Kemenczei Tibor: Studien zu den denkmälern skythisch geprägter alföld gruppe (Inventarta Praehistorica Hungariae 12; Budapest, 2009)

Der Fundstoff - Schlussbetrachtung

SCHLUSSBETRACHTUNG Als Forschungsergebnis der vergangenen letzten zwei Jahrzehnte bekommt man heute ein viel genaueres, authentischeres Bild von der Skythenzeit in der Tiefebene und im nördlichen Gebirgsland, als vor­her. Unter den Schlussfolgerungen, die aus der Ana­lyse des Denkmalmaterials vom Steppengebiet gezo­gen wurden, scheinen diejenigen eine überzeugende Kraft zu haben, denen nach dort das Aufkommen der skythischen Kultur schon im 8. Jh. v. Chr. angefangen hat. Jene frühskythischen Denkmäler des Kubange­bietes, die mit den Grabfunden des Karpatenbeckens eine Verwandtschaft aufweisen, wurden auf die Mitte des 7. Jh. v. Chr. datiert. Die im Waldsteppengebiet entlang des Dnjepr und des Mittleren Dnestr frei­gelegten Kurganfunde zeugen davon, dass die skythi­sche Kultur in der zweiten Hälfte des 7. Jh. v. Chr. auch in diesen Gebieten vorherrschend wurde. Für die Datierung der ältesten Gräberfeldfunde der Alföld­Gruppe sind die Funde des Repjachovataja-Kurgans von Matusov besonders wichtig. Im Fundstoff dieses Kurgans gibt es einen griechischen Bronzekessel, der aus der zweiten Hälfte des 7. Jh. v. Chr. stammt. Die Parallelen der aus dem Kurgan zum Vorschein ge­kommenen eisernen Streitäxte, Lanzenspitzen ge­langten u.a. aus dem Gräberfeld vom nordungarischen Alsótelekes ans Tageslicht. Die Bestattungen der im Mittleren Dnestrbecken freigelegten Kurgane Dolin­jany, Perebykovcy, Kruglik, Lisicniki waren dem Be­stattungsritus nach genauso Brandschüttungsgräber, wie zahlreiche Gräber der Alföld-Gruppe. Letztere wurden auf Grund des griechischen Bronzegefäßes unter den Beigaben des Kurgans Kruglik in die letzten Jahrzehnte des 7. Jh. v. Chr. datiert. Im Fundgut des Kurgans Perebukovcy findet man das Vorbild der Eisentrensen vom Typ Vekerzug in der Tiefebene, aus dem Kurgan Kruglik kam das genaue Vergleichsstück der skythenzeitlichen scheibengedrehten Urnen der Alföld-Gruppe zum Vorschein. Es gibt mehrere Paral­lelen der scheibengedrehten Tongefäßformen der Alföld-Gruppe im Fundgut der im Mittleren Dnestrge­biet freigelegten frühskythischen Siedlungen (Dolin­jany, Ivane Puste). Das Töpferhandwerk des Wald­steppengebietes übernahm das Verfahren der Herstel­lung der Drehscheibenkeramik von den Töpfer­meistern jener griechischen Siedlungen, die an der Nordküste des Schwarzen Meeres gegründet worden waren. Nemirovskoe gorodisce am Mittellauf des Flusses Bug war eine wichtige Station an der Han­delsstraße, die vom Nordpontus nach Norden führte. In jener Schicht dieser Siedlung, welche aus dem 7. Jh. v. Chr. stammt, befinden sich sowohl handge­machte wie auch scheibengedrehte Produkte des ört­lichen Töpferhandwerks. Die ersten griechischen Siedlungen auf der Halbinsel Berezan' wurden Mitte des 7. Jh. v. Chr. gegründet. Die älteste in die Ungari­sche Tiefebene gelangte scheibengedrehte Keramik kam mit Metallgegenständen frühskythischer Prägung vergesellschaftet vor, diese Tatsache bestimmt den dortigen Anfang der Skythenzeit. Im Fundstoff der Alföld-Gruppe gibt es neben den erwähnten Funden aus den letzten Jahrzehnten des 7. Jh. v. Chr. auch mehrere andere Gegenstände, die ebenfalls zu den Denkmälern der Frühskythenzeit gezählt werden können. Dazu gehören das Gold­diadem aus dem Fürstengrab von Ártánd, der Gold­hirsch und die Goldkette von Mezőkeresztes - Zöld­halompuszta, der Hirsch aus Elektron von Tápiószent­márton, rosettenförmige goldene Gewandbesätze aus mehreren Bestattungen in der Tiefebene, bronzene Köcherverzierungen im Tierstil, Bronzespiegel, bron­zene Stangenaufsätze mit Tierfigur. Die Laufzeit ähn­licher Gegenstände dauerte in der Steppenzone auch im ganzen 6. Jh. v. Chr. an, d.h. aus dieser Zeit dürfte auch ein Teil der Funde der Alföld-Gruppe gestammt haben. Die älteste Periode der Alföld-Gruppe wurde durch die im Fürstengrab von Ártánd aufgefundene antike griechische Hydria datiert. Nach früheren Meinungen wurde dieses Fundstück in den 670er Jahren v. Chr. gefertigt. Neuerlich wurde es aber auf Grund einer ausführlicheren Analyse in die um ein halbes Jahrhun­dert frühere Zeit datiert. Dieses Datum steht mit dem feststellbaren Alter mehrerer frühskythischen Funde im Einklang.

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