H. Kolba Judit szerk.: Führer durch die historische Ausstellung des Ungarischen Nationalmuseums 2 - Von der Staatsgründung bis zur Vertreibung der Türken - Die Geschichte Ungarns im 11.-17. Jahrhundert (Budapest, 1997)
SAAL 6 - Das in drei Teile zerrissene Ungarn Die Zeit der Türkenbesetzung (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) (Ibolya Gerelyes)
SAAL 6 Das in drei Teile zerrissene Ungarn Die Zeit der Türkenbesetzung (2. Hälfte 16.-17. Jahrhundert) In drei Sälen unserer Ausstellung wird die fast zwei Jahrhunderte umfassende Zeit beschrieben, die als Zeit der Türkenbesetzung bezeichnet zu werden pflegt. Die Benennung rührt von daher, daß damals das schon viel früher an den Landesgrenzen auftretende, nach Weltherrschaft strebende Osmanische Reich seinen Fuß endgültig auf das Gebiet des Königreichs Ungarn setzt und in entscheidendem Maße dessen Schicksal bis zum Ende des 17. Jahrhunderts bestimmt. Infolge der Teilung gab es nun drei Landesteile unterschiedlichen Antlitzes und - trotz gegenseitiger Beeinflussungen - verschiedener kultureller Werte, die auf uns überkommen sind. In diesem Saal finden sich die Denkmäler der unter osmanische Herrschaft gelangten zentralen Gebiete. Durch den Fall von Nándorfehérvár (Beograd) (1521) und den Verlust der südlichen Grenzburgenlinie an die Osmanen (15211524) war dem Osmanischen Reich die Möglichkeit gegeben, Buda einzunehmen. In der Schlacht bei Mohács am 29. August 1526 erlitt das 25 000 Mann-Heer der Ungarn eine entscheidende Niederlage durch die 80 000 Mann Sultan Suleimans (15201566). In dieser Schlacht erlitt Ungarns Militär- und Regierungsorganisation unersetzliche Verluste. Der Herrscher Ludwig IL (1516-1526) ertrank auf der Flucht im angeschwollenen Csele-Bach, und sieben hohe Geistliche und 28 ungarische Hochadlige waren auf dem Schlachtfeld geblieben. Nach der verlorenen Schlacht bei Mohács zeichneten sich gut sichtbar die Kraftlinien ab, entlang denen das Land später dreigeteilt wurde. Dadurch, daß die ungarischen Stände in der Person von Johann Szapolyai, Woiwode von Siebenbürgen (1526-1540), bzw. dem österreichischen Erzherzog und böhmischen König Ferdinand von Habsburg (1526-1564) zwei Könige wählten, setzte der Verfallsprozeß des Landes ein. Buda, die Hauptstadt des Landes, fiel 1541 endgültig in türkische Hände. In den folgenden Jahren bis 1566 vergrößerte sich der in das Territorium des mittelalterlichen Ungarn getriebene türkische Keil ständig. Als 1568 König Maximilian I (1564-1576) und Sultan Selim IL (1566-1574) im Frieden von Adrianopel (Edirne) die türkischen Eroberungen von 1552 und 1566 bestätigten, fixierten sie damit die faktischen Zustände. Dieser Friedensschluß deutete auch an, daß in absehbarer Zeit keine Möglichkeit bestünde, den Türken zu vertreiben und die Einheit des Landes wiederherzustellen. Die Szapolyais und die Habsburgerdynastie regelten ihr Verhältnis 1570, im sog. Vertrag von Speyer: Siebenbürgen wurde ein gesondertes Land mit selbständiger Verwaltung seiner inneren Angelegenheiten unter osmanischer Abhängigkeit, es erkannte aber zugleich auch die Oberhoheit des den westlichen und nördlichen Teil des einstigen Landes, das sog. königliche Ungarn, besitzenden ungarischen König aus dem Haus Habsburg an. VON DER SCHLACHT BEI MOHÁCS BIS ZUM VERTRAG VON SPEYER (1526-1570) Die Darstellung der Zeit beginnt mit der das ungarische Nationalbewußtsein bis heute determinierenden Schlacht bei Mohács. Der den Heldentod gestorbenen Ungarn und fremden Söldner gedenkt die Photographie der auf dem Schlachtfeld bei Mohács freigelegten Massengräber. Mit dem gleichen Ereignis ist der sog. Schatz von Kölesd verknüpft. Der Tradition nach ist eine Holztruhe mit vierzig Silberbechern und Pokalen am Donauufer beim Gut Kölesd im Komitat Tolna gefunden worden. An zwei Stücken des Schatzfundes steht auch der Name des Besitzers der Becher, des in der Schlacht bei Mohács gefallenen Obergespans der Komitate Preßburg und später Zala Ambrus Sárkány Akosházi. Den türkischen Standpunkt vertritt die Kopie einer Miniatur, die aus einer osmani-