Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 125-132. (Budapest, 1989-1990)

TANULMÁNYOK - ESSAYS - Vida, Mária: Die Philanthropie und die Rolle der Frauen in Ungarn

Ein bis zwei Jahrzehnte später wird für die Tochter des Königs Béla IV, die Heilige Margarethe aus dem Arpádengeschlecht (1242-1270), die Dominikaner-Nonne der Margaretheninsel, eine zum Selbstzweck gewordene, übertriebene Askese bezeichnend sein. Das im Jahr des Tatarensturmes geborene Mädchen ging aufgrund eines väterlichen Gelöbnisses ins Kloster. Obwohl der Vater später bereute, bestand sie auf ihrer Entscheidung und wurde im Alter vonl8 Jahren zur Nonne geweiht. 2 Ihr Leben war von der Tugend, Selbstzüchtigung und Selbsterniederung bestimmt. Seit dem fünften Lebensjahr trug sie das Zilizium, geisselte sich und tat Busse: erniedrigte sich vor den hochgeborenen Gefahrtinnen und nahm freiwillig die schwersten Arbeiten auf sich. Eine jede Tat, die sich bei Elisabeth in den Pflege von Kranken und Leprosen äusserte, wurde für sie zum Selbstzweck: ebenso schätzte sie die Selbsterniederung ein. Die Kirche verhielt sich zum ihrem Gebahren nicht uneingeschränkt positiv: erst 1789 wurde ihr offizieller Kult genehmigt. Ihre Heiligsprechung liess bis zum Jahre 1943 auf sich warten. 3 Die Erklärung für diese extreme Verhaltensweise muss wohl im Tatarensturm von 1242 und dessen Folgeerscheinungen gesucht werden. Die Verwüstungen des Landes führten zum völligen Zerfall von Moral und Religiosität. Die Bevölkerung huldigte einerseits dem Flagellantismus, anderer­seits sank sie moralisch so tief, dass sich die Synode von Buda 1279 verpflichtet fühlte, die Ausschweifungen und Plünderungen von Kirchen und Friedhöfen gesetzlich zu untersagen. 4 Insofern ist es einleuchtend, dass die Bedeutung individueller Vorbildlichkeit einen hohen Stellenwert gewann und dass auch die Königstöchter in ihrer Lebensführung beispielhaft sein mussten. Mehrere Kinder von König Béla PV., Jolantha, Kinga, Margarethe und auch Elisabeth, seine Schwester, wurden heilig gesprochen. Gleichzeitig mit der Verbreitung des Protestantismus in Ungarn erlosch die mittelalterliche Eigenstaatlichkeit. Das Land spaltete sich in drei Teile. Nach der verlorenen Schlacht bei Mohács (1526) und der Eroberung von Buda, dem Königssitz (1541), hatte sich das Osmanenreich - infolge einer Zweiteilung Ungarns - nach Osteuropa hineingeschoben. West- und Nordungarn kamen unter die Fremdenherrschaft der Habsburger, und es entstand das selbständige Fürstentum Siebenbürgen. Diese Epoche der türkischen Unterwerfung im 16.-17. Jahrhundert brachte in Ungarn jene besondere, auss­chliesslich ungarische Lebensform hervor, deren Zentralfiguren einerseits der mit den Türken kämpfende ungarische Angehörige des Hochadels, andererseits die Edelfrau der Renaissance und des Barocks waren. Wenn man von einem unmittelbaren balkanischen Einfluss auch nicht reden kann, so hatten der ständige Kampf mit den Türken und die so entstandene, zur Verteidigung der Grenzgebiete geeignete Lebensform doch auch in Ungarn jene Menschentypen, Mannes- und Frauenideale geschaf­fen, die von denen in Westeuropa völlig abweichen. Deshalb lohnt es sich, diese Epoche etwas näher in Augenschein zu nehmen. Die Bestrebungen eùrheimischer Familien von Grossgrundbesitzern, die der staatsorganisatorischen Tätigkeit deutscher territorialer Dynastien ähneln im 15. Jahrhundert keinen Erfolg. Zwar herrschten die Oligarchien (die Kanizsais, Héderváris, Rozgonyis u.a.) nicht die Kleinkönigreiche aufzuteilen. Dies hat seinen Grund u.a. darin, dass in der Familie nur das Vermögen, nicht aber die Macht vererbt werden konnte. An der Wende des 14. zum 15. Jahrhundert galt es als Unikum, dass die Familie Garai über drei Generationen hinweg das Amt des Palatinus innehatte, zumal dieser Titel in der Familie nicht unmit­telbar vererbt wurde. Jenen Anteil am Staatsrecht, der zur Errichtung eines selbständigen Fürstentums Dieselbe: Heilige Elisabeth und die Betreuung der Aussätzigen in den Legenden und in den ikonographischen Andenken des mittelalterlichen Ungarns. Comm. Hist. Artis Med. 133-140. (1991-1992) Dieselbe: Ars sacra Medica — Ars Medica. Szemléletváltozás az orvosi ikonográfiában a reformáció hatására. Tanulmányok a lutheri reformáció történetéből. (Ars sacra medica — Ars medica. Betrachtungswandel in der medizinischen ikonographie unter Einfluß der Reformation. Studien aus der Geschichte der Lutherschen Reformation.) Budapest, 1984 . 298— 323. Comm. Hist. Artis Med. 109—112 (1985), 54—55. (deutsch). 2 Siklóssy, L.: Szent Margit extatikus élete. A magyar középkor erkölcse. í. k. Bp. 1922. 51—64. (Das ekstaüsche Leben der heiligen Margarethe. Die Moral des ungarischen Mittelalter. Bd. 1.) 3 Wisbender, J.: A szentek élete. (Das Leben der Heiligen) Bp. 1984. 754—755. 4 Balanyi, Gy.: Vallásos élet — iskolák. Magyar Művelődéstörténet. I. k, Szerk.: Domanovszky S. (Gläubiges Leben — Schulen. Ungarische Kulturgeschichte. Bd. L, Hrsg. von S. Domanovszky. Bp. o.J.) 422—424.

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