Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Denkmäler der skythischen Tierstilkunst

Mitte des 7. bis zur Mitte des 6. Jh. v. Chr. war die Mode des im Grab 71 von Törökszentmiklós - Surján (Taf. 128, 9) gefundenen bronzenen Armringes typisch. Eine wichtige Angabe zur Datierung des Bronzespiegels von dem hier erwähnten Typ stammt aus einem Grab der Hallstattkultur - aus Grab 29 von Sopron - Krautacker, in dem sich neben Schmuck­stücken der Alföld-Gruppe (Haarringe, Kaurisch­necken) auch späthallstattzeitliche Keramik befand. 567 Diese Keramik ist in die Periode Ha D2, in die zweite Hälfte des 6. Jh. v. Chr. datiert. Auch die dreikantigen bronzenen Pfeilspitzen in Beigaben der Bestattung von Comlod in Siebenbürgen können aus dieser Perio­de gestammt haben, 568 obwohl derartige Pfeilspitzen auch im Denkmalmaterial des 5. Jh. v. Chr. zu finden sind. Wie die Grabfunde bezeugen, wurden Bronze­spiegel im Kaipatenbecken vor der Skythenzeit nicht gefertigt. Vom Osten, aus der Steppenzone gelangten Spiegel mit anderen Gegenständen skythischen Typs zusammen dorthin. Die ältesten, in Siebenbürgen zum Vorschein gekommenen Exemplare können in die zweite Hälfte des 7. Jh. v. Chr. datiert werden, und sie gehören zu den Formen mit Mittelgriff, zum Typ von Gerasimovka. Das Volk der Alföld-Gruppe und das der Siebenbürgen-Gruppe konnten die Spiegel im skythischen Tierstil, vom Typ Olbia-Berezan und die Spiegel mit Eisengriff später, in der ersten Hälfte des 6. Jh. v. Chr. übernommen haben. Die Übernahme, die örtliche Herstellung dieser Spiegeltypen belegen, dass diese Volksgruppen ebenso dem Spiegel eine magi­sche Bedeutung beilegende Glaubenswelt hatten, wie die Bevölkerung des Steppengebietes skythischer Kultur. Laut der Angaben von T.M. Kuznecova kamen nur 24 Exemplare von den 80 Stück bekannten Spiegeln skythischen Typs je aus einem Grab zum Vorschein, die anderen sind Streufunde. 569 Auch die Spiegel­funde des Kaipatenbecken zeigen ein ähnliches Bild. Man muss hier bemerken, dass es unter den Streufun­den fast unversehrte Exemplare besonders guter Qualität gibt (Muhi: Taf. 35, 9, Szécsény: Taf. 178, 4), Siebenbürgen (Fejérd - Rascruci, Makkfalva - Ghin­dari, Oláhzsákod - Jacu, Pókfalva - Päuca), 570 während die aus Gräbern zum Vorschein gekomme­nen Exemplare ohne Ausnahme mangelhaft sind. Der Zustand aus Brandbestattungen stammenden Spiegel zeigt, dass sie auf den Scheiterhaufen gelegt wurden. Die unversehrten Spiegel kamen demgegnüber nicht als Grabbeigaben in die Erde, sondern sie sollten einem sakralen Zweck dienend abgesondert vergraben worden sein. Die in Nagytarcsa gefundenen Bronze­rasseln mit Tierfigur, Glöckchen, Eisentrensen bele­gen, dass das Volk der Alföld-Gruppe beim Opfer­zeremonien vertwolle Gegenstände in der Erde gelegt hat. Bronzespiegel mit Schmucksachen und mit Waffen vergesellschaftet kamen gleicherweise aus Bestattun­gen zum Vorschein. Diese Tatsache weist darauf hin, dass der Brauch der Beigabe der Spiegel im Grab mit dem Geschlecht der Verstorbenen nicht im Zusam­menhang stand. Sie symbolisierten die Sonne, das ewige Leben, d.h. sie waren keine Gebrauchsgegen­stände, sondern sie gehörten zum Kult, zur Glauben­swelt. Fischförmiger Goldbeschlag Der in Békéscsaba gefundenen Goldblechzier ist einzigartiges Exemplar der Denkmäler der Tierstil­kunst in der Tiefebene (Taf. 9, 8). 1 891 kaufte das Un­garische Nationalmuseum zwei gleichförmige Fische aus dünnem Goldblech, der eine ist im Laufe des Zweiten Weltkrieges verloren gegangen. Die Funktion der Goldblechziere ist nicht zu bestimmen. Höchst­wahrscheinlich wurde das Kopfteil mittels eines Nietes an einem Riemen befestigt, am Ende war der Rand der Rückplatte des Bleches über den Riemen ge­bogen. Der Riemen soll Bestandteil eines Zeum­zeuges, oder Gewandes gewesen sein. Fisch-Reliefe aus Goldblech kommen sowohl in der skythischen, wie auch in der thrakischen Kunst vor. Fischförmige Goldbleche in Aufsichtsdarstellung kamen u.a. aus den Kurganen von Solocha und Vol­kovci im Steppengebiet zum Vorschein, es sind auch aus Bronze gefertigte Exemplare bekannt. 571 Diese verzierten den Zaum an der Stirn des Pferdes. Sie stammen aus dem 5.-4. Jh. v. Chr. Ihre Form stimmt mit der des Goldblechs von Békéscsaba nicht völlig überein, weil sie den Fisch in realistischem Stil dar­stellen. In der skythischen Kunst weist das Fischmotiv iranischen Ursprung auf, es symbolisiert das Wasser als Lebenselement. Der Meinung von M. Rostowzew nach war die Fischfigur auf dem Pferdegeschirr die Darstellung der Gottheit, die Wasser und Pferd schützte, und die ganze Natur verkörperlichte und be­herrschte. 572 567 568 JEREM 1981, 115. Abb. 7. HOREDT 1960,482. KUZNECOVA 1990, 87. 570 TÉGLÁS 1913, 319-322. Abb. 24, 3-5, Taf. 25, 1-2. ILTNSKAJA/TERENOZKIN 1984, 161 ROSTOWZEW 1913, 228. -4; VASILIEV 1980, Tal

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