GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003

IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)

grosse Erdbewegung vorausseht ... Ausserdem hätten diese Wälle in der damaligen Zeit kaum einen Verteidigungswert gegen die angreifenden Goten be­sessen ... Ferner dürften die Sarmaten kaum in ihrem Siedlungsgebiet den Bau von für sie nutzlosen Wällen und die Stationierung von römischen Truppen zugelassen haben, geschweige denn die Wälle für die Römer errichtet und sogar verteidigt haben, zumal — was die Forschung ständig übersieht - die Sarmaten souverän zu Pferd und damit auf dem offenen Feld kämpften, also nicht für einen Kampf geeignet waren, bei dem man sich als Kämpfer zu Fuss hinter einem Wall verschanzte. Auch dürften die Römer in dieser Zeit kaum noch die Macht besessen haben, im Rücken der unsicheren sarmatischen Verbündeten ein , Verteidigungswerk' von so enormem Ausmass zu er­richten. Das Wallsystem stammt demnach kaum aus dem vierten Jahrhundert; es könnte eher noch einer späteren Zeit angehören," 5 3 Ein Teil der von Dittrich aufgeworfenen Probleme kann leicht beantwortet wer­den. Zwar sprechen die schriftlichen Quellen nicht von den Bauarbeiten, doch bestätigen die neueren Funde die Datierung ins 4. Jahrhundert. Der Ausbau der Wälle war gut organisiert innerhalb weniger Jahre duchführbar, wie dies die gleichfalls mit einfachen Mitteln geschehenen Dammbauarbeiten im 19. Jahr­hundert belegen. Im Zusammenhang mit dem Wall­system hat noch András Mócsy ausgeführt, dass dieser Wallgraben vor allem eine auffällige Grenzlinie war und nur dann als Verteidigungslinie Bedeutung haben konnte, wenn eine Drittmacht für ihre Unver­letzlichkeit bürgte. 5 4 Aufgrund der Freilegung des Gräberfeldes von Mezőszemere-Kismarki-Fenék ha­ben nicht römische Truppen, sondern die an der Mauer lebenden Sarmatenkrieger das Wallsystem kontrolliert und verteidigt. Offensichtlich wird es parallel mit dem Ausbau des Wallsystems auch zur Gewinnung der Völker jenseits der Wälle gekommen sein, wofür der römischen Aussenpolitik ein weitgefächertes Arsenal von Mitteln durch die Beeinflussung der Bar­bareneliten zur Verfügung stand. 5 5 Darauf kann der für Nordostungarn charakteristische Zug des sehr in­tensiven Geldumlaufs seit der Diokletianszeit ver­weisen, der sich auch unter Konstantin I. fortsetzt. 56 Unter den Münzen finden sich viele Solidi, doch waren diese Münzen an den die Sarmaten bedrängen­den Germanen, die Gepiden, gerichtet. 5 7 Den Hinter­grund dieses fast kontinuierlichen "Geldverkehrs" bemühte man sich, mit der spezifischen politischen Rolle der Germanen zu erklären. 5 8 Beim Abschnitt des Walles an der oberen Theiss machte István Bona auf folgendes aufmerksam: "Den Bau der äusseren Verteidigungslinie des auch bis heute nicht völlig er­forschten Schanzenwerkes datiert Sándor Soproni auf nach 322, András Mócsy auf nach 294. Diesen etwa generationslangen Unterschied müssten die archäolo­gischen Funde glaubwürdig überbrücken. Im Korn. Heves gelang es nicht, in der Frage Stellung zu bezie­hen, in Szabolcs-Szatmár scheinen die sarmatischen und frühgepidischen Siedlungen die Wahrschein­lichkeit des früheren Datums gleichsam zu bestätigen. Mittelbar verweist darauf das ohne Vorgeschichte er­folgende, unerwartete Auftauchen von Münzen Diok­letians (293-305) in der Gegend des Schanzenbaus (Tiszalök, Tiszanagyfallt: Goldmünzen, Nyírbátor, Debrecen-Kondorospart, Polgár-Bivalyhalom: Gold­münzen), obwohl diese in entfernteren Gegenden, jen­seits der Schanze, z. B. im Tal von Szamos und Kraszna oder gar im Gebiet jenseits der Theiss inner­halb der Schanze bisher unbekannt sind. " 5 9 Ausser den Münzen Diokletians ergibt die Untersuchung des Münzenmaterials eine sprunghafte Steigerung unter Konstantin I. Auf diese eigenartige Erscheinung machte Dénes Gábler aufmerksam, der sie mit dem Bau des Walles erklärte, wobei man aber seine weit­eren Feststellungen nicht genügend beachtet hat: "Die Zahl der in das Barbaricum gelangten Aurei und Sol­idi nimmt unter den Einzelfunden zu. Golddepots sind nur aus dieser Zeit bekannt. Solidi kamen nur ausser­halb des Gebietes, das die sarmatischen Schanzen umschliessen, oder in der Nähe dieser Schanzen vor, also ausserhalb der Grenzen des mit den Römern ver­5 3 Dittrich 1984. 81-84 Mócsy 1974/c. 101 : o Aus der Sicht der Außenpolitik am Ende der Herrschaft Valentinians können die auf früherem Gotengebiet - im heutigen Sieben­bürgen - gefundenen Goldbaren eine wichtige Rolle spielen. 1887 wurden in Kraszna 15-16 St. im Gesamtgewicht von etwa 6 kg gefunden. Aufgrund der Kaiserdarstcliungen auf ihnen werden sie auf 367-375 datiert, während die 1880 in Szászföldvár entdeckten nicht später als 379-380 sind: Bóna 1986/a, 129-130. vgl. Overbeck-Overbeck 1985. 209-210, wo daraufhingewie­sen wird. daß die Goldbaren als Sachbeweis für die einzelnen gotischen Gruppen gewährte Unterstützung betrachtet werden kön­nen. Sie schlössen aber nicht aus. daß die Goten auch bei ihren Einfallen ins Reich an die Stangen gelangen konnten: s. dazu aus­führlich Kiss 1999. 58. 5 6 Lányi 1974. 265. Im von der Wälle umgebenen Gebiet wird der Geldumlauf seit Diokletian intensiver, deshalb verlegte Soproni 1985. 15 ihren Ausbau und ihre Kritik in diese Periode. 5 7 Bona 1986/b. 57-58 58 Bona 1986/b, 58, wo er die Münzen vor allem mit ihrer militärischen Rolle (als Hilfsvolk oder einzelne Söldner) in Verbindung brachte. 5 9 Bona 1986/b. 60 84

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