Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 86. (Budapest, 1979)

TANULMÁNYOK - Antall József: Az egészségügyi felvilágosítás és egészségnevelés Magyarországon a 18—19. században (német nyelven)

Zu einer echten Bedeutung kam aber die Gesundheitserziehung erst dann, als sich die Cholera vom zaristischen Rul31and aus zu verbreiten begann. Dann leuchtete der Ärzteschaft sowie den Gesundheitsbehörden die wirkliche Bedeutung der Aufklärung ein. Bevor sich noch die Choleraepidemie 1831—32 in unserem Lande verbreitete, hatte im Dezember 1830 Landesprotomedicus Mihály Lenhossék eine Verordnung erlassen: „Instruktion für die Sanitätsbehörden und für das bei den Contumaz-Anstal­ten verwendete Personale, zum behufe die Gränzen der k.k. österreichischen Staaten vor dem Einbrüche der im Kaiserlich russischen Reiche herrschenden epidemischen Brechruhr zu sichern, und im möglichen Falle des Eindringens, ihre Verbreitung zu hemmen." Ein anderes Beispiel, wobei selbst der Titel der Schrift des Komilatsphysicus von Győr (Raab) József Balogh charakteristisch ist: „Verordnung, die vom löblichen und adeligen Komitat Győr erlassen wurde, damit das gemeine Volk die sog. Cholerakrank­heit kennenlernen und sich dagegen beschützen kann" (1831). Im wesentlichen stellte die Choleraepidemie bis dahin die größte Probe der ungari­schen Gesundheitsorganisation dar. Es ist bezeichnend, daß der Statthalterrat 12 Ärzte — unter ihnen vorzügliche Universitätsprofessoren — für Bezirksratgeber er­nannte. Seitdem erhielten die Gesundheitsaufklärung und die Gesundheitserziehung sozusagen institutionelle Gründe. Mit der sich entfaltenden ungarsprachigen Fachlite­ratur, mit den Gesundheitskenntnisse verbreitenden Populärschriften hat sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die für das ganze bürgerliche Zeitalter charakteri­stische Gesundheitserziehung ausgestaltet, die sich immer mehr auf das erhöhte All­gemeinbildungsniveau des Volkes, und — nach der Einführung der allgemeinen Schul­pflicht (1868) — auf eine neue Zivilisationsbasis stützen konnte. 4. SCHLUßFOLGERUNGEN Die besprochene Epoche stellt in Ungarn das Zeitalter einer liefgreifenden Um­gestaltung dar, die sich auf allen Gebieten des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens bemerken läßt. Der Kampf wird im wesentlichen für die bürger­liche Umgestaltung und nationale Neugeburt geführt, wozu zunächst die Ideen des aufgeklärten Absolutismus, später aber die des nationalen Liberalismus die ideolo­gische Veranlassung gegeben haben. In der Vermittlung der Gesundheitserziehung haben vom 17. Jahrhundert an die Schulen eine grundlegende Rolle gespielt. Gesundheitserziehung in den Schulen bil­dete einen Teil der pädagogischen Tätigkeit und ging in gewissem Maße parallel mit Gesundheitsaufklärung ärztlichen Charakters, die wirklich erst nach der Cholera­epidemie 1830 institutionell und organisiert wurde. Da das Volksschulnetz sehr man­gelhaft und ärmlich war, kam die Gesundheitserziehung hauptsächlich im Mittel­schulunterricht zur Geltung. Die breiten Volksmassen erhielten eine gewisse Gesund­heitsaufklärung nur durch Vermittlung der „medicina pastoralis" und der Laien­heilkunde, weil erst die Einführung der allgemeinen Schulpflicht (1868) ein zur Auf­nahme nötiges Bildungsminimum (z. B. das Lesenkönnen von Aufklärungsschriften) sicherte.

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