Antall József szerk.: Orvostörténeti közlemények 44. (Budapest, 1968)

TANULMÁNYOK - Rochlin, D. G.: Paläopathologische Forschungen und das Problem des Alters der Syphilis

nicht nur mit der „französichen Krankheit" des XV. und XVI. Jahrhunderts indentisch ist, sondern auch mit dem heilbaren ansteckenden Aussatz (Lepra contagiosa sanabilis) — ein Fachausdruck, der von der berühmten Schule der Ärzte in Salerno vorgeschlagen wurde. Gleichbedeutend ist auch die Krankheit der Kreuzfahrer, die lepra incontinentiae genannt wurde (Lepra infolge von Unmässigkeit, lasterhafter Lebensweise). Eine identische Erkrankung ist scabies fera (grausame Krätze), die in der Epoche der Kalifen vorgefunden wurde. G. Sticker ist der Meinung, dass diese Krankheit im Altertum von den Ärzten Elladas alphos genannt wurde. Es ist unzweifelhaft, dass eine Anzahl von Indianern Südamerikas noch vor den Kolumbus-Zeiten und auch späterhin an Syphilis litten. Williams beschrieb im Jahre 1932 bei Ausgrabungen gefundene Knochen mit den Anzeichen dieser Krankheit, bei einigen Indianern, die in längst ver­gangenen Zeiten gelebt hatten. Auch andere Forscher veröffentlichten analoge Funde bei Indianern, die in Amerika noch bevor es von Spaniern und anderen Europäern erobert wurde, wohnten. Das bedeutet aber nicht, dass die Syphilis in Europa bis dahin nicht existierte, dass unter den Eroberern Amerikas niemand an Syphilis erkrankte, als sie sich noch in Europa befanden. Die Konquistadoren und ihre Kampfgenossen bereicherten sich mit märchenhaften Wertsachen, die sie der einheimischen Bevölkerung wegnahmen — von Toten, von durch Sklavenarbeit zu Tode gequälten, oder vertriebenen Indianern. Ähnlich verfuhren auch andere ebenso grausame und gierige in die Neue Welt strebende Aben­teuerer. Die einheimische Bevölkerung ruinierend, vernichtend und beraubend, die von den Indianern geschaffenen, Erstaunen erweckenden Kulturschätze zerstörend und vernichtend, suchten die Eroberer eine Rechtfertigung für die von ihnen vollbrachten Verbrechen. Die Verbreitung der Version, dass es vor der Entdeckung Amerikas keine Syphilis in der Alter Welt und auch in Europa gab, konnte einigermassen die sich auch weiter in den nächsten Jahrhunderten fortsetzenden Räuberüberfälle, Gewalttätigkeit und physische Vernichtung der einheimischen Bevölkerung in Amerika rechtfertigen. In Wirklichkeit aber, nachdem die Eroberer mit geraubten Wertsachen nach Europa zurückgekehrt waren, steckten sie, wenn sie an „blühender" Syphilis litten, Menschen an, mit denen sie in Berührung kamen (abgesehen davon, ob sie sich die Krankheit in Europa oder in Amerika zugezogen haben). Der mit­gebrachte Reichtum erleichterte ihnen solche Kontakte. Die Kriege, an denen die begonnene Epoche so reich war, das Eindringen feindlicher Armeen und die von ihnen vollbrachten Gewalttätigkeiten, Unzucht, „gemeinschaftliche Baderäume", in denen Männer und Frauen gemeinschaftlich badeten (es waren Herde der Unzucht), Freudenhäuser; all das konnte die ausserordentliche Verbreitung der Syphilis begünstigen, die in Europa vom XVI-ten Jahrhundert an, stattfand. Diese neue soziale Notlage wurde von den Zeitgenossen, und wird von vielen auch jetzt, als die Zeit des Erscheinens von Syphilis in Spanien und dann in Italien, Frankreich und weiterhin auch in anderen Ländern Europas angenommen. Alles, was hier zugunsten des Alters der Syphilis gesagt wurde, sind nur

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