KOZÁKY ISTVÁN: A HALÁLTÁNCOK TÖRTÉNETE III. / Bibliotheca Humanitatis Historica - A Magyar Nemzeti Múzeum művelődéstörténeti kiadványai 7. (Budapest, 1941)
Anhang I
lik-des Everyman-Todestanzes, so wie sie Hans Kurth auf zwei Blättern mit dem Flötenspielerund Türklopfer-Tod 1 auf eine sehr kunstreiche Weise in je einem Einzelbildchen verwertet, leitet den berühmten Professor zur Darstellung einer Reihe von bald holbeinartigen, bald realisierenden, bald wieder auf die Gesamtheit des irdischen Lebens umdeutbaren, erhabenen Szenen. Altes und Neues verbindet der Meister mit einer erstaunlichen Gewandtheit und zeigt dabei ein sehr erfinderisches Talent. Schon das Bild am Titelblatt mit dem über einer modernen Stadt gespenstisch fliegenden Tod und mit dem alten Eremiten, der sich angesichts eines Totenkopfes vor dem weltlichen Leben ganz in die Einsamkeit flüchtet und sich der Betrachtung der Nichtigkeit des Irdischen restlos übergibt, führt uns wieder in eine ganz neue Welt der Totentanzauffassung, welche uns gerade durch die Betrachtung des Lebens unserer eigenen Gegenwart in eine echte Totentanzstimmung versetzen kann. Wie im biblischen Totentanz, so steht der Verfasser auch in diesem „modernen Totentenz" ganz ungehindert und offenherzig auf dem Standpunkt der katholischen Weltanschauung Der Tod, welcher sich die Kleidung eines modernen Kuriers anlegte, erhält von einem Engel den göttlichen Befehl, in die Welt auszuziehen und alle jene „zu den Vätern zu sammeln", deren Namen im „himmlischen Buche" verzeichnet sind. Der Tod gehorcht also dem göttlichen Befehl, wird zu einem Diener der Engel und zum Vollstrecker des göttlichen Willens. Manchmal ist bei T. Weiss der Tod nicht einmal der Vollstrecker des göttlichen Befehles, sondern es erscheint meist ein Engel, um die Seele aus dem Körper zu locken. So öffnet in der lieblichen Szene des Kindleins 2 ein Engel das Fenster, damit sich. die Seele des Kindes umso schneller mit dem Äther vereinigen kann, während der Tod den entseelten Körper in der Wiege zärtlich schaukelt, nicht weiter handelnd eingreift, und nur durch seine Anwesenheit die Vergänglichkeit des Irdischen andeutet. Die Szene mit dem alten Blinden, der vom Tod verlockt in ein offenes Grab stürzt, während ihm der Tod die Schnur seines Hundes durchschneidet, stammt direkt aus dem Kreise der Basler und holbeinartigen Totentanzmotive. Auch am Krankenbette ist der Tod zugegen und bedeutet die Hoffnungslosigkeit des Krankheitszustandes. Dem Bankherrn zeigt er nur einen Wechsel, der noch heute fällig ist, und beim Apotheker genügt nur die Erscheinung des hocheleganten Herrn Dr. Hein, um alle Medizinleute in die Flucht zu jagen. Auch hier „tötet" er nicht, nur das Skelettgesicht eines eintretenden Herrn macht die Szene zu einem „Totentanz", aber schon in einem ganz anderen Sinne. Und wo bleibt da der „Totentanz" überhaupt, wenn der Tod zur Cholera-Zeit „seine Ernte", eine Fuhre Särge und 1 Vgl. Tafel XLV. Fig. 1-2, 2 Tat. XLVI. Fig. 2. Leichname, in der Gestalt eines gespenstigen Skelett-Kutschers aus der Stadt fährt ? Aber dieser passiv auftretende Tod wird dann auch wieder zum Anführer der Soldaten am Schlachtfelde und der Aufständischen auf den Barrikaden. 3 Eine in den modernen Totentänzen häufig wiederkehrende Wendung ist der Einfall, dass die Eisenbahnunfälle ebenfalls ein Werk des „modernen Todes" sind, dem es einen ganz aussergewöhnlichen Spass macht, die Menschen gerade durch die neuesten Erfindungen und durch die bequemsten Einrichtungen der „modernen" Technik noch schneller dem Verderben opfern zu können. Daher wird es nicht nur in der darstellenden Kunst, sondern auch in der Poesie zu einer unverbleiblichen Notwendigkeit, den Tod als einen Eisenbahn-Weichensteller, der aber durch eine falsche Weichenstellung zwei Bahnen gegeneinander fahren lässt, und als einen Steuermann auftreten zu lassen, der aber das ihm anvertraute Schiff versenkt. 4 Und wenn die Bombe in der Hand der Attentäter zu früh explodiert, weil der schalkhafte Tod die Schnur heimlich anzieht, wenn auf der Bühne ein Brand entsteht, weil unter den Tänzerinnen ein geisterhaft-teuflischer Skelett-Partner erscheint, durch dessen bösen Willen der Schleier der Ballerinen an der Bühnenbeleuchtung Feuer fängt, so sind das Einfälle, welche den modernen Totentanz in einer ganz neuen, lebenswahreren und der „modernen" Gegenwart mehr angepassteren Richtung weiter entwickeln. 5 Die Szene mit den Kartenspielern und Zechern ist uns aus anderwärtigen Totentanz-Bearbeitungen schon seit Holbein genügsam bekannt. Die Bewegung des überraschten Wirtes hat überhaupt etwas Holbeinartiges an sich. 6 Dass der Tod auf einem Maskenball heimlich als Tänzer verkleidet die Tänzerinnen zum Tanze auffordert, dies bietet noch samt der Theaterszene die einzige Gelegenheit, in diesem eigenartig auf Seitenwege geschobenen modernen Totentanz noch einmal auf das Motiv des Tanzes leise aufmerksam gemacht zu werden. Wenn der Tod zum Duell ein Zeichen gibt, so ist seine Erscheinung den handelnden Personen des Bildes unsichtbar gedacht, nur für den Beschauer der Darstellung ist er von Bedeutung, da er das Gefahrvolle in den menschlichen Handlungen betont. In der Szene des Liebespaares, das sich das Leben nimmt, erscheint der Tod nur als ein Unterweltsgeist, der, mit dem Teufel gleichzeitig, seinem Anspruch auf die seit der Erbsünde seiner Macht unterworfene Menschheit Geltung zu verschaffen weiss. Aber gleich in der nächsten Szene 7 wird dieser Skelett-Todesgeist wieder zu einem erhabenen Boten Gottes, der dem Missionär im Rahmen einer tief empfundenen Szene das Sterbekreuz reicht. Und die Schluss3 vgl. Tafel XLVII. Fig. 7-8 usw. 4 vgl. Tafel XLVII. Fig. 9-10. 5 Fig. 11-12. 3 Tafel XLV1II. Fig. 13. 7 vgl. Taf. XLVIII. Fig. 17 und die übrigen Bilder.