Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 83-84. (Budapest, 1978)

FÓRUM - Szakvélemények és hozzászólások Semmelweis kórtörténetéhez (magyar és német nyelven)

ÄRZTLICHE GUTACHTEN UND DISKUSSIONSBEITRÄGE ZU SEjMMELWEIS 1 KRANKENGESCHICHTE DR. GEORG SILLÓ-SEIDL, GYNÄKOLOGE, (FRANKFURT AM MAIN) Iis freut mich, Ihnen die seit 112 Jahren als „verschollen" gegoltene Kranken­geschichte Semmelweis' zur Verfügung stellen zu können. Anhand dieser und ande­rer Unterlagen, die ich in Wien fand und die ich dem Semmelweis Museum, Bibliothek und Archiv schenkte, entwickelte sich ein völlig anderes Bild über die „Krankheit" von I. Semmelweis. Erlauben Sie deshalb, daß ich Sie um folgendes bitte: vergessen Sie alle der bisheri­gen Theorien, auch diejenigen die Sie für diese Sitzung vorbereitet haben und urteillos legen Sie ein Blatt weißes Papier vor sich. Ich darf noch vorausschicken, daß was ich jetzt sagen werde, nicht Jedermanns Geschmack sein wird. Aber das darf mich nicht zurückhalten in der Suche nach der Wahrheit, Ihnen das zu präsentieren, was ich aus den Unterlagen herausgelesen habe. Zunächst die Einweisung. Balassa schrieb die Parère. Ohne Begründung, ohne die übliche Diagnose. Den Namen Semmelweis' unrichtig geschrieben, wobei in der Kopie, die ein ihm Unterordneter schrieb, richtig steht. Ausstellungsdatum der 29. Juli 1865. Dagegen ist kein Datum an dem Bericht über die Erkrankung Semmelweis' von Bókai. Die Ausdrücke weisen darauf hin, daß er Semmelweis untersuchte. Warum wurde gerade der nicht zuständige Kinderarzt damit beauftragt? Einerseits er war der jüngste der drei Einweisenden, anderseits Bókai stand persönlich am nächsten zu Semmelweis. Als Rangjüngster konnte er sowieso diesen Auftrag nicht ablehnen. Zum Inhalt: allgemeine Ausführungen, ohne nähere Angaben. Die „nächste Umgebung" schreibt Bókai. Man würde darunter die Ehefrau verstehen. Warum schreibt er nicht einfach: die Frau von Semmelweis? Weil er unter diesem Begriff mehrere Personen verstand. Vermutlich die Familie der Ehefrau, für die, wie Frau Lehoczky-Semmelweis ichrieb, Semmelweis „der verrückte Naczi" war. Mir fielen in der Analyse der Symp­tome zwei Gruppen von Krankheitsbilder auf: die eine (viel Trinken, Essen, „Alko­iiolgeruch" = Azeton, usw.), die auf einen diabetoiden Charakter hinweist, die an­dere, die mit einem klimakterischen Krankheitskomplex (diffuse Lebensweise, „Verschwendung", sexuelle Bestätigung im Rahmen einer Erektionsschwäche) in Verbindung gebracht werden kann. Die beiden Bilder können, anhand der Lebens­weise von Semmel weis (15 Jahre angestrengte Arbeit ohne Urlaub) von einer itresssituation ausgelöst worden sein. (Auf Einzelheiten gehe ich in meinem Buch ein: Semmelweis halála, Frankfurt am Main, Metropolitan, 1977.)

Next

/
Oldalképek
Tartalom