KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)

Anhang I

in der Form von drei Würfeln, die aber die Gestalt eines Totenschädels haben, dieser Sym­bolismus, der das Todesskelett, wie einen glü­henden Meteor, auf die Erde stürzen und da­durch den Wechsel des irdischen Schicksals verursachen lässt, ist aber schon jenseits der Grenze des ästhetisch Schönen. Ganz von der Nähe gesehen bietet uns Sattler Tafel XLIV Fig. 9 einen Blick auf das Haupt des gekreu­zigten Heilands und das Gesicht der zwei Schä­cher links und rechts. Christi Haupt wird auf eine feierliche Weise vom Tod bekränzt . . . und mit dieser erhabenen Geste endet ein „mo­derner Totentanz". Auf der Tafel XLIV veröffentliche ich zwei Exlibris-Holzschnitte eines ungarischen Holz­schnittkünstlers der Gegenwart. Der Professor Julius Fábián, ein bekannter ungarischer Ju­gendschriftsteller und samt seiner Frau, Fábián­ná Biczó Ilona — aus deren Totentanz-Radie­rungen ich ebenfalls einige Proben mitteile, — auch ein bedeutender Künstler, hat mir diese zwei Exlibris-Darstellungen auf eine liebens­würdige Weise zur Veröffentlichung überlassen. Ich stelle die beiden Darstellungen, das Duell des Arztes mit dem Tod und die wundervoll­symbolische Auffassung auf dem Bilde mit der vom Tod gefährdeten Rose, neben diejenigen Sattlers. Ich möchte damit zeigen, mit wieviel Geschmack auch im Reiche der symbolistischen Darstellungsform der Grundgedanke des alten Totentanzes zum Ausdruck gebracht werden kann. Der Kampf des Arztes mit dem Tod voll­zieht sich in den ärztlichen Büchern selbst und das Siegesbewusstsein des zur Operation ver­mummten Arztes schenkt uns die Hoffnung, dass die moderne ärztliche Wissenschaft in manchen Fällen tatsächlich dem Tod ein Schnipp­chen schlagen kann. Die Rose, die gefürchtete Schöne mit den Dornen, das Ziel unserer Sehn­sucht und Hoffnung, nach welcher sich zwei Hände flehend emporheben, um sie vor jedem Unglück und vor dem Verwelken zu schützen, lebt in der ständigen Gefahr, von der Knochen­hand des Todes ergriffen zu werden. Eine un­bekannte Hand versucht es, dem mörderischen Ansinnen des Skelett-Königs, des Lebensfeindes, Einhalt zu gebieten. Wie lange wird dies aber gelingen ? Es sind wahrlich sehr schöne und gedankenerregende, symbolische Darstellungen 1 Schon in Sattlers Totentanz fanden sich expressionistische und impressionistische Wen­dungen. Besonders unter jenen Szenen der ins­gesamt 13 Darstellungen, die ich nicht veröf­fentliche. Auf einen expressionistischen Gedan­ken bringt uns der kunstvolle Einfall Sattlers, wenn er die Zecher in das Innere eines Toten­schädels verlegt, wenn er in der Augenhöhle eines Pessimisten in einem quadratförmigen Bildausschnitt einen erhängten Menschen zeigt. Aber bis sich aus diesen Einzelheiten der künst­lerische Totentanz der Gegenwart entwickelt, bis dahin führt noch ein langer Weg. Einstweilen erscheinen noch Einzelbilder­reihen nach dem Muster von T. Weiss und seiner Vorgänger. Erwähnenswert ist unter an­deren ein Bildtotentanz von Otto Seitz. 1 Als Karl v. Piloty's Schüler hatte er sich ein reges Interesse für den Mystizismus der Totentanzart angeeignet. Seine 32 Totentanz-Zeichnungen sind zum Teil in der Zeitschrift „Jugend" ver­öffentlicht worden. Wir werden an die Volks­sagen vom Holzknecht erinnert, den der gefällte Baum niederwirft und erdrückt. Der Tod arbei­tet aber auf dem Bilde von Seitz mit dem Holz­knecht gemeinsam, wie er es schon auf dem Holbeinbilde tut, wo Adam und der Tod mit den gleichen Bewegungen und gleichzeitig die Erde urbar machen. Das Bewusstsein der Sünde und Schande verkörperlicht die Todesgestalt, wenn sie sich in der Person der Kupplerin der von allen ehrlichen Menschen verlassenen, nack­ten Dirne naht. Es ist nicht das mörderische Amt des Todes, das uns der Verfasser ver­ständlich machen will. Nur die Gefahr, die im­manente Gerechtigkeit der irdischen Schicksale will er uns vor die Augen führen. Die Gefahr, welche sich dem ahnungslosen Kindchen in der Gestalt einer Schlange naht, versinnbildlicht uns die alte Skelett-Bettlerin, welche auf die Schlange hinweist. In der Szene des Selbstmörders muss nicht der Tod erst durch die Tat herbeigerufen werden. Ja, er selber ist es, wie bei Sattler, der dem Selbstmörder schon den Strick vorbereitet, der ihn zur Verzweiflungstat verleitet. Im Strom wird zur Zeit der alles verheerenden Über­schwemmung auch eine kleine Wiege vom reis­senden Wasser fortgeschleppt. Und der Tod, ein drolliger Bauernbursche fährt mit auf einem umgeworfenen Baumriesen in gespensterhaft dä­monischer Gestalt. Die Kunstreiterin wird nicht vom Tod getötet. Aber die Gefahr, welche ihr fast in jeder Minute droht, währenddessen sie dem erstaunt aufgeregten Publikum ihre Pro­duktionen vorführt, wird dadurch angedeutet, dass der Reifen, durch den die Dirne springen soll, vom Skelett-Klaun in der Knochenhand gehalten wird. 2 Dem Autofahrer, der sich durch die finstere Nacht mit Mühe den Weg bahnt, fährt der Chauffeur-Tod auf einem Sargautomobil voran. Im grossen Staub, den das Todesauto­mobil macht, findet der andere Autofahrer si­cherlich nicht mehr den richtigen Weg. Nicht nur die beständige Gefahr, welche das Leben mit dem sicheren Untergange bedroht, wird durch das Skelett personifiziert. Auch die Unmöglich­keit der Rettung. 3 Im Rahmenbilde sehen wir einen Menschen, der in den Fluten ertrinkt und umsonst mit dem Tode ringt. Der Tod steht aber am Ufer und hält ihm zu seiner Rettung — einen leichten Strohhalm hin, damit er den Wellen ja nicht entkommt. Und im Mittelbilde ist es schon finstere Nacht. Der Mond scheint. Am Ufer des Wassers, wo noch vorher ein 1 geb. 1846 in München und gest. ebenda 1912; vgl. Tafel XL1X und L. Fig. 1-6. 2 vgl. Tafel XL1X. 3 vgl. Tafel L. Fig. 1-2.

Next

/
Oldalképek
Tartalom