Lovag Zsuzsa: Mittelalterliche Bronzgegenstände des Ungarischen Nationalmuseum, (Catalogi Musei Nationalis Hungarici. Seria Archeologica 3; Budapest, 1999)
Katalog - Vortragekreuze und Korpusse
An der Seite des Kreuzes Plattenbekleidung mit ziseliertem Blattschmuck und aufgenieteten halbkugel förmigen Knöpfen. Über dem Nodus steht das Kreuz auf einem hohen, mit eingezogenem Hals anschließendem kugelsegmentförmigem Oberteil, unter dem Nodus ist die zylinderförmige, unten und oben durch Rippen gegliederte Tülle. Auf dieser die gravierte Inschrift I.M. 1452. Die Umkleidung der Querbalken besteht aus mehreren Stücken, die meisten sind mit neueren Nägeln befestigt. Das Umkleidungsblech ist stellenweise gesprungen, abgewetzt, die Vergoldung ist nur zum Teil erhalten. Die Ränder der blattumrahmten, quadratischen Platten auf der Vorderseite sind mehrfach abgebrochen und verbogen. Der Nodus des Balkenteils ist verbeult und abgewetzt. Die Oberfläche der Glassteine ist abgewetzt, trüb, in der Einfassung an der Schnittstelle der Balken ist neueres Glasscheibe. Herkunftsort unbekannt, durch das Museum von einem Kunsthändler gekauft. KOLBA 1987, 740, Abb. 1863-64. 67. KORPUS EINES VORTRAGEKREUZES Abb. 67 Ungarisch, Ende des 11. Jh. Bronze, gegossen, graviert, vergoldet. H: 14,8 cm, B: 8,9 cm Inv. Nr. Ö/1.84.2. Die Arme des Korpus wurden gesondert gegossen und dem Körper angenietet. Ein Arm ist abgebrochen. Der Kopf ist etwas auf die linke Schulter geneigt, also auf die entgegengesetzte Seite als sonst üblich. Die Augen sind geschlossen, Wimpern, Haar, Ohren und Bart sind durch gravierte Striche angedeutet. Auf den Schultern bis auf die Mitte des Brustkorbs reichende, mit schräger Gravierung verzierte Haarlocken. Der erhaltene linke Arm ist gerade ausgestreckt, am Handgelenk dichte Kerbung, die große, flache Hand ist etwas nach oben gedreht, die Handfläche durchbohrt. Die Brustmuskeln sind mittels einer gravierten Doppellinie, die Rippen durch schräge Striche angedeutet. Auf dem Lendenschurz befuidet sich ein glatter, mit Punktreihen verzierter Gürtel, in der Mitte ein als Doppellinie gravierter Knoten und gravierte, senkrechte Falten. Die Beine sind in Abstand von einander gerade ausgestreckt, die Füße geschlossen, Nägel fehlen. Der mit primitiver Technik gegossene, in semen Emzelheiten aber mit sicherer Hand gravierte und vergoldete Korpus ahmt die Kruzifixe der ersten Hälfte des 11. Jh. - in erster Lime das GisellaKreuz - nach. hi der Umgebung von Dombóvár (Kom. Tolna) aus der Erde zum Vorschein gekommen, vom Sohn des Finders an das Museum verkauft. LOVAG 1985, 183-190; LOVAG 1994, II-8. 68. KORPUS EINES VORTRAGEKREUZES Abb. 68 Ungarisch, zweite Hälfte des 12. Jh. Bronze, gegossen, graviert, vergoldet. H: 9,8 cm, B: 5 cm Inv.Nr. 1879.35.1. (Unter Nr. 58.38.B. neu inventarisiert) Die Haltung des Korpus ist frontal, auf dem gerade gehaltenen Kopf eine flache Bandkrone. Die Augen smd geschlossen dargestellt, mit gravierten Wimpern, Haar, Schnurrbart und Bart sind nicht angedeutet. Der linke Arm fehlt, der andere ist dünn, gerade ausgestreckt, am Handgelenk dichte Kerbung, der Damnen ist an die Hand geschmiegt, auf der Handfläche ein rundes Loch. Die Rippen sind durch bogenförmige, gravierte Linien angedeutet. Am Lendenschurz ein glatter Gürtel, vom eine senkrechte, tiefe Falte, auf den Schenkeln gravierte, V-förmige flache Falten. Die sehr dünnen, langen Beine sind fest geschlossen, unter den Füßen eine durchbohrte Platte zum Annieten an das Kreuz. Der Korpus gehört zum meistverbreiteten ungarländischen Typ, zusammen mit den bei Kat. Nr. 43. aufgezählten Kreuzen. Herkunftsort unbekannt, durch Kauf ins Museum gelangt. LOVAG 1978, 188, Abb. 10. 69. KORPUS EINES VORTRAGEKREUZES Abb. 69 Ungarisch, 12.-13. Jh. Bronze, gegossen, vergoldet. H: 8,3 cm, B: 5,6 cm Inv.Nr. Ö/1.83/1. Grob geformter Korpus, der Kopf ist etwas zur Seite gedreht. Im maskenartigen Gesicht sind die Augen offen dargestellt, das in der Mitte gescheitelte Haar, Schnurrbart und Bart sind durch gravierte Striche angedeutet, ähnlich die Wimpern unter den Augen. Die Arme sind waagerecht ausgestreckt, die linke Hand durchbohrt, die rechte abgebrochen. Die Rippen sind nicht angedeutet. Auf dem Lendenschurz ein breiter, waagerecht gerippter Gürtel ohne Knoten, der Schurz ist aus in nach unten laufenden Falten sich treffenden Flächen zusammengesetzt. Die fest geschlossenen dünnen Berne smd im Knie gebeugt und etwas seitlich gerichtet, Nägel fehlen. Der Korpus wurde in den dreißiger Jahren mit Menschengebeinen zusammen an der Straße zwischen Kunszentmárton und Szentes (Kom. Csongrád) beim Veker-Gehöft gefunden. J.