Lovag Zsuzsa: Mittelalterliche Bronzgegenstände des Ungarischen Nationalmuseum, (Catalogi Musei Nationalis Hungarici. Seria Archeologica 3; Budapest, 1999)

Katalog - Leuchter und Kreuzruße

Gegossene, vierfußige Tierfigur, wahrscheinlich ein Hund. Seine lange Schnauze hält er nach oben, die Augen sind nicht angedeutet, von seinen breiten Ohren sind nur Stümpfe vorhanden. Der Körper ist flach und breit, die Beine kurz, die Vorderbeine stehen parallel etwas nach vom, die Hinterbeine krümmen sich stark, eines ist brüchig. Der breite, kurze, dreieckförmige Schwanz krümmt sich nach unten. Auf dem Rücken, am Halsansatz ein Ring mit einem Loch, das sich nach unten verjüngend durch den Rumpf des Tieres hindurchgeht und auf dem Bauch in emem kleinen, mnden Loch endet. Hinter dem Ring, auf dem Rücken des Tieres ist an der Oberfläche des Gußstückes eine Bruchstelle, von der verzweigte Sprünge ausgehen. Die Figur war wahrscheinlich der Sockel eines kleinen Ker­zenleuchters. Der Dom des für sich stehenden Kerzenleuchters ragte aus dem am Rücken befind­lichen Ring heraus. Das Stück kann dem löwen­fÖrmigen Kerzenleuchter im Balassa Museum zu Esztergom ähnlich gewesen sein, doch ist dieses kleiner. Herkunftsort unbekannt, im Zuge der nach Kriegsende erfolgten Revision aus der römer­zeitlichen Sammlung übernommen. Nicht publiziert. 159. KERZENLEUCHTER Abb. 159 Ungarisch, 15. Jh. (?) Bronze, gegossen. H: 11 cm, B: 4,7 cm Inv.Nr. 1901.27.8. Drachenfigur mit flachem Leib, mit hocher­hobenem, schön gearbeitetem Kopf auf langem Hals, und gravierten Augen. Die vier Beine sind in Grätschstellung, die Füße enden in je vier Krallen. Der Schwanz krümmt sich nach oben, zu einem Zweig stilisiert, mit einem Seitenzweig endet er in dreifingriger Blattform mit gegossener Ademng. Unter dem Schwanz ein Ring. Am Halse der Tierfigur ein dünner, nach vom gekrümmter Nagel, auf dem Rücken ein etwas seitlich stehender, dickerer Nietnagel. Wahrscheinlich ein Handkerzenleuchter, der flache Rücken des Tierkörpers ist nicht so fem gearbeitet, wie die Füße, der Schwanz und der Kopf. Durch Kauf mit mehreren anderen - vor allem urzeitlichen - Gegenständen zusammen ins Museum gelangt. Stammt nach Angabe des Verkäufers aus Gyulafehérvár (Alba-Julia, Ru­mänien). Nicht publiziert. 160. FRAGMENT EINES LEUCHTERS Abb. 160 Deutsch, Beginn des 15. Jh. Bronze, gegossen. H: 10 cm, B: 21 cm Inv.Nr. 1926.12. Bis zur Taille erhaltener Leuchter in Menschen­form. Auf dem nach vorn blickenden, gerade gehaltenen Kopf trägt er eine über die Ohren gezogene Kappe, die oben in einem hohen, etwas nach vorn geneigtem Zipfel endet, über dem Genick ein zurückgebogencr, rechteckiger Teil mit Gittermuster. Am Rande der Kappe befindet sich über der Stirn ein rundes Loch. Die Augen sind groß und offen, die Augenbrauen dick. Bart und Schnurrbart fehlen. Das Glatte Gewand hat kurze, sich weitende Ärmel, mit schräger, gravierter Linienverzierung am Rande. Die dünnen Arme sind ausgebreitet und im Ellbogen etwas nach oben gebogen. In den Händen hielt die Figur einst Kerzenhalter, in einer Hand ist ein senkrechtes Loch, in der anderen em Stück des einkorrodierten Nietnagcls. An der sich veren­genden Taille ist die Figur abgebrochen, auch der Zipfel der Kappe ist brüchig. Die Figur ist wahrscheinlich ein Stück eines einen Clown darstellenden, für weltliche Zwecke hergestellten Tischleuchters. Herkunftsort unbekannt, durch das Museum von emem Kunsthändler erstanden. Laut Angabe des Verkäufers in der Umgebung von Miskolc (Kom. Borsod) gefunden. SZENTPÉTERY o.J., 329; LOVAG 1979, 49, Abb. 16/a. 161. KERZENLEUCHTERFRAGMENT Abb. 161 Mitteleuropa, Ende des 15. Jh. Bronze, gegossen. H: 31 cm, B: 12 cm Inv.Nr. 1879.81.3. Oberteil eines zweiarmigen Kerzenleuchters. Aus einem sechsseitigen Pyramidenstumpf herauswachsender, prismaförmiger Griff, oben­auf doppeltes Gesims. Auf den in zwei Richtun­gen ragenden Armen oben und unten heraus­ragende Rankenverziemng, an der Seite eine gravierte Linie. Oben auf den Zweigen je eine sechsseitige, prismenförmige Kerzenhülse mit Rippen oben, unten und in der Mitte. In der oberen Hälfte je ein rundes, in der unteren je ein schlüssellochförmiges Loch. Der untere Teil des Griffes und der Sockel fehlen, der obere Rand der einen Hülse ist brüchig. Ein ähnlicher, auf hohem, zylindrischem Sockel stehender Kerzenleuchter ist von LOCKNER 1982, 168, Abb. 333 mitgeteilt. Herkunftsort unbekannt, mit mehreren, verschie­den Alten Gegenständen durch das Museum von emem Händler gekauft. Nicht publiziert.

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