Szabó József: Früh- und Mittelbronzezeitliche Gräberfelder von Battonya. (Inventaria Praehistorica Hungariae 8; Budapest, 2000)
Ferenc Szálai: Anthropologische Untersuchung der Skelette und der Reste von Leichenbränden aus den früh- und mittelbronzezeitlichen Gräberfeldern von Battonya
Tierknochen unter den Bränden der Gräber 108, 114 und 125. Gebrannte Tierknochen kamen aus den Bränden der Gräber 109 (Abb. 8/15-17) 114 und 123/a (10983) hervor. Die im Laufe der Untersuchung der Leichenbrände gewonnenen Beobachtungen 1. Die Einäscherung wurde wohl bei unterschiedlicher Temperatur und in verschiedenen Zeiträumen durchgeführt. Es kommen nämlich alle Varianten vor von den gut ausgebrannten, kreideweißen Bränden mit Porzellanklang bis zu den kaum gebrannten Knochenresten, in mehreren Fällen auch bei den Resten von demselben Individuum. In diesen Fällen traf wohl das Feuer nicht jeden Teil der Leiche gleichermaßen. 2. Infolge der Wirkung der Wärme entstand eine wechselhafte Fragmentation auf den Knochen. Die flachen Knochen (hauptsächlich die Knochen des Schädels) falteten und spalteten sich in größerem Maße, als die anderen Skelettknochen. Die langen Röhrenknochen der Extremitäten wurden im Feuer infolge des Schmelzens vom Knochenbestand charakteristisch deformiert, oft verkrümmt, spiralartig gebogen, muschelartig gespaltet. Von den Zähnen sind meistens nur jene Teile geblieben, die Dentin beinhalteten, der Zahnschmelz ist von der Zahnkrone vollständig abgeplatzt. Die schwammartigen Teile des Knochens sind nur bei schlechter Ausbrennung erhalten geblieben. Während der Auswahl und Ordnen der Brände ist es uns gelungen, oft lange Diaphysisbruchstücke und größere Schädeldetails zu restaurieren, ein Teil dieser ist auf den Tafel zu sehen. 3. Beim Grab 123 kamen Brände aus 4, beim Grab 127 aus 3 Gefäßen zum Vorschein. Im Verlaufe der Untersuchung stellte es sich heraus, daß hier nicht die Reste eines einzigen Individuums in mehrere Urnen verteilt wurden, sondern daß die Knochenreste in jeder Urne zu einer anderen Person gehören. Das beweist das mehrfache Vorkommen von einzelnen Knochenteilen (Tabelle 14). Die Urnen mit Leichenbränden waren sehr nah beieinander, deshalb kann man vermuten, daß die Einäscherung und Bestattung von mehreren Individuen zu derselben Zeit vor sich ging. 31 4. Aus der Tabelle 14 ist ersichtlich, daß die Bruchstücke der vollständigen Skelette sowohl in Urnen-, als auch in Brandschüttungsgräbern zu finden waren. Die gestörten Gräber waren unvollständig, was mit dem Verlorengehen der Brände nach der Störung zu erklären ist. Es gibt jedoch Urnen, in denen Brandreste von zwei Individuen gefunden wurden. Dieses Phänomen bedarf einer besonderen Bedeutung. Es handelt sich um die folgenden Gräber: Grab 123a (10983): Erwachsene(r) und Kind; Grab 123a (10984): Erwachsene(r) und Kind; Grab 123b (10985): zwei Erwachsene; Grab 127 (10990): zwei Erwachsene; Grab 127 (10992): Erwachsene(r) und Kind. Mehr als 95% der Leichenbrände dieser Gräber gehörten beweisbar zu einem Individuum, nur einige Bruchstücke von Knochen weisen auf die Anwesenheit einer anderen Person hin. Bei einer gemeinsamen Einäscherung von einem Kind und einem Erwachsenen können wir noch für möglich halten, daß die Kinderknochen im Feuer leichter zu Staub werden und von ihnen weniger bleiben wird. Im Falle von zwei Erwachsenen müssten die Reste der beiden Skelette proportional unter den Brandrelikten vorkommen. Dieses Phänomen kann vielleicht damit erklärt werden, daß die Gemeinschaft die Einäscherung mehrmals auf demselben Platz vornahm und im Laufe des Zusammensammelns der Brände konnten die aus den früheren Verbrennungen dort gebliebenen Knochenreste unter die Leichenbrände gelangen. Die Lage der Population in der Bronzezeit der Süd-Tiefebene Bevor wir beginnen, die anthropologischen Merkmale der bronzezeitlichen Gemeinschaft von Battonya mit der Bevölkerung der anderen bronzezeitlichen Fundstelle zu vergleichen, müssen wir die Aufmerksamkeit auf die große Ähnlichkeit mit den Skeletten lenken, die in den 60er Jahren erschlossen und publi ziert wurden (Gräberfeld I). 32 Die Ähnlichkeit ist sowohl in der Verteilung der Altersgruppen und Geschlechter, als auch aufgrund der Schädel-Indizes, der morphologischen Merkmale, der durchschnittlichen Körperhöhe, usw. nachzuweisen. Beide Gräberfelder gehörten (trotz der erwähnten territorialen Absonderung) zu derselben Population, die hier zu dieser Zeit gelebt hatte. Um die Fallszahl zu erhöhen, haben wir die Schädel-Indizes der Gräberfelder I und II bei der Bewertung zusammengezogen und mit den Angaben anderer Gräberfelder verglichen (Tabelle 12). Im Falle der Männer weisen das früh- und mittelbronzezeitliche Gräberfeld von Mokrin, sowie das von Szöreg C die größte Ähnlichkeit mit den SchädelIndexen der Männer von Battonya auf, mit dem Unterschied, daß es im Gräberfeld von Mokrin keine ultrabrachykane Elemente gab. Die spätbronzezeitliche Bevölkerung von Tápé unterscheidet sich 31 SZABÓ 1986. FARKAS-LIPTÁK 1968.