Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)

FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)

wir aufgrund des Vergleichs der klinischen und der pathologisch-anatomischen Be­funde denjenigen Krankheitsprozess beurteilen, der zur symmetrischen Atrophie der Frontallappen geführt hat? Um diese Frage beantworten zu können, hätten wir einen gründlichen histologischen Befund des Gehirns vonnöten, zur Zeit der Obduktion befanden sich aber die histologischen Untersuchungsmethoden des Nervensystems erst in einem embryonalen Zustand. Lesen wir die zur Verfügung stehende histologische Beschreibung durch, so fällt es auf, daß darin die Atrophie der Nervenzellen und der Zellen- und Faserzuwachs der weißen Substanz unter den atrophischen Gyri erwähnt werden. Es ist eine auffallende und zugleich vielleicht auch einen Stützpunkt bedeutende Angabe, daß in der histologischen Beschreibung eine isolierte Zellausartung erwähnt wird, in der sich die Nervenzellen aufs Zwei-Dreifache vergrößerten, wofür der zeit­genössische Histologe den Ausdruck „aufgeblasen" gebraucht hat, ein Ausdruck, der auch heute noch im Gebrauch ist. Solche aufgeblasenen, pastösen Nervenzellen kommen bei der progressiven Paralyse nicht vor und sind auch in der von Arterio­sklerose verursachten Gehirn-Atrophie nicht vorzufinden. Die damaligen Methoden der Histopathologie waren — mit heutigen Augen gese­hen — primitiv. Die Pathologen verließen sich größtenteils auf die makroskopische Diagnostik, jedoch wie feine und bis zu heute stichhaltige Feststellungen sie auf diesem Grund machen konnten, das wurde am besten von Rokitanskys und Virchows Schulen bewiesen. Eben deshalb ist es mir auffallend, daß in der makroskopischen Beschrei­bung des Gehirns kein Wort über die Veränderung der Basaladern gesagt wird, welche Veränderung aber eine auffällige makroskopische Erscheinung darstellt. In meinei eigenen Praxis habe ich nie eine Arteriosklerose des Gehirns getroffen, in der in einem verhältnismäßig so jungen Lebensalter eine auch makroskopisch auffällige symmet­rische Atrophie der Frontallappen erfolgt wäre. Aufgrund der klinischen Symptome kann auch die progressive Paralyse ausgeschlossen werden, in der sowohl der auffällige und sukzessive Verfall der intellektuellen Fähigkeiten als auch die Veränderung des moralisch-ethischen Benehmens vor sich gehen. Wir haben aber tatsächliche Beweise dafür, daß Professor Semmelweis seine fachlichen Aufgaben sowie seine mit der wirt­schaftlichen Direktion der Universität verbundenen Funktionen bis zu den letzten Wochen auf geeignete Weise versah. Es gibt keine solche Aufzeichnung, die aufs Klinikum der progressiven Paralyse hinwiese. Und dieses Moment möchte ich desto mehr hervorheben, weil in dieser Periode der Neurologie eben die progressive Para­lyse eines der am häufigsten vorkommenden und am besten bekannten organischen Krankheitsbilder des Nervensystems darstellte. Aufgrund der Aufzeichnungen aus der Periode vor Semmelweis' Tod sowie dei Daten der Krankengeschichte tut sich das Bild eines Individuums auf, das den größten Teil seiner geistigen Fähigkeiten bewahrend, ja bis zur letzten Zeit beweisend, in dei letzten Periode seines Lebens tiefgehende moralisch-ethische Veränderungen über­standen hat. Diese Feststellung wird dadurch unterstützt, daß er im Gegensatz zu seinen früheren Gewohnheiten und Benehmen, seiner Familie gegenüber gleichgültig wurde, sich außer dem Familienkreis unterhielt, unmäßig zu trinken begann, weit­schweifig und geschwätzig wurde, und die Erscheinungen der sexuellen Hyper­aktivität und Perversion bei ihm auftraten. Er wurde nachlässiger in seinem An-

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