Kalicz Nánor: Früchneolitische Siedlungsfunde aus Südwestungarn. (Inventaria Praehistorica Hungariae 4; Budapest, 1990)
EINLEITUNG - II. BESCHREIBUNG DER FUNDORTE DER STARCEVO-KULTUR IN TRANSDANUBIEN
sergebiet. Die Funde gehören der späten Phase der Starcevo-Kultur an (Taf. 43, 4; Taf. 44, 5). Besonders charakteristisch ist das bemalte Kelchfragment, dessen braune Bemalung im weißen Rahmen wir nicht gelten ließen. Seither ist es aber offenbar geworden, daß die bichrome Bemalung an Fundorten der späten Phase der Starcevo-Kultur (Cri§-Kultur) mehrfach vorgekommen ist. So kann man die farbige Originalzeichnung von Wosinsky (deren Reproduktion hier publiziert wird) als authentisch annehmen. In den seither vergangenen Jahrzehnten ist die weiße Bemalung verblaßt. 9. Kaposvár — Deseda In der Nähe des nordöstlichen Randes der Stadt begleitet das nicht sehr breite Tal des beinahe in N-SRichtung fließenden Deseda-Baches (nach der im Maßstab 1:25.000 gezeichnetten Landkarte ist es der Gyimes-Bach) ein gegliedertes, hohes Lößufer. Am nordöstlichen Hange des Ufers, in einer Höhe von 15 bis 20 m findet man — mit den Andenken aus anderen Perioden zusammen — auch Funde aus der StarcevoKultur (Taf. 4, 4). Die gezeigte Keramik wurde von S. Molnár in den Jahren 1973 bis 1978 gesammelt. 110 Diese Funde teilen wir im Rahmen einer gesonderten Studie mit. Sehr viele Scherben sind anläßlich des ersten Tiefpflügens an die Oberfläche gelangt. Den ersten vom Fundort stammenden und in die StarcevoKultur gehörenden Fund, einen niedrigen, zylinderförmigen Röhrenfuß hat K. Bakay noch in die LengyelKultur eingereiht, 111 doch schon aufgrund des mitgeteilten Bildes läßt es sich feststellen, daß es in der Lengyel-Kultur keine solchen Röhrenfüße gibt. Die im Museum befindlichen, weiteren Funde aber beheben jeden Zweifel, daß der Fundort in die Starcevo-Kultur gehört. Meine lokale Inaugenscheinnahme hat die Beobachtung von S. Molnár bestätigt. Man findet Zeugen der Starcevo-Kultur in einem Umkreis von etwa 50 Metern verstreut. Auf dem höheren Teil des Hügelhanges befand sich eine kleinere Siedlung. Unter der Keramik gibt es viele Fragmente von Kelchen oder Fußschüsseln und doppelkonische Profile sind charakteristisch. Häufig sind Gefaßfragmente mit senkrechtem, aufgetragenem Barbotinendekor. Beachtung verdient das Fragment eines Kelches mit senkrecht eingeglätteter Verzierung (Taf. 35, 1; Taf. 43, 1). All dies deutet darauf hin, daß der Fundort der späten Phase der Starcevo-Kultur angehört (Tafeln 31-37; Taf. 38, 1-2; Taf. 43, 3, 6-7, 9b-c, 10). 10. Medina—Margitkert Der Fundort ist ein NO-SW gerichteter niedriger Hügelrücken, der 1934 durch einen für den SióKanal angelegten Graben durchschnitten wurde (Taf. 4, 5) Bei dieser Gelegenheit gelangten die wahrscheinlich aus einem Grabe entstammenden Gefäße der Starcevo-Kultur in das Szekszárder Museum (Taf. 112 12, 1, 3, 7). J. Csalog sammelte während der Ar113 beiten Funde der Kultur der Linienbandkeramik. Anläßlich der mit J. Makkay zusammen vorgenommenen Inaugenscheinnahme des Fundortes fanden wir in der aus dem Bett ausgehobenen Erde viele Scherben aus der Starcevo-Kultur. 114 Gelegentlich einer kleineren Versuchsgrabung im Jahre 1974 legten wir zwei Objekte der ältesten Phase der Transdanubischen Linienbandkeramik frei und stießen auch auf Funde der jüngeren oder klassischen Linienbandkeramik 115 ohne bei dieser Gelegenheit Zeugen der Starcevo-Kultur zu finden. So enthält dieser Fundort — ähnlich wie Becsehely — grundlegend wichtige Möglichkeiten für die Bestimmung der Chronologie des transdanubischen Frühneolithikums. Auch ist es klar geworden, daß es den vor der sondierenden Grabung vorausgesetzten „Medina-Typus" nicht gibt, weil das in diesen Begriff einbezogene Fundmaterial auf zwei Kulturen, bzw. mehrere Phasen verteilt ist. 116 Die bisher gesammelten Funde vom Starcevo-Typus sind denen von Lánycsók ähnlich und können somit nicht in die jüngste Periode der Starcevo-Kultur eingereiht werden. 11. Pellér d — MÉV Ércdúsító-Zagytároló (Tiefbau-Unternehmen ) Im Zuge von Kanalbau und Erdabfuhr wurden zahlreiche archäologische Objekte zerstöbert. Der Fundort liegt am Pécser-Wasser, auf der an der Südseite leicht ansteigenden Uferlinie. Bei der Fundrettung sind auch Funde aus der Starcevo-Kultur zum 117 Vorschein gekommen. 12. Szekszárd — Bonyháder Straße I. Z. Gaál führte 1982 auf dem sich aus dem früheren Hochwassergebiet der Donau erhebenden niedrigen Hügelrücken eine kleinere Fundrettung durch (Taf. 5, 1). Bei Weinbergsarbeiten war eine Siedlung der Starcevo-Kultur zerstöbert worden. Wegen der beschränkten Möglichkeiten konnten die Objekte bei der Fundrettung nicht ermittelt werden. Die wenigen gefundenen Scherben gehören aber zweifellos in die Starcevo-Kultur (Taf. 40, l-12b). 118 13. Szentlászló — Almás patak Der Fundort wurde von S. Molnár entdeckt. Nach seiner schriftlichen und mündlichen Mitteilung wurde südlich von der Gemeinde, in etwa 1,5 km Entfernung von der Brücke bei der Tiefung des zwischen höheren Hügeln in einem breiten Tale fließenden Baches der ausgehobene Schlamm am Ufer ausgebreitet, in dem sehr viel Fundmaterial aus mehreren Perio-