Korek József: Die Theiß-Kultur in der mittleren und nördlichen Theißgegend. (Inventaria Praehistorica Hungariae 3; Budapest, 1989)

Imre LENGYEL: Über die Laboruntersuchung von menschlichen Skelettresten aus dem Fundort von Kisköre-Damm - 1. Einleitung - 2. Material und Methode

ÜBER DIE LABORUNTERSUCHUNG VON MENSCHLICHEN SKELETTRESTEN AUS DEM FUNDORT VON KISKÖRE-DAMM Imre LENGYEL 1. EINLEITUNG Die Untersuchung der aus den archäologischen Er­schließungen stammenden menschlichen Knochenreste bezweckt im allgemeinen, die in solchen Knochen „verborgenen" Informationen zu dekodieren, welche das Leben von Bestatteten eines gegebenen Gräberfeldes, als gesellschaftsbildenden, kulturschaffenden oder -zerstö­renden „biologischen Objekten" einer historischen Periode auch von der Seite der Naturwissenschaft her beleuchten können. Dieses Ziel kann zum Teil mit metrisch-morphologischen, zum Teil mit der zweck­mäßigen Anwendung von labortechnischen Methoden verwirklicht werden. Die erste Methode erhielt schon früher, als der eine Pfeiler der archäologischen For­schungen das Bürgerrecht, die letztere, das Laborato­riumsverfahren erstrebt vorläufig eher nur seine Daseins­berechtigung zu bezeugen. Die durch diese zwei verschie­denen Methoden erhaltenen Informationen überdecken sich zum Teil und lassen sich auch zur gegenseitigen Kontrolle ausgezeichnet anwenden, zum Teil ergänzen sie sich gegenseitig und können das biologische „Porträt" von Populationsfragmenten aus verschiedenen histori­schen Zeitaltern noch ausgeprägter umreißen. Die Menge der größten und am allermeisten zuverlässigen Informa­tionen kann natürlich durch die parallele Anwendung der beiden Methoden geliefert werden, falls wir unsere maß­haltenden Schlußfolgerungen eher in der Form von ge­dankenerregenden „Eingebungen" und nicht als ein­wandfreie Tatsachen den befugten Archäologen über­reichen. Selbst ich möchte hier mit einem in die Lebens­berechtigung der Laboratoriumsmethoden gelegten fe­sten Glauben, jedoch auch die Schranken der Auswert­barkeit meiner Ergebnisse betonend, verwendbare Infor­mationen in bezug auf die biologischen Eigenartigkeiten des spätneohthischen Populationsfragments von Kisköre liefern. 2. MATERIAL UND METHODE Im Laufe der unter der Leitung von József Korek, dem stellvertretenden Generaldirektor des Ungarischen Nationalmuseums auf dem Fundort von Kisköre-Damm durchgeführten Ausgrabungen stieß man neben den Spuren einer neohthischen Siedlung auf menschhche Skelettreste. Die Gesamtgräberzahl der Begräbnisstätte konnte den von J. Korek stammenden Informationen nach 1 nicht genau beurteilt werden, jedoch was für mich vom Gesichtspunkt der Auswertbarkeit meiner Unter­suchungsergebnisse wesentlich ist, wurden vom zusam­menhängenden, geschlossenen Gebiet des Gräberfeldes 32, in der Mehrheit spätneolithische Gräber zutage ge­fördert. Aus der Nachbarschaft dieser zusammenhän­genden Fläche kamen auch noch einige Skelette von nach anderem Ritus und in anderer historischer Periode be­statteten Individuen zum Vorschein. Aus der die Gräbernummern von 1 bis 37 führen­den Serie dieser Erschließung von Kisköre erhielt ich durch die Vermittlung von István Zalai-Gaál 31 zu unter­suchende Knochenmuster, deren komplexe Laboranalyse auf die Aufforderung von J. Korek von mir 1985—86 auch durchgeführt wurde. 2 Die Muster waren Skelettreste von mittelmäßigem bzw. schwachem Erhaltungszustand und stellten ohne Ausnahme etwa 3,0-5,0 g schwere Knochenstücke (Wirbelkörper, Oberhand- und Oberfußknochen) von spongiöser Struktur dar. Die komplexen Laboruntersuchungen wurden von mir den prinzipiellen Grundlagen des bereits früher be­schriebenen 3 methodischen Systems nach, jedoch auf­grund modernisierter technischer Verfahren durchge­führt. 1. Auf die Geschlechtszugehörigkeit der Indivi­duen konnte ich durch die Bestimmung des Citratge­haltes des Knochengewebes 4 indirekte Schlußfolgerun­gen 5 ziehen. 2. Das biologische Alter wurde von mir durch die mit den sich im Knochengewebe manifestierenden und mit der Seneszenz zusammenhängenden, biochemischen Altersindikatoren qualifiziert — wie bereits früher be­schrieben 6 — vom konsequenten und monotonen Cha­rakter ihrer Änderungen abhängend als von primärem (Phosphor und Karbonat) bzw. sekundärem (Kalzium, Kollagen und Wasser) Wert.

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