GARAM ÉVA - PATAY PÁL - SOPRONI SÁNDOR: SARMATISCHES WALLSYSTEM IM KAPRATENBECKEN / Régészeti Füzetek II/23. (Magyar Nemzeti Múzeum Budapest, 2003

IV. Die historische Auswertung der Erdwälle (S. Soproni)

der einen oder anderen wichtigeren Siedlung. 105 Hingegen versah unser Erdwallsystem den Schutz eines cca 60-65000 km 2 grossen Gebietes gegen Os­ten, bzw. gegen Norden. Die Ausdehnung des Gebie­tes und die Organisationsarbeit, die dieses Bauun­ternehmen erforderte, weisen unbedingt auf eine ent­wickelte, stammesverbundene Gesellschaft hin. 10 6 Die Linienführung der Wälle, ihre Absteckung und ihre Errichtung lassen auf eine zentrale Leitung schliessen. In dieser Hinsicht musste die Zeit vor der Römer­herrschaft in Ungarn von vornherein aus dem Kreis unserer Untersuchungen ausgeschlossen werden, da ja die geographische Lage des ersten Staates mit zentra­listischem Charakter, des dakischen Königreiches des Burebista 10 8 ab ovo die Möglichkeit ausschliesst, das Erdwallsystem der Tiefebene mit den Dakern in Zusammenhang zu bringen. Die Hypothese von K. Horedt, dass die Römer das Schanzensystem zum Schutz gegen das dakische Königreich des Decebal im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung erbaut hät­ten 10 9, wird durch die stratigraphischen Beobachtun­gen eindeutig widerlegt. 11 0 Übringes spricht für die Unwahrscheinlichkeit dieser Annahme auch der Um­stand, dass die Römer zu dieser Zeit noch nicht einmal ihren Limes längs der Donau ausbauten, bzw. um diese Zeit gerade dem regelrechten Ausbau begannen. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass die Römer zugleich mit dem Bau des Limes an der Donau oder vielleicht noch früher, mehrere hundert Kilometer ent­fernt im Vorland des Limes ein so ausgedehntes Verteidigungssystem gebaut hätten. Die während der Ausgrabungen von Kovászi (Covasinti) aufgefundene sog. "dakische" Keramik - auf die K. Horedt die Da­tierung des Baus auf das 1. Jahrhundert begründet" 1 kommt nicht in Frage, da diese Scherben ja aus dem Auffüllmaterial des Grabens zum Vorschein gekom­men sind. 11 2 Dorthin aber konnten sie nach der Aushebung des Graben jederzeit gekommen sein. Bei der Bestimmung des Alters des Erwallsys­tems spielte die Tatsache eine entscheidende Rolle, dass die west-ost-gerichteten Schanzen das von ihnen eingeschlossene Gebiet von Norden her, die nord­siidlich verlaufenden von Osten her schützten. Ihr Er­bauer kann also nur ein Volk gewesen sein, dass zu einer gewissen Zeit das ganze Gebiet beherrschte und es gegen Angriffe von Osten bzw. vom Norden her schützen wollte. Hierfür kommt, wie wir sehen wer­den, nur ein einziges Volk in Betracht, die Sarmaten, die zur Zeit der Römerherrschaft hier lebten. Der Ausbau des Erdwallsystems nach der Römerzeit ist - daraufhat bereits K. Horedt eingehend hingewiesen 11 3 - nicht wahrscheinlich, da kein ein­ziges Volk auf dem ganzen vom Schanzensystem be­grenzten Gebiet lebte, das von Osten bzw. vom Nor­den her Schutz gebraucht hätte." 4 Wir kennen al­lerdings Längswallsysteme, die ohne Zweifel nach der Römerherrschaft errichtet wurden, so z. B. das Erd­wallsystem in der Bácska (Batschka) und das damit zusammenhängende in Slidtransdanubien 1" oder in Westtransdanubien die Linie in der Umgebung von Vasvár." 6 Die topographische und die chronologische Lage des von uns behandelten Schanzensystems weist jedoch, wie wir sehen werden, eindeutig auf die Römerzeit hin. I0: ! Über die urzeitlichen Erdburgen. Erdwälle zusammenfassend: Nováki 1963; Ders. 1975 323-339. Vgl. noch: Nováki-Sándorl'i­Miklós 1979. 10 6 Diese Tatsache wird auch durch P. Patay in seinen früheren Studien betont. 10 7 Dieser wichtige Umstand wurde auch durch den Forscher hervorgehoben, der die ersten systematischen Geländebegehungen an den Wällen vornahm: vgl. Téglás 1904 42. 10 8 Über das dakische Königreich des Burebista: Mócsy 1962 530-532; Ders. 1974/a 17-19: Ders. 1974/b 19-22. 10 9 Die Wachstationen am Wege längs des Flusses Maros (zuletzt: Märghitan 1978 49-51) bedeuten nicht, dass das ganze Gebiet des Banats von der provisorischen Besetzung zur Zeit des Trajans abgesehen (über die Besetzung: Mócsy 1974/a 99-100; Ders. 1974/b 105) zu Dakien gehörte. Bezüglich des Baues des Erdwallsystems im 1. Jahrhundert K. Horedt (1974 209 und 212-214: Ders. 1968 Abb. 1) sagte sich von der bisherigen Praxis los und zeichnete auf seiner Karte die Westliche Grenze Dakiens dem Tatbestand gemäss ein. Das durch die Wälle umgrenzte Gebiet des Banats hat nicht zur früheren Provinz Dakien gehört. Garant 1969 und Kapitel III. des vorliegenden Bandes. 1, 1 Horedt 1974 a.a. 0. 11 2 Dörner-Borneant 1968. 11 3 Horedt 1968 51-53. 11 4 Nach I. Bona (1974 25-26) wurde die Ostgrenze "Gepidiens" durch das bereits fertige Wallsystem gebildet, das sich damals wohl noch in gutem Zustand befand. Die Gepiden beherrschten jedoch nur den kleineren Teil des durch das Schanzensystem umgrenz­ten Gebietes. Ebendort erwähnt er. dass auch die Ostgrenze des Wohngebietes der Awaren in der Frühzeit int Grossen und Ganzen mit der Linie des Erdwallsystems übereinstimmt. 1. 5 Soproni 1969/a 117; Ders. 1969/b 43; Ders. 1978 113. Die Erforschung des Erdwallsystems in Transdanubien (in den Komitaten Somogy, Baranya, bzw. Tolna) habe ich zusammen mit den Kollegen E. Garam und P. Patay durchgrführt. 1. 6 Paulovics 1949; Nováki 1964 135-138. - Im Zuge Geländeforschungen konnten wir 1968 die Linie der Schanzen von Vasvár bis Hegyhátszentpéter verfolgen. Geländebegehungstagebuch. Ung. Nationalmuseum. Dokumentationsarchiv XL 129/1969. 58

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