KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

haft-kolossale Untier hat den dritten Matrosen schon auf die letzte Spitze des Riffes getrieben und wenn er dem Schnabel oder den unförmi­gen Tatzen des Unholdes entgehen will, muss er wieder hinab in die tiefen Fluten springen. Wieder ein symbolisch aufgefasstes, einheitliches Bild, dessen Bedeutung für die wahre Beschaf­fenheit des irdischen Daseins untrügliche Kon­klusionen verbirgt. Denn auch das irdische Le­ben stellt uns häufig vor zwei gleiche Lebens­gefahren und der Mensch wählt nicht selten die eine Gefahr, um der anderen zu entgehen. In der Rahmeneinfassung dieser zweiten Szene er­scheint die Traumgestalt des Satanas, der die Menschenscharen mit Behagen in die Hölle treibt. Links wankt der Tod mit seiner neuen Beute herbei. Auf dem dritten Bilde des ersten Zyklus vom Tode braust das „Meer" hoch auf und aus den stürmischen Wellen greift eine furchtbare Faust empor, um ein Schiff in die Tiefe mit sich zu reissen. Im Rahmen ist unter Seeblumen ein Schädel sichtbar, dessen Gebiss wie eine Perlenreihe schimmert. Wieder wurde das eigentliche Todes- oder Totenmotiv auf das Rahmenbild verschoben, während im inneren Bilde nur das tragische Schicksal eines Schif­fes, unseres Lebensschiffes, symbolisch ange­deutet wird. Das vierte Stück schildert eine „Chaussee" nach einem vorübergezogenen Sturm. Nur ein junger Baum liegt vom Blitze gestürzt am Boden und daneben kauert ein lebloser Klumpen, eine alte Frau, die der Blitz ebenfalls getötet hat. Jugend und Alter „rafft der Tod gleich dahin", — aber von einer Todesgestalt ist keine Spur ! Todesbild — ohne „Tod." — Da­für lässt aber M. Klinger in der fünften Szene das kleine Kind vom Tod selber der Mutter rau­ben. Das sechste Bild ist eine geschichtliche To­tentanzszene, — wieder ohne irgendein Todes­emblem. Heródes, der mächtige Vierfürst, liess seinen Thron auf der Kampfbahn auf einem Postament hoch errichten. Während der Kampf­spiele wurde er aber vergiftet. Nun liegt er vor seinem Thron dahingestreckt, sich vor Leiden am Boden herumwälzend. Das Gift wird sei­nem Leben bald ein Ende machen. Die Krone rollt von seinem Kopf und der im Rahmenbilde sitzende Wächter betrachtet sie mit Verachtung. Mitleidslos wird „der Mensch" auf dieser „Are­na des Lebens" auch von den Zuschauern ver­lassen. Denn die Menschen können ihre „Ent­täuschung" nicht verbergen, wenn das grosse Lebensschauspiel eines mächtigen Fürsten so kläglich endet. Auch der „Landmann" der näch­sten Szene wird nicht vom Tode, sondern vom zufälligen Hufschlag eines wild gewordenen Pferdes tödlich verwundet. Sein Leben, das Blut, welches aus seiner Wunde in die dunkel da­liegende, unersättliche Furche des Ackers fliesst, wird im Rahmenbilde von einem Untier, von der symbolischen Gestalt der „Erde" hastig ein­gesogen. Dieses Untier umkrallt einen Schädel und wirft sich mit Gier auf den aufgedunsenen Körper eines krepierten Hundes. Sehr interessant ist das Bild der siebenten Szene. „Auf derl Schienen", am steilen Bahndamm einer Gebirgs­bahn, wo die Geleise an einem unergründlichen Abgrund vorüberführen, wo also das kleinste Hindernis die Bahn zum Entgleisen bringen kann, da liegt das Todesskelett, welches die Schienen verbogen hat, quer über den Geleisen. Die Finger hält der Tod im Munde, er scheint ein Signal geben zu wollen. Aber er wird es sich noch überlegen. Es ist eben Abenddämmerung und das Unglück soll — mit dem Nachtzug ge­schehen ! Im Ornament des Rahmens schmük­ken das Bild wild verbogene Schienen, verzerrte Köpfe — das bald in der Dunkelheit der Nacht eintreffende Unglück vorausdeutend. 1 „Die arme Familie" und ihr Leben wählte Klinger zum Ge­genstand der neunten Szene dieser Todes-Rei­he. Der arbeitsunfähige Mann und ein verhun­gertes Weib leben in einem ärmlichen Boden­zimmer. Das Weib sieht durch die kleine Dach­luke flehend zum Himmel empor. Im Rahmen­bilde winkt der Tod und weist auf zwei offe­ne Gräber. Und nun folgt die Schulsszene der ersten Bilderreihe M. Klingers vom Tode.' Im inneren Raum eines steingefügten Sockels liegt ein halb verwester Leichnam eines jungen Man­nes. Hier herrscht schon Frieden. Auf dem obe­ren Bilde aber erscheint der Tod in einer feier­lichen Gewandfigur, mit einer Friedenspalme in der Hand. Den Hintergrund bildet „die öde Wü­ste des Lebens." Ein Greis fällt vor dem Tod in betender Haltung nieder. Ihm ist das Ster­ben eine Rettung aus diesem jämmerlichen Er­dendasein Daher auch der Titel des Bildes : Der Tod als Heiland. Aber die weiteren Figuren des Bildes, Mann, Weib und Kind stürmen davon mit dem Ausdruck des Gefühls höchster Furcht, grössten Entsetzens. Im Rahmen, unter phan­tastischen Verzierungen bekommen wir symbo­lisch aufgefasste Todesszenen aus der alten Schatzkammer dieser Motive geschöpft. Der Tod steht hier auf zuckenden Herzen. Er greift dann auch nach dem fliehenden Mann, er um­schlingt das Weib, das sich umsonst aus sei­nen Krallen zu winden sucht. Dann stellt der Tod dem Gott Amor Schlingen und eilt durch dieLüftedem fliehenden Mädchennach. Schliess­lich lagert sich dieses moderne „Todes-Untier" in der Form eines Riesenkrebses über den Leich­nam eines Mannes. Zum Schluss also kehrt Klinger zum alten Motivschatz zurück, um aber ebenfalls lauter „einheitlich allgemein mensch­lich symbolisierende Lebensbilder" zu geben. Den Höhepunkt Klinger scher Kunst bilden die zwölf Darstellungen der Blätter „Vom Tode II. 3 Wie es auch Schmid betont, 4 sind diese Bilder übermenschlich und erschreckend impo­sant. Sie sind allgemein menschlich deutbare Szenen und in ihrem eigenartigen Impressionis­1 vgl. Tafel LX. Fig. 3. 2 vgl, Tafel LX. Fig. 4. 3 vgl. Tafel LX1. Fig. 1-4. 4 vgl. Schmid : a. a. 0. S. 150-160 ; Abb. 139. 140, 141, 143 usw.

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