Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 115-116. (Budapest, 19869

KISEBB KÖZLEMÉNYEK — ELŐADÁSOK - Duka Zólyomi, Norbert: A fiziológia a nagyszombati orvosi karon

DIE PHYSIOLOGIE AN DER MEDIZINISCHEN FAKULTÄT IN TYRNAU UND IHRE UNGARLÄNDISCHEN PRÄZEDENZEN NORBERT DUKA ZÓLYOMI D ie Physiologie bildete sich zur selbstständigen Disziplin im 18. Jahrhundert insbesondere auf­grund der Arbeiten Albert Hallers und seiner Vorgänger und Nachfolger, wie Hermann Boerhaa­ve, resp. Cullen und vielen anderen. Wenn wir aber die Physiologie im.allgemeinen als jenen Zweig der Medizinwissenschaft betrachten, der sich nicht mit der leblosen, unveränderlichen Materie befasst, sondern mit ihren dynamischen Vorgängen, so müssen wir weit in die Vergan­genheit der medizinischen Entwicklung zurückgreifen [15]. Schon Galen schrieb u.a. über Phy­siologie, über ihre Notwendigkeit in seiner Schrift: Therapeutika methodos, die Araber mit Bezug auf Aristoteles über „Seelenkräfte'' die die Dynamik des menschlichen Körpers regulieren. Aber diese bescheidenen Präzedenzen stagnierten viele Jahrhunderte lang und erst seit dem 17. Jahr­hundert begann der Umschwung, der dann zur Verselbständigung führte, zur Geburt einer neuen medizinischen Disziplin. Die Physiologie gab mit ihrem Begriff anatómia animata Impuls der Anatomie, der rückwirkend zum intensiveren Studium der Vorgänge im menschlichen Körper führte. Albert Haller formte seine idealistische Lehre des Vitalismus über die Lebenskraft, die alles bewegt. Die Erscheinungen werden bei ihm zwar auf mechanistisch-metaphysische Weise erklärt, aber er legte den Grundstein zur naturwissenschaftlichen Methodik der Physiologie. Die­sen Verdienst können einige Vorurteile, wie über die Präformation, wo er in Fr. Wolffeinen ener­gisch argumentierenden Gegner fand, im wesentlichen nicht beeinträchtigen. Ihm gebührt auch der Verdienst die Entwicklung der Neurologie kräftig beeinflusst zu haben, dass er ferner zur Ablehung des Animismus von J. G. Stahl die Vorbedingungen geschaffen hatte und in 1776 den Begriff des Agens — der Nervenkraft — und seines Trägers, der Marksubstanz in den Vorder­grund stellete [31]. Diese Verdienste teilte er mit seinen Nachfolgern, resp. Zeitgenossen Wris­berg, Zinn, Meckel, Morgagni, Scarpa, Spallanzani u. a. Diese Entwicklung musste kurz berührt werden, denn die physiologischen Schriften ungarlän­dischen Autoren im 17. Jahrhundert basierten auf ihr. Eine Überblick, wie weit physiologischen Themen im 17. Jahrhundert — von Physiologie kann ja noch nicht geschprochen werden — in das Interessebereich ungarländischen Mediziner eingedrungen waren, können ihre diesbezügli­chen Schriften geben. Tibor Győry fasste sie in seiner medizinhistorischen Bibliographie von Un­garn (1412—1899) unter dem Kennwort Physiologie, Histologia physiologica zusammen [7]. Győ­ry wählte eine breite Grundlage zur Auswahl: alle jene Schriften, die dynamische Phänomene des menschlichen Körpers behandeln — incl. Verarbeitung der Nahrungsmittel und Getränke — wer­den aufgezählt. Wenn dieses Kriterium manchmal auch zu weitläufig erscheint, insbesondere, wo Győry auch einige im 16. Jahrhundert entstandene Werke in die Bibliographie einreihte, so z. B. eine Schrift Das Lob und der Schmach des Weines [8] oder über das Mittag- und Abendsmahl [1] und ein Werk über die Kraft der Lebensmittel [12], so kann im allgemeinen Győrys Wahl für richtig angesehen werden. Abgesehen von diesen im 16. Jahrhundert erschienen Schriften, sozu­sagen Präzedenzen der Physiologie, näherten sich die im folgenden Jahrhundert verfassten Arbei-

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