Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 66-68. (Budapest, 1973)

FORUM - Semmelweis kórtörténetének nyomában — Bécs és Budapest levelezése (magyar, angol és német nyelven)

4. Brief des Rektors der Medizinischen Universität Budapest, Prof. Dr. Imre Zoltán, an den Bürgermeister der Stadt Wien Budapest, den 9. Dezember 1967 Hochverehrter Herr Bürgermeister! Der Rektor und das Senat der Universität für Medizinwissenschaften zu Budapest erlaubt sich die folgende Denkschrift überreichen zu dürfen. Wie bekannt, ist Dr. IGNAZ PHILIPP SEMMELWEIS Professor der Ge­burtshilfe an der Universität zu Budapest, am 13-ten August 1865 in Wien (im Landesirrenanstalt Niederösterreich oder im Irrenanstalt von Prof. Dr. Mild­ner) gestorben. Im Sommer 1968 feiert unsere Universität den Wiederkehr seinen 150-ten Geburtstag. Eine Krankengeschichte in extenso wurde bis heute noch nicht veröffentlicht. Die medizingeschichtliche Literatur beschäftigt sich viel mit der Krankheit von Semmelweis, die Meinungen sind mannigfaltig, einige denken an einer Paralyse, andere an einem durch Sepsis hervorgerufenen Intoxitations (delirösen)­Zustand. Die Veröffentlichung der Krankengeschichte und deren Beilagen (das Gutachten der Professoren von Budapest) wäre deswegen aus wissenschaft­lichen Standpunkte sehr bedeutend, ein solcher Wunsch steht auch im Vor­dergrund der internationalen wissenschaftlichen Interesse. Die Veröffentlichung der Krankengeschichten historisch bedeutender Per­sönlichkeiten ist alltäglich, als Beispiele sollen jetzt die Fälle von Beethoven, Nietzsche, Goethe, Chopin, oder der Königin von Preussen, Sophie Charlotte usw. dienen. Herr. Dr. István Darvas, Historiker aus Budapest, beschäftigt sich seit langem mit der Frage der Krankengeschichte von Semmelweis. Laut einer schriftlichen Information vom 12. Januar 1961 wurde ihm mitgeteilt, dass die Kranken­geschichte und das Gutachten der Professoren zu Budapest (Dr. J. von Balassa, Dr. J. von Bókay und Dr. J. Wagner) in Wien erhalten blieben, aber als ver­schlossenes Aktengut nicht zur Veröffentlichung kamen. Die Magistratsabteilung 17 der Stadt Wien verständigte (12, August 1963) mit der Unterschrift des Herrn Oberamtsrates Sandler, den Herrn Dr. Darvas darüber, dass „ . . . die im Schreiben vom 19. 7. 1963 dargelegten Gründe eine Überlassung der Krankengeschichte Dr. Semmelweis' ausschliessen. Wenn Arzte, denen der Einblick in die Krankengeschichte gesätzlich zugestanden ist, Teile daraus publizieren, dann machen sie dies in voller persönlicher Verantwortung und müssen auch allfällige gerichtliche Folgen tragen, es kann jedoch nicht von einem Amte verlangt werden, das es selbst diese Grundsätze bricht .. Herr Dr. Darvas überreichte die oben erwähnten Angaben uns, als dem Rektor der Universität.

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