Patay Pál: Kupfzerzeitleiche Siedlung von Tiszalúc. (Inventaria Praehistorica Hungariae 11; Budapest, 2005)
4. Das Fundmaterial - 4.2. Bein- und Geweihwerkzeug
Ulna Radius Tibia Fibula Metapodium Insgesamt Reh (Capreolus capreolus) 1 2 2 5 Hausschwein (Sus domesticus) 18 18 Wildschwein (Sus scrofa) 7 7 Insgesamt 8 8 9 25 17 67 Unbestimmbar 13 Da Pfrieme aus Bein im Laufe der ganzen Urzeit gefertigt und verwendet wurden, hat dieses Werkzeug keine besondere Bedeutung (Taf. 2.6-13). Dennoch können an Hand der obigen Aufstellung mehrere Bemerkungen gemacht werden. Die eine: Da die Pfrieme ein kleineres Werkzeug waren, wurden sie vor allem (40 St., und somit nicht ganz zwei Drittel der bestimmten Stücke) aus den Knochen von mittelgroßen Tieren wie Schaf oder Ziege (Taf. 2.13), Hausschwein (Taf. 2.7) oder Reh (Taf. 2.6) gefertigt. Die Knochen kleinerer Tiere (Hund, Fuchs, Hase) verwendete man nicht für diesen Zweck. Die andere: Auffallenderweise war, daß fast ein Drittel (21 St.) der Pfrieme aus Hirschknochen bestanden (Taf. 2,10-12), obwohl ihr Anteil an den Tierknochenfunden weit geringer ist als der der Rinder. Und schließlich ist noch auffalliger, daß es Pfrieme aus den Fibulae nur von Haus- und Wildschwein gab (Taf. 2.7 bzw. 8), aber keine aus der Fibula eines anderen Tieres. Fischerpfeilspitze. Ein Gerät aus einer Hirschgeweihsprosse. Ein Ende wurde spitz zugeschliffen und am anderen Ende eine kleine Tülle gestaltet, in die der Schaft eingepaßt wurde, die aber auch einen spitzen längeren Widerhaken hat. Die Pfeilspitze wurde quer durchbohrt. Durch den Widerhaken verhakte sich die Pfeilspitze in den angeschossenen Fisch, den man mit Hilfe der durch das Loch an der Pfeilspitze gezogenen Schnur aus dem Wasser ziehen konnte. Ihre Länge beträgt zwischen 8 und 11 cm, wovon auf den Widerhaken 1-3 cm entfallen (Taf. 2.1-3). Bei den Ausgrabungen wurden insgesamt elf solche Pfeilspitzen gefunden. Zwei waren bei der Bearbeitung beschädigt worden 121 und drei waren Halbfertigstücke, bei denen die Tülle noch nicht ausgestaltet war (Taf. 2.4), 122 und bei einer hatte man mit der Durchbohrung nur begonnen, aber von beiden Seiten (Taf. 2.5). Die Benutzung solcher Fischerpfeilspitzen war im Laufe der Urzeit recht verbreitet. In mehreren Gräbern aus Periode I (frühe Kupferzeit) des Gräberfeldes Polgár-Basatanya gehörten sie zu den Beigaben, in Grab 12 lagen sogar zwei. 123 Meißel. Ebenfalls aus einer Hirschgeweihsprosse gefertigt. Man hatte die Spitze der Sprosse auf beiden Seiten flach geschnitzt, wodurch eine schmale Schneide von 0,5 cm entstanden war (Taf. 3.4). Es gibt aber auch zwei Meißel aus dem Stück einer Rinderulna (Taf. 3.3) bzw. -rippe, 124 dessen eines Ende zu einer 1,3 cm breiten Schneide geschliffen worden war. Beingegenstand unbekannten Zweckes. Unter den Funden befinden sich auch sechs langstielige, ruderblattartige Beingegenstände. Nur einer war in unbeschädigtem Zustand (Taf. 3.2). Das dem Blatt entgegengesetzte Ende war kreuzförmig ausgearbeitet. Seine Länge beträgt 14 cm. Unter den beschädigten war einer aber auch länger als 18,6 cm. 125 Bei einem von ihnen ist das abgeflachte Ende gerade abgeschnitten (Taf. 3.1). Die Bestimmung dieser Beingegenstände ist unbekannt. Da ihre Form und Größe fast identisch mit den kupfernen Nadeln mit Ruderblattkopf aus lászládány und Polgár-Basatanya sind, 126 hatten sie möglicherweise dieselbe Funktion, obwohl wir auch die jener nicht kennen. Geweihwerkzeug mit Griff. Hirschgeweih war in der älteren Periode der Urzeit ein gesuchter Rohstoff. Auch in der Siedlung von Tiszalúc fanden sich Geräte aus Geweih, die man durchbohrt und an einem Stiel befestigt benutzte. Sie bestanden aus abgeworfenen Geweihen, mit Ausnahme von zweien, die aus der lagdbeute stammen, da sich auch ein Stück vom Schädelknochen daran befindet (Taf. 4.1). 127 In den meisten Fällen hatte man den Geweihansatz verwendet; bei zweien aber das Stück bei der Abzweigung der Mittelsprosse 128 und bei einem das am Stamm der Krone (Taf. 4.2). Die Durchbohrungen für den Griff befanden sich quer zur Richtung der Sprossen (Taf. 4.1, 4-5), mit Ausnahme von zweien, deren Griffloch - unter Ausnutzung des schwammigen Geweihinneren - sich gerade an der Stelle der abgeschnittenen Sprossen in ihrer Längsrichtung 1 Inv.-Nr.: 88.7.1073,94.11.145 2 Siehe noch Inv.-Nr.: 80.11.345 3 B.-KUTZIAN 1963, 312, Taf. Xffl.l, Taf. XX.10-11, Taf. XXXVTJI.8 4 Siehe noch Inv.-Nr. 85.2.8 5 Inv.-Nr.: 83.35.128, 88.35.301, 88.8.49, 88.8.57, 89.4.419 Jászladány Grab 21 (PATAY 1945, 6, 17, Taf. VI.7) - Polgár-Basatanya Grab 129 (B.-KUTZIAN 1963, 208, Taf. CX.4) Siehe noch Inv.-Nr. 83.35.188 Siehe noch Inv.-Nr. 77.8.126 + 127, 94.10.1