai ser, W., u. K. —H. Krosch: Halle 1723 und die slowakische Reise in den Epistolae Itinerariae des Franciscus Ernestus Brückmann (1697—1753). Wiss. Z. Univ. Halle (Math.-natunv. R.). XIII (1964), S. 599—616. 6 Kaiser, W., u. A. Völker: Franz Emst Brückmann (1697—1753) und Albert Ritter (1682—1759). Harz-Z. 33 (1981), S. 101—127. 7 Weszprémi, I.: a.a. O. (Lit.-Stelle 2), S. 128—138. 8 Kaiser, W.: Friedrich Börner (1723—1761) als Biograph thüringischer Arzt-Persönlichkeiten. Rudolstädter Heimathefte 22 (1976), S. 71—80. ' Barnstorf, F.: Dr. med. Urban Friedr. Benedikt Brückmann (1728—1812), der Leibarzt dreier Braunschweiger Herzöge und seine Patienten. Braunschw. Jb. 53 (1972), S. 196—213. 10 Kaiser, W., u W. Piechocki: Die Arztfamilie Raymann aus Eperjes und ihre Beziehungen nach Halle. Comm. Hist. Art. Med. 60/61 (1971), S. 207—225.