Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 55-56. (Budapest, 1970)
KISEBB KÖZLEMÉNYEK - Mozsonyi Sándor: Semmelweis munkásságának néhány gyógyszerészeti és kémiai vonatkozása (német nyelvű közlemény)
Die IV. Ausgabe des Österreichischen Arzneibuches gibt in einigen Zeilen auch dessen Herstellung unter den Titeln von Chloretum calcis, Calcaria chlorata, Calcaria chlorinica, Calcaria oxymuriatica, Chloris calcicus, Chloretum calcariae bekannt und zwar in der Weise, dass es die Einführung von Chlorgas in den frisch gelöschten Kalk vorschreibt. Wie wir sahen, hat Semmelweis eine 4% -ige wassrige Lösung des Chlorkalkes zur Desinfizierung verwendet, ohne Säuerung. Man sollte die Hände nach einem mit seifiger Nagelbürste durchgeführten Reiben so lange darin abwaschen, bis sie schlüpfrig geworden sind. Somit wurde in erster Linie die starke Laugenwirkung in der Desinfektion wirksam, wodurch von der Hautoberfläche die durch die Seife nicht entfernte Fettschicht und zugleich die verhornte Keratinschichte der Epidermis aufgelöst wurden, so das die Haut nach einer etwa 4—5 Minute dauernden Händewaschung schlüpfrig wurde. Falls noch etwas Schmutz oder Mikroorganismen in den Hautfalten und Hautrissen übriggeblieben wären, wurden durch den Hypochlorit des Chlorkalkes samt dem aus diesem durch den Kohlendyoxid der Luft freigewordenen Chlor, mittels einer starken Oxydationswirkung vernichtet, denn der Hypochlorit wird in einer laugenhaften Umgebung zu den stärksten Desinfizienten gezählt. Die obenangeführten ausgezeichneten Eigenschaften der Chlorpräparate, die desodorirende Wirkung miteinbegriffen, ermöglichten die Entfernung von Cadaverteilchen und Cadavergeruch, welche sich zur Hand des sezierenden Arztes angeklebt haben. Letztere — nämlich die Entfernung des Cadavergeruchs — hat Semmelweis als ein wichtiges Kriterium der Desinfektion der Hände beurteilt. Seiner Zeit beanstandeten viele den aus Kalkhydroxyd und Calciumcarbonat bestehenden Niederschlag und trüben Charakter, obschon dieser die desinfizierende Wirkung des Chlorkalkes wesentlich nicht beeinflusst. Diejenigen, die das Verfahren von Semmelweis für unwirksam erachteten, haben es wohl überhaupt nicht, oder nicht vorschriftgemäss verwendet. Das Prinzip der Desinfektion kam aber allmählich in immer breiterem Kreis zum Durchbruch, so dass zum Ende des vorigen Jahrhunderts die Mortalität des Kindbettfiebers schon allgemein unter 1 °/ 00 fiel. Der Gebrauch der Chlorkalkflüssigkeit hat aber auch Nachteile, welche sich im folgenden dartun. Die Geburtshelfer und Hebammen haben in der klinischen Praxis täglich mehrere Entbindungen vollbracht, bzw. innere Untersuchungen im Zusammenhang mit solchen untergenommen. Da laut Vorschrift — sehr richtig — das Desinfektionsverfahren der Hände sowohl vor diesen Untersuchungen, als auch nach jenen zu verrichten war, ist es nur begreiflich, dass die Lauge nach einem gründlichen Reiben mit Seife und Nagelbürste die Haut der Hand aufbeissen konnte und Entzündung, Risse und andere Unangenehmlichkeiten verursachte. Darum wendeten sich einige zu anderen Händedesinfektionsmethoden hin. Solche war z. B. auch die Kameleonlösung (KaliumpermanganatLösung), ein ebenfalls oxydierend wirkendes Desinfektionsmittel. Es ist überraschend, dass der Nachfolger von Semmelweis an seinem Lehrstuhl, János Diescher