Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 46-47. (Budapest, 1968)

TANULMÁNYOK - Regöly-Mérei Gyula: Etikai és morális elemek Semmelweis életművében (Német nyelven)

Dem Freund Markusovszky waren die „Offenen Briefe" schon vor ihrer Aus­gabe gut bekannt, da dieselben als Beilagen des von ihm herausgegebenen „Orvosi Hetilap" (Ärztliches Wochenblatt) erschienen {Späth und Scanzoni, No. 23. 1861; Siebold und Scanzoni : No. 27, 1861; sämtliche Professoren der Geburtshilfe: No. 30. 1862). Es kann nicht bestritten werden, dass der Diskussionston der „Offenenen Briefe" öfters agressiv ist. Späth und Scanzoni werden als „Mörder", Scanzoni auch als „medizinischer Nero" bezeichnet. Das sind sehr harte Worte. Anklage und Urteil in einem Satz. Die Entwicklung der Medizin bewies die Wahrheit der Semmelweisschen Lehre. Bedeutung und Auswirkung einer wissenschaftlichen Entdeckung wird keinesfalls durch den Diskussionston entschieden. Heutzutage finden wir viel­leicht die durch Semmelweis verwendeten Ausdrücke für etwas zu scharf. Wir müssen uns aber an Debatten des vorigen Jahrhunderts und des ersten Dezennium des XX-ten Jahrhunderts erinnern. Wir denken an die Diskussion in Genf 1882 zwischen Pasteur und Koch ; an die kriegerischen Behauptungen Virchows wider Koch (Milzbrandsporen, Tuberkelbazillen) ; oder an den scharfen Kampf, mit persönlichen Beschuldigungen zwischen Ramón y Cajal und Apáthy, bei welchem Retzius [27] darüber schrieb, dass die Nachwelt die Abbildungen von Apáthy als wissenschaftliche Fälschungen deuten werde. Das Erkennen einer wissenschaftlichen Wahrheit bringt auch eine Ausgleichung mit sich, ja die Annahme der diskutierten Ansicht. Koch untersuchte den Milzbrand-Impfstoff von Pasteur; Virchow stimmte 1895 der Auffassung von Koch bei [28], und Späth näherte sich 1863 an die Semmelweissche Lehre und nahm sie 1864 an [12, 29, 30]. Die guten Ergebnisse desSemmelweisschen Verfahrens könnten den Zeitgenossen als sicherer Beweis gelten. Es handelte sich nicht über Annahme oder Abweis einer Theorie, sondern über das Leben der gebärenden Mütter. Durch diese Gedanken werden auch seine persönlichen Gefühle im Hintergrund gedrängt; „Ich erinnere mich mit Vergnügen der Zeit, die wir in Pest zugebracht" — schreibt er an Siebold [20] — ; „mich knüpfen angenehme Erinnerungen an Sie, Herr Hof­rath; aber das Stöhnen der am Kindbettfieber sterbenden Wöchnerinnen übertönt die Stimme meines Herzens ; und meine Vernunft gebietet mir, die Wahrheit zur Gel­tung zu bringen, selbst wenn dadurch mein Herz schmerzlich berührt werden soll". Es beleben sich auch diesmal die Worte des Horatius : „lustum et tenacempro­positi virum" (Odae, III, 3, 1). Es scheint, Siebold hätte die bewegende Motive von Semmelweis verstanden. Er schreibt, wenn auch nicht ohne einer milden Ironie, die vielleicht menschlich verständlich ist folgendes :,,... dem Freunde Semmelweis verzeihe ich gerne, dass er mich vor kurzem, nachdem ihm die puerperale Sonne aufgegangen, wie er sich aus­drückte, in einem offenen Briefe mit eben diesen Strahlen verbrennen wollte, weil ich mich nicht unbedingt seinen Ansichten über das Kindbettfieber und dessen Ver­hütung zugewendet habe" [31]. Die „Offenen Briefe" bedeuten nicht immer Angriffe. Tief gerührt lesen wir die an Siebold geschriebenen Zeilen: „Herr Hof rath, ich kenne Sie als einen

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