GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003
IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)
rieren das sprunghafte Anwachsen des Gelverkehrs innerhalb des Schanzensystems zur Zeit Konstantins und ihre Feststellungen stehen in auffallendem Gegensatz, den sie durch den Hinweis auf die inzwischen eingetretene Geldentwertung aufzulösen wünschte. Diese übrigens gefällige Erklärung lässt jedoch die einfache Tatsache unbeachtet, dass seinerzeit immer oder zumindest im Allgemeinen das Geld ins Grab gelegt oder verloren wurde, das gerade im Umlauf war. Die zur Verfügung stehenden Münzen sind nämlich als Streufunde oder aus Gräbern ans Tageslicht gekommen. Das Geld hat zu allen Zeiten einen Wert repräsentiert und unabhängig vom Münzfuss, nach dem es geprägt wurde, hat sein Besitzer darauf achtgegeben. So wurde zur Zeit des Diokletian offenbar das damalige "wertvollere" Geld ins Grab mitgegeben oder verloren, zur Zeit Konstantins wiederum das weniger "wertvolle". Die gezeigten Tabellen beweisen eindeutig, dass auf dem von den Schanzen umgrenzten Gebiet zur Zeit Konstantins der Umlauf der römischen Münzen sprunghaft anstieg. Ein anderer Versuch ebenfalls mit den Daten des Geldumlaufes die Bauzeit des Erdwallsystems zu bestimmen, 20 1 bediente sich einer falschen Methode, als er die Zeit zwischen 305-361 als ein Zeitalter auffasste und aus den so errechneten angaben Schlüsse auf die Bauzeit ziehen wollte. 20 2 Diese Methode schloss von vornherein die Möglichkeit aus, die Bauzeit genauer einzugrenzen. 20 3 Wie wir bereits erwähnten 20 4 und wie auch von anderen festgestellt wurde 20 5 bekräftigt der Münzverkehr, dass der Bau zur Zeit Konstantins ausgeführt wurde. 20 6 Ungemein wichtig ist unserer Meinung nach die auf den Geldumlauf bezügliche Feststellung von D. Gabler 20 7 wonach von der Zeit Konstantins an die römischen Goldmünzen auf dem Gebiet zum Vorschein kommen, das ausserhalb der Schanzen liegt, was heissen will, dass die Römer die im Vorland der Schanzen lebenden Völker finanzierten. Aufmerksamkeit verdient auch die Angabe, dass auf dem Gebiet des Banats angeblich ungefähr 40-50000 Stück Münzen aus dem 4. Jahrhundert bekannt sind, 20 8 von denen nach N. Gudea 20 9 ungefähr 90% aus der Zeit Konstantins stammen. A. Mócsy hält eine Bemerkung aus dem Jahre 294 in den Fasti des Hydatius 21 0 für das wichtigste Argument der Ausführung des Baues zur Zeit des Diokletian. Diese Bemerkung bezieht sich seiner Meinung nach auf den Bau zweier römischer Lager im Innern des Sarmatischen Gebietes, 21 1 was wie er glaubt, erst nach Errichtung des Schanzensystems möglich geworden sei. Im Zusammenhang mit der richtigen Interprätierung der Angabe des Hydatius - his coss. castra facta in Sarmatia Contra Acinco et Bononia (anno 294) - haben wir bereits früher auf die Tatsache hingewiesen, 21 2 dass die Bauten des Jahres 294 auf dem Frontabschnitte im Vorfeld von Sirmium durchgeführt wurden, und dass die von Hiydatius erwähnten Lager knapp am linken Donauufer und nicht 20 1 Fülöp 1976. 20 2 Fülöp 1976 258 12. Abb. 20 3 Die gezeigte karte (Fülöp 1976 258 Abb. 11) erweckt beim Leser den Eindruck, als ob das Erdwallsystem bereits zur Zeit des Diokletian bestanden hatte. Gy. Fülöp hält schliesslich die Errichtung zur Regierungszeit des Konstantin für wahrscheinlich (a. a. 0. 258-259 Anm. 26.) 20 4 Soproni 1978 125. 20 5 Wird ebenfalls in die Regierungszeit Konstantins datiert: Vaday 1970 137; Bona 1974 26; Tóth 1976 121; Ders. 1980 132. der seine Feststellungen auch eingehend begründet. 20 6 Kőhegyi 1972 108; Gabler 1975 103. 20 7 Gabler 1975 103. 20 8 Horedt 1980 117. 20 9 Gudea 1981 128. 21 0 Mócsy 1972 86, 96; Ders. 1974/a 269; Ders. 1974/c 99; Ders. 1974/d 195. Unsereseits können wir die Inschrift von Mikebuda weder aufgrund ihres Textes noch ihrer Form mit einem im Barbaricum gebauten Lager in Verbindung bringen. In ähnlicher Weise verneint den Zusammenhang zwischen der Inschrift und zwischen der Errichtung eines Lagers im Barbaricum auch E. Tóth (1976 121). - Was das angenommene Lager der Römer in Türkeve und seinen Zusammenhang mit der Hydatius-Angabe (Erdélyi 1981) betrifft, so haben wir bei unserer Geländebegehung im Jahre 1980 keinerlei Spur gefunden, die auf ein römisches Militärlager schliessen liesse. Die auf den Luftaufnahnem beobachtete Erscheinung kann bestenfalls mit einem Marschlager in Verbindung gebracht werden. Auch diese Annahme könnte nur durch eine Kontrollgrabung in zufriedenstellender Weise bestätigt werden. Die Angabe des Hydatius aber kann sich auf keinen Fall auf ein Marschlager beziehen. 21 1 G. Brizzi (1979 62) schreibt, sich auf A. Mócsy stützend, ebenfalls über seit dem Jahre 294 bestehende Lager im Innern des Sarmatenlandes. In jüngster Zeit sucht A. Mócsy (1980 632) die Lager Contra Acinco und Contra Bononiam wieder im Innern des Barbaricum. 21 2 Soproni 1977 393-397; Ders. 1978 128-131. Vgl. noch die Ausführungen von E. Tóth (1976 121), und besonders Ders. 1980. In ähnlicher Weise veneint Zs. Visy (1978 250-251) unter dem Hinweis auf die Tatsache, dass die geographische Lage des Lagers von Begec (Contra Bononiam) die Möglichkeit einer Verbindung der Hydatius-Stelle mit dem Erdwallsystem von vornherein Ausschliesst, diesen Zusammenhang. Das Erdwallsystem in der Batschka ist selbstverständlich nach der Römerzeit errichtet worden (Vgl. Soproni 1978 113). 67