Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)

FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)

3. in der im engeren Sinne genommenen Krankengeschichte: über den Aufnahme­status, dann in der Form eines Decursus: über den Krankheitsverlauf in der Anstalt bis zum Tode am 13. August; 4. am Schluß der Krankengeschichte: über den Befund und die Diagnose im Sek­tionsprotokoll vom 14. August. Was in Bókais Mitteilung über Semmelweis' prämorbide Persönlichkeit geschrieben ist, beweist zweifellos, daß Semmelweis bereits vor der Manifestation der Symptome seiner Geistesstörung jahrelang eine krankhafte Persönlichkeit darstellte (krankhafte Schlafsucht, krankhafte Empfindlichkeit, Unverträglichkeit usw.). Damit sind in vollkommener Übereinstimmung die historischen Angaben, die sich auf Semmelweis' Psychikum beziehen. Die in Bókais Mitteilung bekanntgemachten psychiatrischen Symptome erschöpfen — dem damaligen Stand der Psychiatrie entsprechend — in vollem Maße den Begriff der „Geistesstörung" (vollkommene Veränderung seiner Persönlichkeit, Gleichgül­tigkeit gegenüber seiner Familie, seine schwere sexuelle Verwirrung usw.). Ich halte es für erwähnungswert, daß in der Mitteilung über ein sehr profuses Schwitzen und eine gesteigerte Herztätigkeit in den Tagen vor der Aufnahme geschrieben wird. Aus dem Aufnahmestatus habe ich hervorzuheben das Panaritium am Radialrande der dritten Phalanx des rechten Mittelfingers, das profuse Schwitzen, die Pulsfrequenz 120 und die Symptome der ausgesprochenen Geisteskrankheit. In dem vom 30. Juli bis den am 13. August erfolgten Tod geführten Decursus sind die somatischen Symptome der schwersten Sepsis beschrieben, und zur selben Zeit nahmen die Symptome der bereits vor der Aufnahme in die Anstalt bestehenden ausdrücklichen Geistesstörung natürlicherweise eine noch schwerere Form an. Aus der Diagnose des Obduktionsprotokolls sollen — neben den pathologischen Substraten der entfalteten Sepsis — die atrophia cerebri und der hydrocephalus chro­nicus mit besonderer Betonung hervorgehoben werden. Nach alledem interpretiere ich die Entfaltung von Semmelweis' Krankheit wie folgt: 1. Semmelweis' prämorbide Persönlichkeit war zweifelsohne pathologisch, in deren Herausgestaltung die psychische Spannung, die die Entdeckung der Ätiologie der puerperalen Sepsis und die dazu gehörenden Streite mit sich gebracht hatten, eine bedeutsame Rolle spielten. 2. Nach den Angaben des Obduktionsbefundes des Ge­hirns hatten die psychischen Symptome auch einen organischen Grund (organisches Psychosyndrom). 3. Die sich entwickelnde Geistesstörung wurde durch den septischen Vorgang außerordentlich verschlimmert. Dr. Sillós Vermutung von Semmelweis' eventuellem Diabetes (der auch nach der Meinung von Dr. Haimos nicht ausgeschlossen werden kann) stützt sich auf diejenige einzige, in Bókais „historischer Mitteilung" erwähnte Angabe, nach der Semmelweis' ,,Eßlust sehr groß" und sein „Wassertrinken häufig und übermäßig" seien. Diese Vermutung ist nicht anzunehmen, einerseits weil diese Symptome zumindest in dem­selben Maße zur Geistesstörung wie zum Diabetes gehören können, anderseits wenn er Zuckerkrankheit gehabt hätte, so wäre er durch seinen septischen Zustand ins Koma gestürzt worden — worauf aber keine Hinweise in der Krankengeschichte vorzufinden sind. Dr. Sillós Vermutung ist auch darum nicht annehmbar, weil der im Krankenblatt beschriebene Krankheitsablauf mit der Zuckerkrankheit nicht in Zu-

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